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Wirtschaft Gewerkschaften: So klappt der sozialverträgliche Wandel in der Autoindustrie
Nachrichten Wirtschaft Gewerkschaften: So klappt der sozialverträgliche Wandel in der Autoindustrie
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17:44 03.05.2019
Auch Volkswagen steht wegen der E-Mobilität ein gravierender Umbau bevor. Quelle: Friso Gentsch/dpa
Frankfurt/Main/Erfurt

Je nachdem, welchen Studien man glaubt, stehen Tausende bis Hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn der Automobilindustrie die Umstellung auf E-Mobilität misslingt. „Die Dekarbonisierung trifft unsere Betriebe schon sehr stark“, sagt der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger.

Er ist für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen zuständig, in denen die großen Hersteller zwar einige verlängerte Werkbänke, aber nicht ihre Zentralen haben. In allen vier Ländern säßen zudem Zulieferer, die extrem vom Verbrennungsmotor abhängig seien.

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Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass manche Fähigkeiten bei der Herstellung von Verbrennungsmotoren bei elektrischen Antrieben weniger relevant werden – abseits der Tatsache, dass ein E-Motor schlicht deutlich weniger Teile als ein Verbrenner hat.

Den Gewerkschaften macht das Sorge, als Blockierer wollen sie aber nicht dastehen. „Wir wollen den technologischen Wandel nicht verhindern“, stellt Köhlinger klar. Es gehe aber darum, den Wandel so zu gestalten, dass möglichst viele Beschäftigte weiter Arbeit fänden. „Die Politik darf sich nicht darauf zurückziehen, Klimaziele und Grenzwerte zu setzen, ohne sich über die Rahmenbedingungen Gedanken zu machen“, sagte er der dpa.

„Transformations-Kurzarbeitergeld“

Konkret bedeutet das aus Köhlingers Sicht, dass die Politik den Autoherstellern und ihren Beschäftigten unter die Arme greifen soll. Weil sich Tätigkeitsprofile erheblich ändern, sei es wichtig, Weiterbildungen zu fordern. Der IG-Metall und Köhlinger schwebt dazu ein „Transformations-Kurzarbeitergeld“ vor.

Wenn wegen Umstrukturierungen ein Unternehmen Kurzarbeit verordne, soll dabei die Arbeitsagentur einspringen – und einerseits den gekürzten Lohn aufstocken und andererseits Weiterbildungen finanzieren. Das, so der Plan, soll im Gegensatz zu den meisten existierenden Weiterbildungsprogrammen funktionieren, ohne, dass die Beschäftigten arbeitslos werden.

Stattdessen könnten Zeiten zur Qualifizierung auf neue Tätigkeiten überbrückt und Mitarbeiter im Betrieb gehalten werden, argumentiert Köhlinger. Welche Mitarbeiter wie fortgebildet werden, soll demnach die Unternehmensführung gemeinsam mit dem Betriebsrat entscheiden.

Von RND/dpa/Christoph Höland