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Wirtschaft Durchbruch bei IWF-Reform
Nachrichten Wirtschaft Durchbruch bei IWF-Reform
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08:32 23.10.2010
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bezeichnete die Reform als „sehr  historische“ Vereinbarung.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bezeichnete die Reform als „sehr historische“ Vereinbarung. Quelle: ap
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Die Machtverhältnisse beim Internationalen Währungsfonds (IWF) werden neu geordnet. Boomende Volkswirtschaften wie China und Indien erhalten künftig mehr Einfluss bei der globalen Finanzinstitution und Krisenfeuerwehr, andere Länder geben Macht ab.

Darauf haben sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Wirtschaftsnationen (G20) am Samstag in Südkorea verständigt.

Die Neuordnung der Stimmrechte und Anteile der 187 Mitgliedstaaten ist eine der tiefgreifendsten Reformen in der Geschichte des IWF. Mit der Reform soll sich das zunehmende Gewicht von boomenden Schwellenländern in der Weltwirtschaft auch bei der UN-Sonderorganisation widerspiegeln.

Andere, bisher überrepräsentierte Länder verlieren an Einfluss. Auch Deutschland war zuletzt bereit, IWF-Quotenanteile abzugeben. Details waren zunächst nicht bekannt.

An dem zweitägigen G20-Finanzministertreffen in Kyongju, das am Freitag begonnen hatte, nahmen auch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und Weltbank-Präsident Robert Zoellick teil. Mit den Gesprächen sollte der G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in drei Wochen in Seoul vorbereitet werden.

Die Reform des IWF, dessen Bedeutung mit der weltweiten Finanzkrise erheblich zugenommen hatte, soll 2011 in Kraft treten. Der IWF überwacht weltweit die Finanzsysteme, um bei Zahlungsproblemen von Regierungen oder bei einem drohenden Staatsbankrott einzugreifen.

Bis zuletzt gab es erhebliche Differenzen zwischen Europäern, den USA und Schwellenländern. Es ging nicht nur um eine Umverteilung der IWF-Quoten von über- zu unterrepräsentierten Ländern, sondern auch um neue Abstimmungsregeln sowie die Besetzung von Spitzenpositionen. Die USA strebten weniger Einfluss der Europäer im Verwaltungsrat der Organisation an. In Kyongju lagen nun neue Modellrechnungen auf dem Tisch.

Die EU hatte zuvor einen Verzicht auf die bisherige Machtteilung zwischen Europäern und den US-Amerikanern ins Spiel gebracht. Dies betrifft die bisher übliche Regel, wonach der Geschäftsführende Direktor des IWF aus Europa und der Chef der Weltbank aus den USA kommt. Die Europäer waren zudem bereit, bis zu zwei Sitze im Verwaltungsrat abzutreten. An den 24 Sitzen in dem Gremium wollen sie aber festhalten.

Bei der Umverteilung der Länderquoten ging es um ein Volumen von mindestens fünf Prozentpunkten zugunsten von Schwellenländern. Die USA haben beim IWF einen Anteil von rund 17 Prozent. Deutschland kommt auf 6,1 Prozent. Nach neuesten Zahlen waren es nur 5,7 Prozent.

Deutschland gehört wie viele europäische Länder zu den IWF-Eignern mit zu starker Präsenz. Die meisten Schwellenländer sind unterrepräsentiert. China etwa käme bei der noch immer nicht endgültig umgesetzten Quotenreform von 2008 auf Stimmrechte von etwa 3,7 Prozent - weit weniger, als es dem Exportweltmeister und der inzwischen zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zustünde.

Es gibt auch überrepräsentierte Schwellenländer - etwa Saudi-Arabien. Parallel wird das IWF-Kapital erhöht, was auch Einfluss auf die Umverteilung von Stimmrechten und Quoten hat.

dpa