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Wirtschaft Getränkehändler rügt seine Kunden wegen Plastikmüll – und erntet sensationellen Zuspruch
Nachrichten Wirtschaft Getränkehändler rügt seine Kunden wegen Plastikmüll – und erntet sensationellen Zuspruch
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17:31 20.06.2019
Plastikmüll Quelle: Hans-Peter Kastner
Stuttgart

Der Getränkehändler Hans-Peter Kastner aus Vaihingen bei Stuttgart sammelte zusammen mit seinen Mitarbeitern wochenlang Einwegplastikflaschen ein – um anschließend das Ergebnis ins Netz zu stellen. Mit drastischen Worten versucht er, seine Kunden wach zu rütteln - und erreicht damit einen viralen Hit. Über 12.000 Mal wurde der Post geliket, fast doppelt so oft geteilt und knapp 2000 Mal kommentiert.

Offener Brief an alle Kunden und Nichtkunden der Firma Getränke Kastner Sehr geehrte Kunden, sehr geehrte Damen und...

Gepostet von Getränke Lieferservice Kastner am Montag, 17. Juni 2019

Drei Monate lang hat der Getränkemarkt mit seinem Team zurückgegebene Einwegplastikflaschen und -dosen in Säcken gesammelt. Auch wenn das Geschäft die Produkte nicht anbietet und es sich dabei ausschließlich um Fremdleergut handelt, verpflichtet ihn das Gesetz zur Rücknahme der Produkte. „Das ist so geregelt und ich muss mich daran halten“, schreibt Kastner. „Was ich nicht muss, ist die Schnauze zu halten, wenn ich so einen Mist sehe“.

Getränkemarkt muss für Produkte der großen Discounter bezahlen

Das Ergebnis des gesammelten Fremdleergutes ist auffällig und erstaunte den Kaufmann selbst. In zwölf Wochen kamen deutlich über 10.000 Flaschen und über 50 Müllsäcke zusammen. Und das, so schreibt Kastner, „in Zeiten wo viele von Umweltschutz und Nachhaltigkeit reden, wo eine kleine Schwedin es schafft die ganze Welt zum Zuhören zu bringen, wo Freitag die Schule zweitrangig ist und wir täglich Gedanken austauschen, wie wir das Klima und die Umwelt retten können, wo es sich um Elektromobilität und Weltvermüllung dreht“.

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Obwohl die Produkte von den großen Konkurrenten stammen, liegen die Kosten der Entsorgung bei dem Getränkemarkt. Nach dessen Angaben belaufen sie sich auf € 0,05 pro Flasche/Dose und damit auf Kosten über 500 Euro, um die Einwegprodukte zu entsorgen. Hochgerechnet auf das Jahr würden dem Händler so Kosten von über 2000 Euro entstehen.

„Hätte Problem damit, nichts gegen Umweltverschmutzung getan zu haben“

Das wäre aber ganz einfach zu vermeiden. „Wenn die Bürgerinnen und Bürger so handeln würden, wie sie sagen, dann hätte man bei uns Mehrweg Flaschen oder „Zweiweg“ Plastik Flaschen gekauft, die von uns an die Hersteller zurückgegeben werden und dort fachgerecht recycelt werden, um neue Flaschen herzustellen,“ schreibt Kastner.

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Wenn er betriebswirtschaftlich an den Punkt komme, dass er Plastikmüll verkaufen muss, um zu überleben, will er seinen Betrieb schließen. „Ich habe kein Problem damit, meinen Kindern zu sagen, dass ich gescheitert bin. Ich habe aber ein Problem damit, meinen Kindern zu sagen, dass ich nichts gegen die Umweltverschmutzung getan habe“, so der Geschäftsführer.

Plädoyer für nachhaltige Alternative aus Glas

Ein Online gestelltes Bild des Plastikmüllberges versah er mit der Frage nach dem Warum - um anschließend hart mit seiner Kundschaft ins Gericht zu gehen. Denen gehe es nicht um Umweltschutz, Unterstützung der Nahversorgung und Nachhaltiges Denken, sondern um Bequemlichkeit. Ihr Denken wäre von „Geiz ist Geil und nach mir die Sintflut“ gesteuert.

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Doch das müsse nicht so sein. Zu Getränken in Plastikflaschen gebe es immer eine nachhaltige Alternative aus Glas.

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Seine Kunden sollen deshalb, „diesen Wahnsinn beenden“. Sie hätten die Wahl, den Fachhandel zu stärken ,Mehrweg anstatt Einweg zu kaufen und so die Umwelt zu verbessern. Plastikmüll zu reduzieren und die Nahversorgung und somit auch die Nachhaltigkeit sicherzustellen. Umweltbewusst und lokal zu kaufen.

Da der Warnruf im Netz große Wellen schlug, sieht sich der Getränkehändler ermutigt, seinen Weg, auf Einwegprodukte zu verzichten und ökologische Alternativen zu schaffen, weiterzugehen. So soll es ab sofort auch keine Energy Drinks mehr geben und keine Nachbestellung von 5-Liter-Bierfässern mehr erfolgen. Der Markt wäre damit nach eigenen Angaben komplett dosenfrei und hätte eine Einwegquote unter zehn Prozent.

Von RND/ak

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