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Wirtschaft E-Scooter: So will der Bund Elektro-Tretroller auf die Straße bringen
Nachrichten Wirtschaft E-Scooter: So will der Bund Elektro-Tretroller auf die Straße bringen
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15:42 03.04.2019
Bis zu 20 km/h schnell sollen die E-Scooter unterwegs sein. Quelle: imago/Westend61
Berlin

Die Bundesregierung will zügig den Weg für Tretroller mit Elektroantrieb frei machen. Am Mittwoch sprach sich das Bundeskabinett für eine Zulassung aus – und legte Bedingungen fest. Wir erläutern, was die E-Scooter für Stadtbewohner und Touristen bringen können.

Wie funktionieren die neuen Fahrzeuge?

Es handelt sich um Vehikel mit einem Trittbrett, kleinen Rädern und Lenkstange, aber ohne einen Sitz. Im Unterschied zu den bekannten Minirollern sind sie mit einem elektrischen Hilfsmotor und einer Batterie in der Lenkstange ausgestattet. Die E-Scooter eignen sich besonders für Strecken zwischen 1000 und 2000 Metern.

Warum gibt es diese Fahrzeuge nicht schon längst hierzulande?

Einige E-Scooter sind schon unterwegs. Aber sie sind bisher für den öffentlichen Straßenverkehr offiziell nicht zugelassen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will die Roller nun zügig legalisieren. Sein Haus hat einen Verordnungsentwurf erarbeitet, den das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat. Danach muss noch der Bundesrat zustimmen. Wann die Länderkammer darüber berät, ist offen.

Wie soll das Regelwerk aussehen?

Grundsätzlich gilt, dass die E-Roller wie Fahrräder behandelt werden. Sie sollen auf Radwegen und Radfahrstreifen fahren. Fehlen diese, darf auch die Autofahrbahn benutzt werden. Die Flitzer müssen mit Bremsen, einer Beleuchtung und einer Klingel ausgestattet sein. Eine Helmpflicht gibt es nicht.

Welche Vorgaben bringt der Elektroantrieb mit sich?

Die Roller haben zugleich den Status von Kraftfahrzeugen, da sie ohne Muskelkraft bewegt werden können. Es besteht eine Versicherungspflicht mit einem Versicherungsaufkleber am Fahrzeug. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 20 Kilometer pro Stunde begrenzt.

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Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein. Gedrosselte Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde dürfen auch schon von Zwölfjährigen gefahren werden – und zwar auf Gehwegen und in Fußgängerzonen. Dies erhöht aber nach Ansicht von Kritikern die Gefahr von Unfällen.

Was kostet ein Roller?

Einfache Modelle sind schon für 300 Euro zu haben. Die Preise reichen aber weit über die Marke von 2000 Euro. Die Beliebtheit der Kleinstfahrzeuge in anderen Ländern beruht jedoch vor allem darauf, dass sie Stadtbewohnern und Touristen zur Kurzzeitmiete angeboten werden – ähnlich wie bei den Bikesharing-Konzepten.

Gibt es bereits Anbieter?

Eine ganze Reihe von Unternehmen steht in den Startlöchern. Dazu gehören die US-Firmen Bird und Lime, die den Boom ausgelöst haben – in San Francisco hat das alles begonnen. Hinzu kommen unter anderem das Stockholmer Unternehmen Voi und das Berliner Start-up Tier Mobility – die Firma will bis zum Jahresende schon in 50 bis 100 Städten aktiv sein. Die Daimler-Tochter Mytaxi erprobt den Einsatz von E-Scootern unter der Marke Hive derzeit in Lissabon. Auch in Paris, Kopenhagen, Malmö und Wien stehen Leihroller seit einigen Monaten am Start.

Wie wird die Ausleihe funktionieren?

Ähnlich wie bei Leihfahrrädern. Nutzer müssen sich bei einem Anbieter anmelden. Über das Smartphone können sie die Roller suchen und freischalten. Die Nutzung wird nach Zeit abgerechnet. Bei Hive sind es 15 Cent pro Minute. Hinzu kommt eine Grundgebühr pro Fahrt von einem Euro.

Lohnt sich das Geschäft für die Anbieter?

Die Erfahrungen mit Leihrädern und Carsharing zeigen, dass es sehr schwer für Anbieter ist, Geld zu verdienen. Voraussetzung ist, dass ein hoher Anteil der Bewohner einer Kommune die Roller eines Vermieters regelmäßig nutzt. Vieles deutet darauf hin, dass dies nur möglich ist, wenn sich ein Anbieter in einer Stadt als Monopolist durchsetzt. Vorerst sieht es aber nach einem harten Kampf um Marktanteile aus. In Wien etwa konkurrieren vier Anbieter mit insgesamt 2800 Rollern um die Kundschaft.

Ist wieder ein ähnliches Chaos auf Gehwegen und Plätzen wie im vorigen Jahr bei Leihrädern zu erwarten?

Kommunen haben aus dem Chaos gelernt. Zu erwarten ist, dass es für die Anbieter Beschränkungen vor allem beim Abstellen der Roller geben wird. Zudem wird bereits heftig darüber diskutiert, ob ein Scooterboom einen Ausbau der Radwege nötig macht.

Allerdings äußerten sich auch Polizisten skeptisch: „Wir befürchten eine weitere Zuspitzung der bereits seit längerem hitzigen Lage im innerstädtischen Straßenverkehr“, sagte der Bundesvorsitzende Oliver Malchow von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) der deutschen Presseagentur.

Angesichts ohnehin heftiger werdender Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern werde mit den E-Tretrollern eine neue Konfliktzone geschaffen.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND