Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen: „Unternehmen haben große Existenzängste"
Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Industrie- und Handelskammern: „Unternehmen haben große Existenzängste"
Nachrichten Wirtschaft

Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen: „Unternehmen haben große Existenzängste"

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 21.01.2021
Wegen des Lockdowns setzen viele Einzelhandelsunternehmen verstärkt auf das Onlinegeschäft.
Wegen des Lockdowns setzen viele Einzelhandelsunternehmen verstärkt auf das Onlinegeschäft. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Während die Industrie in der Corona-Krise wieder Hoffnung schöpft, verdüstert sich die Stimmung im Einzelhandel, bei Hotels und Gaststätten sowie in der Reise- und Messewirtschaft weiter. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen (IHKN). „Die Stimmung kippt gerade in vielen Branchen und schwankt zwischen frustriert und zunehmend auch verzweifelt“, sagte Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt am Donnerstag in Hannover. „Die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden haben mittlerweile große Existenzängste."

Nach Einschätzung der IHKN droht vielen Einzelhändlern und Dienstleistern wegen der Schließung ihrer Betriebe die Insolvenz. Das Eigenkapital sei vielfach aufgebraucht, Firmen stünden vor dem Nichts, sagte Bielfeldt. „Schöne Worte reichen den vom Lockdown betroffenen Unternehmen nicht mehr aus.“ Die zugesagten finanziellen Hilfen müssten jetzt fließen. Wichtig sei auch, dass schnell und umfassend gegen das Coronavirus geimpft werde.

Konjunkturindikator gestiegen

Insgesamt ist der IHK-Konjunkturklimaindikator im vierten Quartal 2020 jedoch von 89 auf 91 Punkte gestiegen. Die aktuelle Geschäftslage wird von 28 (Vorquartal: 22) Prozent der Unternehmen als gut beurteilt. 25 Prozent beurteilen ihre Lage als schlecht – nach 28 Prozent im vorherigen Quartal. Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich trotz des Lockdowns nur geringfügig verschlechtert. Unverändert rechnen 16 Prozent der Firmen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. 35 (Vorquartal: 33) Prozent erwarten einen negativen Trend.

Vor allem in der Industrie herrscht wieder Zuversicht. Obwohl der Auftragsbestand von den Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges noch immer als zu niedrig empfunden wird, habe sich die Geschäftslage weiter verbessert. Sie sei nur noch geringfügig unter dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise, hieß es. Auch die Investitionsabsichten hätten zugenommen.

Supermärkte zufrieden

Im Einzelhandel indes sind nur Supermärkte, Drogerien und Apotheken mit ihren Geschäften zufrieden. Allen sonstigen stationären Geschäften habe das wichtige Weihnachtsgeschäft gefehlt, erklärte die IHKN. Nur Händler mit einem zweiten Verkaufskanal (Click & Collect oder Onlineshop) könnten ihre Kosten zumindest teilweise decken.

Von Jens Heitmann