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Wirtschaft Hohe Rohstoffpreise machen Bahlsen zu schaffen
Nachrichten Wirtschaft Hohe Rohstoffpreise machen Bahlsen zu schaffen
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17:22 26.01.2012
Von Lars Ruzic
Bahlsen hat Probleme mit Rohstoffen.
Rundgang im Werk Barsinghausen: Andrea Grewe sortiert Kekse in Schalen ein. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

„Wir schreiben schwarze Zahlen, aber mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein.“ Über Details schweigt sich der Inhaber beim Gewinn schon seit Jahren aus. Für 2012 rechnet Bahlsen mit einer weiteren Zusatzbelastung in zweistelliger Millionenhöhe. Weitere Preiserhöhungen würden geprüft.

Zwar haben sich die Beschaffungskonditionen bei einigen Rohstoffen mit dem Abkühlen der Weltkonjunktur verbessert – etwa bei Kakao oder Weizen. Da Bahlsen aber durch längerfristige Kontrakte gebunden ist, kann der Kekskonzern von der Entspannung nur mittelfristig profitieren. Besonders hart trifft das Traditionshaus die Verteuerung bei Zucker. Hier hätten sich die Preise in den vergangenen Monaten nahezu verdoppelt, berichtete der Firmenchef. Mit Blick auf die wenigen großen Anbieter, zu denen auch die Braunschweiger Nordzucker AG gehört, kritisierte Bahlsen: „Es ist nicht in Ordnung, was da läuft. Es ist genügend Zucker da.“

Der Firmenchef hat den Einkauf inzwischen zum strategischen Erfolgsfaktor aufgewertet. Mehl bezieht Bahlsen schon seit vielen Jahren von der Okermühle seines Schwagers Gisbert v. Nordeck. Inzwischen kommen die Eier von frei laufenden Hühnern, Palmöl und Kakao zumindest weitgehend aus zertifizierten Lieferketten. „Die Kunden fragen massiv danach, was wir auf diesem Gebiet tun“, sagte Bahlsen. Damit meint der Unternehmer nicht nur den Endverbraucher, sondern auch die Handelsketten – allen voran die britischen.

Das zurückliegende Jahr konnte der Konzern mit einem Umsatzplus von 3 Prozent auf 517 Millionen Euro abschließen, Deutschland blieb mit einem 2-prozentigen Zuwachs auf 327 Millionen Euro leicht dahinter zurück. Auf dem Heimatmarkt macht Bahlsen vor allem der Lebensmittelriese Kraft zu schaffen, der mit seiner Weltmarke Oreo und neuen Milka-Keksen kräftig zulegen konnte und sich 2011 bereits auf Platz drei vorgearbeitet hat – hinter Platzhirsch Bahlsen und Griesson-de Beukelaer. Das ließ auch die Hannoveraner nicht unbeeindruckt: Sie mussten ein Abschmelzen ihres Marktanteils um einen halben Punkt auf 12,3 Prozent hinnehmen. „Wir haben allen Grund, die Konkurrenz ernst zu nehmen“, sagte Deutschland-Chef Jürgen Jürgensen – selbst bis vor einem Jahr noch bei Kraft.

Während Leibniz und Brandt Hobbits auf Wachstumskurs sind, hat Bahlsen an seiner Stammmarke weiterhin zu knabbern. „Bahlsen wächst nicht so, wie wir es gerne hätten“, sagte der Firmenchef. Die in jeder Hinsicht „älteste“ Marke im Konzern soll auch für jüngere Kundengruppen interessant werden. Zudem reiche es nicht, wenn Bahlsen „auf den Sonntagnachmittag“ beschränkt sei. Im April startet mit den „Beloba Minis“ ein Blätterteiggebäck mit Himbeerfüllung, das die Marke auffrischen soll. Viel verspricht sich das Unternehmen auch von „Choco Crunchy“ der Marke Leibniz – einer Art „Choco Crossies“ auf Keks – die im Mai auf den Markt kommen werden.

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