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Nachrichten Wirtschaft Ein-Euro-Jobber finden schlechter regulären Arbeitsplatz
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17:10 04.11.2010
Jährlich beginnen mehr als 750.000 Langzeitarbeitslose einen Ein-Euro-Job.
Jährlich beginnen mehr als 750.000 Langzeitarbeitslose einen Ein-Euro-Job. Quelle: dpa
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Ein-Euro-Jobs bringen Langzeitarbeitslose laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nicht schneller in reguläre Beschäftigung. Hartz IV-Empfänger, die einen dieser Jobs annehmen, erreichten nach einem Jahr sogar seltener eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als vergleichbare Langzeitarbeitslose ohne Ein-Euro-Job. Für die Untersuchung wertete das ZEW nach Angaben vom Donnerstag die Erwerbsverläufe von 160 000 Arbeitslosengeld-II-Empfängern aus.

Der Nachteil der Ein-Euro-Jobber bei regulären Stellen habe sich quer durch die Bevölkerung gezeigt. Am stärksten seien die Effekte bei Männern ohne ausländische Wurzeln. Die wenigsten Unterschiede zeigten sich bei Frauen mit ausländischen Wurzeln.

Das ZEW sah mehrere mögliche Faktoren für die Benachteiligung der Ein-Euro-Jobber: Die Qualifikationen, die sie durch ihren Billigjob erwerben, könnten an den Erfordernissen des ersten Arbeitsmarktes vorbeigehen. Auch sei es denkbar, dass die Ein-Euro-Jobs Langzeitarbeitslose stigmatisieren, weil die Arbeitgeber diese Tätigkeit als Indiz für eine mangelnde Beschäftigungsfähigkeit ansehen.

Es könnte jedoch auch sein, dass sich Hartz-IV-Empfänger besonders intensiv um einen Job am regulären Arbeitsmarkt bemühen, um einen unattraktiven Ein-Euro-Job zu vermeiden. Dann wäre die höhere Beschäftigtenquote in der Vergleichsgruppe ein indirekter Erfolg der Ein-Euro-Jobs.

„Mit den Daten können wir leider nicht feststellen, welche Gründe für das ungünstige Abschneiden der Ein-Euro-Jobs verantwortlich sind“, sagte ZEW-Wissenschaftler Stephan Thomsen. Darum dürfe man aus den Ergebnissen nicht voreilig den Schluss ziehen, dass Ein-Euro-Jobs ein vollkommen ungeeignetes Instrument der Arbeitsmarktpolitik seien.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sah sich durch die Studie bestätigt. „Kein Instrument wird so häufig eingesetzt und eröffnet dabei so schlechte Eingliederungschancen. Kurz und billig führt nicht weiter“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Stattdessen müsse gezielt in Weiterbildung investiert werden. Auch die Grünen forderten, den massenhaften Einsatz von Ein-Euro-Jobs zu beenden. „Dafür wird wird 2010 über eine Milliarde Euro ausgegeben. Diese Geldvernichtung muss sofort aufhören“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Brigitte Pothmer. Ein-Euro-Jobs müssten als Ultima Ratio und in begrenzten Fällen eingesetzt werden.

Ein-Euro-Jobs sind derzeit das am häufigsten eingesetzte Mittel, um Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen. Sie sollen ihre Beschäftigungsfähigkeit steigern und die Chancen auf einen sozialversicherungspflichtigen Job erhöhen. Jährlich beginnen laut ZEW mehr als 750 000 Langzeitarbeitslose einen Ein-Euro-Job.

dpa/dapd