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Wirtschaft Ein Herz für knorrige Knollen
Nachrichten Wirtschaft Ein Herz für knorrige Knollen
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20:42 19.11.2018
Der Handel hat hohe Ansprüche an Kartoffeln. Quelle: Ole Spata/dpa
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Hannover

Ein Viertel weniger Getreide, ein Viertel weniger Winterraps, ein Viertel weniger Kartoffeln – vielen Bauern brachte das heiße und trockene Jahr 2018 die schlechteste Ernte ihres Lebens. Die schlechte Bilanz kann am Ende jedoch auch positive Folgen haben. Das zeigt das Beispiel der Kartoffel. Sie ist wegen des knappen Angebots nicht nur erheblich teurer geworden. Gleichzeitig akzeptieren Händler nun plötzlich auch Knollen, die sie in Jahren üppiger Ernten aussortieren würden. Es ist eine seltene Chance, den Trend der Lebensmittelverschwendung ein Stück weit umzukehren.

Aussortiert werden Kartoffeln vor allem aus ästhetischen Gründen. Sind sie zu groß, zu klein, zu krumm, zu schorfig oder zu fleckig, haben sie in der Regel keine Chance, als Speisekartoffel im Supermarkt zu landen. Laut den freiwilligen Normen der Branche – den „Berliner Vereinbarungen“ – sollen die Knollen zwischen 30 und 60 Millimeter lang sein. Hinzu kommen vertrauliche Kriterien der Handelsketten. Die Naturschutzorganisation WWF schätzt, dass rund 15 Prozent der herkömmlichen und 30 Prozent der Biokartoffeln den Ansprüchen nicht genügen. Außerdem werden sie fast nur gewaschen verkauft, obwohl das die Haltbarkeit verkürzt.

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Aussortierte Kartoffeln werden zwar in der Regel nicht weggeschmissen, sondern landen in Klößen oder im Tierfutter. Doch damit werden sie unter Wert verkauft. Der Bauer treibt unnötigen Aufwand und verdient weniger – und der Verbraucher vergisst, dass auch krummes Gemüse und Obst gut schmecken können.

Von Christian Wölbert

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