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Wirtschaft Gesundheitsgefährdende Keime in jeder sechsten Wurst
Nachrichten Wirtschaft Gesundheitsgefährdende Keime in jeder sechsten Wurst
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22:38 20.05.2014
Von Reinhard Urschel
Keimbelastet? Eine neue Studie warnt vor resistenten Erregern in der Wurst.
Keimbelastet? Eine neue Studie warnt vor resistenten Erregern in der Wurst. Quelle: dpa
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Berlin

Dies ist das alarmierende Ergebnis einer bundesweiten Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. Im April und Mai wurden in 13 deutschen Städten 63 Proben genommen und in einem zertifizierten Labor in Bayern untersucht.

Das Ergebnis der Untersuchung, die der HAZ vorliegt, klingt nicht gerade vertrauenerweckend. In 16 Prozent der Proben fanden sich Keime, die beim Menschen eine verheerende Wirkung haben können: Sie sind resistent gegen bestimmte Antibiotika, darunter so gängige wie Penizilline. Bei Mettprodukten war fast jede vierte Probe belastet, bei in der Werbung oft als „gesund“ gepriesenen Putenwürsten ist das Ergebnis erschreckend: 66 Prozent enthielten eine gesundheitsschädliche Anzahl von ESBL-Keimen (Extended Spectrum ß-Lactamase). Bei einem früheren Test 2012 lagen die Werte durchweg niedriger. Entwarnung gibt es für Schinkenliebhaber.

Die Proben wurden bei Discountern, Supermärkten und Bäckereien (belegte Brötchen) unter anderem in Potsdam, Leipzig, Erfurt, Münster, Hannover, Hamburg und Kiel erworben. Es handelte sich um Mett, Teewurst/Braunschweiger, Mettwurst/Salami und Schinken. Dies sind sogenannte Rohwurstsorten, die bei der Herstellung weder erhitzt noch gebrüht werden. Eine Gesetzmäßigkeit lässt sich nicht ausmachen. Die Keime fanden sich sowohl in verpackter Wurst, als auch in Mettbrötchen, die in Metzgereien angeboten wurden.

Rund 30 000 Menschen sterben nach Angaben der Grünen jährlich in der Bundesrepublik, weil sie nicht mehr vollständig auf die Behandlung mit Antibiotika ansprechen. Weil in der Nutztierhaltung, also beim Schlachtvieh, häufig vorbeugend Antibiotika verabreicht werden, werden immer häufiger ESBL-bildende Keime über Lebensmittel auf den Menschen übertragen. Damit verstärkt sich der Effekt, dass im Krankheitsfall beim Menschen eingesetzte Antibiotika nicht mehr wirken. Schlagzeilen haben die ESBL-Keime in den vergangenen Jahren insbesondere durch den Tod mehrerer Babys in einer Bremer Kinderklinik gemacht.

In Fleisch- und Wurstwaren tauchen die antibiotikaresistenten Keime vor allem deshalb auf, weil mittlerweile viele Tiere in den großen Mastställen damit infiziert sind. Die Mastställe sind dabei ein riesiges Trainingsgebiet für Keime, um resistent gegen Antibiotika zu werden. Wissenschaftliche Studien gehen von etwa sechs Millionen Deutschen mit resistenten Keimen im Körper aus. Die Tendenz ist steigend.

Für Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, ist die „Bundesregierung jetzt in der Pflicht, die Tierhaltung artgerecht zu gestalten“. Nur so, sagte Ostendorff der HAZ, könne die Gesundheit der Verbraucher geschützt werden. „Außerdem muss die Bundesregierung für umfassende Informationen über gesundheitliche Risiken Sorge tragen. Routinemäßige Untersuchungen sollten künftig eine Selbstverständlichkeit sein.“
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