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Wirtschaft Kommentar zur E-Mobilität: Noch braucht es Subventionen
Nachrichten Wirtschaft

HAZ-Kommentar zu E-Autos von Jens Heitmann

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19:08 26.11.2021
Parkplätze mit einer Ladesäule für Elektroautos: Potenzielle Käufer solcher Fahrzeuge wollen Sicherheit haben, dass sie ohne lange Warterei Strom tanken können.
Parkplätze mit einer Ladesäule für Elektroautos: Potenzielle Käufer solcher Fahrzeuge wollen Sicherheit haben, dass sie ohne lange Warterei Strom tanken können. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Wenn Elektroautos so viele Vorteile bieten, wie die Werbung suggeriert, müssten sie sich eigentlich wie von selbst verkaufen. Das ist aber nicht so. Erst seit die Bundesregierung die staatliche Förderung über eine Innovationsprämie verdoppelt hat, steigen die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Batterieantrieb deutlich. Entsprechend nervös hat die Branche daher die Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP verfolgt. Ohne eine Verlängerung der Subventionen, so die Befürchtung, wäre es mit dem teuer erkauften Boom schnell wieder vorbei gewesen. Nun laufen die Zuschüsse des Fiskus zumindest bis 2025 weiter.

Kunden schauen nüchtern auf die Reichweiten

Umfragen belegen immer wieder, dass die Kundschaft die neue Technologie nicht generell ablehnt. Eine Mehrheit der Deutschen findet die Elektromobilität aus Gründen des Klimaschutzes sinnvoll und glaubt auch, dass Verbrenner eines Tages aus dem Verkehr verschwinden werden. Gebremst wird die Wechselbereitschaft jedoch durch die Beschränkungen, die mit dem Abschied von einem Benziner oder Diesel verbunden sind. Für Besitzer einer Garage mit eigener Ladestation können Stromer bereits heute eine Alternative sein, insbesondere als Zweitwagen – und sei es nur im Chic des Zeitgeistes. Wer hingegen zur Miete wohnt und auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist oder öfter längere Strecken zurücklegt, schaut nüchtern auf die Reichweite – und schiebt den Kauf auf.

Dieses Dilemma lässt sich nicht so schnell lösen, wie es der Koalitionsvertrag der Ampel suggeriert. Um bis 2030 tatsächlich 15 Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen, bedarf es mehr als hoher Subventionen. Potenzielle Käufer müssen die Sicherheit haben, dass sie jederzeit und ohne lange Warterei – sei es vor oder an der Ladestation – Strom tanken können. Solange Branchengrößen wie VW-Chef Herbert Diess glauben, dem Publikum immer aufs Neue versichern zu müssen, dass das doch kein Problem sei, ahnen die Leute, dass es sehr wohl eines ist.

Von Jens Heitmann