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Wirtschaft Strafzölle auf deutsche Autos: So reagiert Europa auf Donald Trumps Drohung
Nachrichten Wirtschaft Strafzölle auf deutsche Autos: So reagiert Europa auf Donald Trumps Drohung
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09:23 19.02.2019
Bereit zur Verschiffung: Neuwagen in Bremerhaven. Quelle: Foto: Ingo Wagner/dpa
Berlin

US-Präsident Donald Trump droht Deutschland mit Strafzöllen auf Exporte deutscher Autobauern. Damit rücken Aufschläge von bis zu 25 Prozent immer näher. Das würde einen herben Rückschlag für die Automobilindustrie bedeuten. Aber auch politisch hätte das Folgen.

Aber was will Trump eigentlich damit erreichen? Und wie reagiert Deutschland und Europa auf die Androhungen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wann werden die Strafzölle eingeführt?

Das ist völlig offen. Das US-Handelsministerium hat seinen Prüfbericht über die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Autoimporte aus der EU an Trump übergeben. Der US-Präsident hat nun theoretisch 90 Tage Zeit für eine Entscheidung.

Geht es wirklich um nationale Sicherheit?

Nein. Die Inszenierung der Angelegenheit hat deutlich gemacht, dass der Präsident die Strafzoll-Drohung als Druckinstrument in Verhandlungen mit der Europäischen Union aufbauen will. Trump versucht, an einem neuralgischen Punkt anzusetzen. Und den sieht er in einer Schlüsselindustrie der größten Volkswirtschaft der EU: Vor allem die deutschen Autobauer Daimler, Volkswagen und BMW würden unter den zusätzlichen Zöllen leiden.

Was würde das konkret für die Autobauer bedeuten?

Es wird Einbußen geben. Deren Höhe lässt sich aber schwer taxieren. Das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo erwartet, dass der Wert deutscher Autoexporte um 11,6 Milliarden Euro aufs Jahr gerechnet zurückgehen würde, dabei ist schon berücksichtigt, dass ein schwindender US-Absatz durch Mehrverkäufe in anderen Ländern zum Teil kompensiert werden können.

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer erwartet hingegen, dass der Effekt nur maximal 5 Milliarden Euro ausmachen würden. Maßgeblich wird sein, wie stark die Zölle auf die Endpreise durchschlagen und wie die Kunden auf die höheren Preise reagieren.

Lesen Sie auch: Merkel nennt mögliche US-Strafzölle auf deutsche Autos „erschreckend“

Den Herstellern kommt dabei zupass, dass es sich zu einem großen Teil um Premiumautos der gehobenen Preisklasse handelt. Wohlhabende Amerikaner könnten durchaus bereit sein, für eine S-Klasse von Mercedes oder einen 911er von Porsche auch 15 oder 20 Prozent mehr zu zahlen.

Wie sieht es mit SUV aus?

Zumindest bei BMW und Mercedes werden Fahrzeuge für den wichtigen SUV-Markt ohnehin in den USA gebaut. Volkswagen baut unter anderem seine Passat-Limousine ebenfalls im Land. Hinzu kommen Produktionsstätten in Mexiko, dort fertigt auch die Konzernmarke Audi. Mexiko hat mit den USA eine neue Handelsvereinbarung getroffen.

Autos von dort wären also nicht von Strafzöllen gegen die EU betroffen. Lediglich Porsche fertigt ausschließlich in Europa. Allerdings werden die US-Fabriken der drei deutschen Konzerne mit Bauteilen aus der EU beliefert, die sich dann ebenfalls verteuern würden. Dudenhöffer erwartet, dass der Gewinn der Autobauer um maximal zehn Prozent schrumpfen könnte.

Muss Trump auf die US-Beschäftigten der deutschen Unternehmen Rücksicht nehmen?

Das muss er. Schließlich arbeiten laut Verband der Automobilindustrie (VDA) rund 118.000 Frauen und Männer in 330 US-Produktionsstätten. Allein 80.000 Beschäftigte sind in Werken deutscher Zulieferer angestellt, die ebenfalls mit Komponenten aus Europa beliefert werden.

Auch die Fabriken der großen Konzerne befinden sich häufig in strukturschwachen Regionen. Deshalb haben zahlreiche US-Politiker vor Strafzöllen gewarnt. Hinzu kommt, dass deutsche Zulieferer auch amerikanische Autobauer beliefern, die dann ebenfalls betroffen wären.

Was tut die deutsche Seite, um den Streit zu deeskalieren?

Politiker appellieren. Autobauer haben mehrfach ihren guten Willen demonstriert und gezeigt, dass sie auch langfristig für Jobs in den USA sorgen wollen. So will Daimler in naher Zukunft im Werk in Tuscaloosa (Alabama) nicht nur Elektro-SUV fertigen, sondern dort auch eine Batteriefabrik errichten. Volkswagen hat laut Medienberichten erst Ende voriger Woche eine enge Kooperation mit Ford bei der Entwicklung autonomer Autos geschlossen.

Welches Verhalten ist von Trump zu erwarten?

Die Gespräche im Handelsstreit mit China haben gezeigt, dass Trump nicht nur droht, sondern auch handelt. Er nimmt dabei auch Nachteile für die eigene Seite in Kauf, sofern er davon überzeugt ist, dass die Schäden auf der Gegenseite größer sind, die US-Regierung also in einer dominierenden Position ist.

Also erst Strafzölle und dann verhandeln?

Darauf könnte es hinauslaufen. Der nächste Schritt könnte allerdings sein, dass Trump die Strafzölle gegen die Autobranche verhängt, aber ihre Umsetzung mit einem Ultimatum versieht, um maximalen Druck aufzubauen – so schon geschehen bei den Verhandlungen mit China.

Was will Trump eigentlich damit durchsetzen?

Beobachter sehen ähnlich wie bei China vor allem zwei Felder: Trump will amerikanisches Erdgas nach Europa verkaufen. Es soll verflüssigt per Schiff transportiert werden. Seit Wochen kritisiert die US-Regierung denn auch die neue Nord Stream 2-Pipeline, die russisches Gas in die EU bringen soll. Und Trump will erreichen, dass US-Farmern Exporte in die EU erleichtert werden. Die Union schützt ihre Landwirte mit hohen Zöllen auf Agrarprodukte.

Wie reagieren die Europapolitiker in Brüssel?

Es sei undenkbar, dass europäische Autos eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA darstellen könnten, sagt etwa Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament. Europa müsse jetzt geeint stehen und klarmachen, dass mögliche weitere illegale Zölle den transatlantischen Beziehungen schweren Schaden zufügen würden.

Der Vorsitzende der europäischen Grünen-Partei, Reinhard Bütikofer, sagte: Sollte Trump Zölle verhänge, dann wäre das eine wirtschaftliche Kriegserklärung an die EU und Deutschland. „Wir sollten jetzt nicht mit Eskalationsdrohungen reagieren. Doch wenn der Konflikt kommt, kann sich Europa nicht wegducken“, so Bütikofer.

Von Frank-Thomas Wenzel und Damir Fras/RND

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