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Wirtschaft KKH-Allianz drängte Versicherte zur Kündigung
Nachrichten Wirtschaft KKH-Allianz drängte Versicherte zur Kündigung
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21:22 07.11.2012
Von Jens Heitmann
Zentrale der KKH-Allianz in Hannover: Nur zwei Mitarbeiter sollen für die Anrufe bei den klammen Mitgliedern verantwortlich sein.
Zentrale der KKH-Allianz in Hannover: Nur zwei Mitarbeiter sollen für die Anrufe bei den klammen Mitgliedern verantwortlich sein. Quelle: dpa
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Hannover

Das ist das Zwischenergebnis einer internen Prüfung. „Wir können und wollen nicht abstreiten, dass in Einzelfällen Betroffenen im Zusammenhang mit ausstehenden Zusatzbeiträgen auf inakzeptable Art und Weise ein Wechsel der Krankenkasse nahegelegt worden ist“, sagte Vorstandsmitglied Rudolf Hauke am Mittwoch. Die KKH sei bereit, die Kündigungen als unwirksam zu betrachten und die Mitglieder „gerne wieder in unsere Solidargemeinschaft“ aufzunehmen.

Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hatte unter Verweis auf interne Telefonprotokolle der Kasse berichtet, KKH-Mitarbeiter hätten schwer kranke und somit besonders teure Versicherte zum Kassenwechsel aufgefordert. KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit hatte die Vorwürfe zunächst mit der Bemerkung zurückgewiesen, er könne sich das „definitiv nicht vorstellen“ - kurz darauf kündigte die Kasse eine Prüfung der Vorwürfe an.

Nach Angaben der KKH sollten die Anrufe ausschließlich dazu dienen, ausstehende Zusatzbeiträge einzutreiben. Eine „Vielzahl von Mitgliedern“ sei den monatlichen Obolus von 8 Euro schuldig geblieben, den die Kasse von März 2010 bis Februar 2012 erhoben hatte. Man habe unterschieden zwischen Mitgliedern, die den Zusatzbeitrag nicht zahlen wollten - und solchen, die es nicht konnten, sagte Hauke: „Aus diesen Überlegungen heraus entstand die Idee, mit einkommensschwachen Mitgliedern am Telefon über eine Lösung ihres Schuldenproblems (Stundung, Ratenzahlung, Erlass) zu sprechen.“

Laut internem Prüfbericht hat es rund 1700 solcher Anrufe gegeben, mehr als 1000 Mitglieder hätten daraufhin den Zusatzbeitrag gezahlt oder zumindest Zahlungsbereitschaft signalisiert. „Lediglich 10 Prozent der Angesprochenen“ hätten gekündigt oder ihre Kündigungsabsicht erklärt, teilte die Kasse mit. „Bei 88 Prozent der bisher ausgewerteten Telefonprotokolle wurde ein Kassenwechsel nicht thematisiert.“

Nach HAZ-Informationen sollen nur zwei Mitarbeiter alle Telefonate geführt haben. Es sei unwahrscheinlich, dass beide von sich aus auf die Idee gekommen seien, Mitgliedern die Kündigung nahezulegen - zumal sie davon keine Vorteile gehabt hätten, hieß es bei der KKH.