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Wirtschaft Forstbranche wirbt auf Ligna um Nachwuchs
Nachrichten Wirtschaft Forstbranche wirbt auf Ligna um Nachwuchs
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08:53 22.05.2009
Von Carola Böse-Fischer
Branchenverband VDMA Leonardo da Vinci Holzbearbeitungsmaschine Holzfachmesse Ligna Kranvollernter
Ein sogenannter Kranvollernter, im Fachjargon Harvester, zum Anfassen: Mit der Faszination Technik sollen junge Leute in Forstberufe gelockt werden. Quelle: Rainer Surrey
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Das Exemplar, das Thomas und seine Freunde Dennis Zielke und Marty Oehmichen auf der Holzfachmesse Ligna auf dem hannoverschen Messegelände bestaunen, steht im Pavillon 33 unter dem Expo-Dach. Der Harvester ist quasi das Zugpferd einer zum ersten Mal auf der Ligna vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) und der Deutschen Messe AG veranstalteten Sonderpräsentation „Beruf und Karriere in Forst und Holz“.

Der Forstbranche fehlt es an Nachwuchs – trotz weltweiter Rezession, die auch Teile des Wirtschaftszweiges wie die exportabhängige Sägewerksindustrie empfindlich trifft, wie Bernd Heinrich vom KWF sagt. Die Branche hat mit einem Problem zu kämpfen: „Körperliche Arbeit liegt nicht im Trend, ein Job am Computer erscheint den meisten Jugendlichen attraktiver.“ Kein Wunder, dass der klassische Beruf des Forstwirts, der im Wald von der Pflanzung über die Pflege bis zum Fällen der Bäume alles macht, was anfällt, als verpönt gilt. „Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt“, sagt Heinrich.

Die neue Sonderschau auf der Ligna soll helfen, dieses Image zu ändern und junge Leute für Forstberufe zu interessieren. Dabei haben sich die Veranstalter an den Branchenverband VDMA Holzbearbeitungsmaschinen gehängt, der die 1757 Aussteller auf der Weltleitmesse für die Forst- und Holzwirtschaft vertritt. In diesem Jahr veranstalten die VDMA-Kollegen wieder ihr Forum „Karriere mit Holz“ in Halle 16 für Schüler der neunten und zehnten Klasse, erstmals aber ebenso für angehende Abiturienten. Zum zweistündigen Führungsprogramm auf der Ligna gehört auch der Besuch bei Bernd Heinrich unter dem Expo-Dach.

Scharen von Schülern pilgern täglich über das Messegelände, erfahren jede Menge über den Werkstoff Holz, die neuesten Techniken zur Be- und Verarbeitung – und natürlich über Ausbildungsmöglichkeiten und Berufe in der Forst- und Holzbranche. Als Highlight gibt es anschließend ein Action-Spiel, wie Dennis Bieselt vom VDMA sagt: Die Schüler bauen selbst eine freitragende Holzbrücke nach einem Originalentwurf von Leonardo da Vinci. Vielleicht war auch deshalb diesmal der Andrang so groß, dass vielen Schulklassen nach Angaben von Bieselt abgesagt werden musste.

KWF-Experte Bernd Heinrich jedenfalls freut sich über jeden Jugendlichen, der in der Sonderschau vorbeischaut. Als „Versuchsballon“ hat das KWF zwei große Pinnwände in dem Pavillon mit Stellen- und Ausbildungsplatzangeboten von Unternehmen aufgestellt. „Alles ist dabei, vom Forstwirt über den Landmaschinentechniker bis zum Schlosser, denn am Forst hängt viel Technik dran“, sagt Heinrich. Aber auch für Hochschul- und Fachschulabsolventen der Forstwirtschaft sind die Perspektiven nach seiner Überzeugung wieder gut. Wegen des Sparzwangs der öffentlichen Hand seien in den vergangenen Jahren kaum Förster als Revierleiter oder Forstamtsleiter eingestellt worden. Deshalb gebe es erheblichen Nachholbedarf.

Thomas steht immer noch mit seinen Freunden am Harvester. Zurzeit machen die drei in Verden eine Tischlerlehre. „Mit Holz umzugehen macht Spaß, aber ein ganzes Leben lang Tischler sein, das will ich trotzdem nicht“, erklärt Dennis. Eine Zusatzausbildung als „Forstmaschinenführer“ – das könnten sie sich gut vorstellen. Die Faszination von Maschine und Technik funktioniert – und damit vielleicht auch das Nachwuchskonzept von KWF und Messe AG.