Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Wirtschaft Kommentar: Geschäftsmodell in Gefahr
Nachrichten Wirtschaft

HAZ-Kommentar zum Datenschutz: Geschäftsmodell in Gefahr

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 02.12.2021
Mit dem Schutz der Kundendaten tut sich Facebook nicht leicht.
Mit dem Schutz der Kundendaten tut sich Facebook nicht leicht. Quelle: Ben Margot
Anzeige
Hannover

Apple hat seine Nachbarn an der kalifornischen Goldküste zuletzt böse überrascht. Der iPhone-Hersteller räumte seinen Kunden per Update eine bessere Kontrolle über deren Daten ein. Apps dürfen im mobilen Betriebssystem IOS seither nur noch Informationen über Nutzer in anderen Programmen sammeln, wenn diese dafür ihre Erlaubnis erteilt haben. Da von dieser Option nur ein Bruchteil der Anwender Gebrauch macht, haben all jene ein Problem, die ihr Geld mit Digitalwerbung verdienen: Denn je weniger sie über das Verhalten ihrer Kunden wissen, desto weniger sind ihre PR-Plätze in der Online-Werbewelt wert.

Umsatzeinbrüche bei Tech-Konzernen

Die Folgen der von Apple forcierten Ahnungslosigkeit schlagen bereits auf die Bilanzen durch. Als Tech-Konzerne wie Facebook, Twitter und Google kürzlich ihre Zwischenergebnisse für das dritte Quartal vorlegten, mussten sie Umsatzeinbrüche in Milliardenhöhe offenlegen. Beim Messenger-Dienst Snap war sogar von einer „Disruption“ die Rede, also einer Gefährdung für das eigene Geschäftsmodell – das sahen die Anleger genauso und ließen den Börsenwert des Unternehmens um ein Viertel einbrechen.

Facebook & Co. haben also gute Gründe, den Wunsch nach mehr Datenschutz ernster zu nehmen als lange Zeit. Bisher galt im digitalen Kosmos die stille Übereinkunft, dass Nutzer für nominell kostenlose Dienstleistungen mit ihren Daten bezahlen. Ganz aus freien Stücken haben sich die Verbraucher dazu zwar nie bereit erklärt – aber sie hatten auch keine andere Wahl, wenn ihnen der Zugang zu den Plattformen wichtig war. Seit dieser Konsens bröckelt, sucht die Reklamebranche des Internets händeringend nach einem neuen. Bisher vergeblich.

Von Jens Heitmann