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Nachrichten Wirtschaft Die Telekom will Shops schließen – und liegt damit voll im Branchentrend
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16:55 03.07.2019
Die Deutsche Telekom will die Zahl ihrer Shops deutlich verringern und rund 1200 von 4500 Stellen streichen. Quelle: www.imago-images.de
Frankfurt

Da stehen harte Verhandlungen an. Die Deutsche Telekom will die Zahl ihrer Shops deutlich verringern und rund 1200 von 4500 Stellen streichen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kündigt bereits Widerstand an. In Unternehmenskreisen hieß es, über den Zeitplan und weitere Details würden demnächst Verhandlungen beginnen. Der Konzern wollte Medienberichte zunächst nicht kommentieren, verwies aber darauf, dass die Kundenfrequenz im Einzelhandel generell zurückgehe, dass man die Zahl der Filialen regelmäßig überprüfe und an der Nachfrage der Kunden ausrichte.

Für den Telekommunikationswissenschaftler Torsten Gerpott von der Uni Duisburg-Essen ist die Schließung von Verkaufsstellen des Magenta-Konzerns naheliegend: „Das Ausdünnen der Shops ist in der gesamten Branche eine Entwicklung, die sich seit geraumer Zeit beobachten lässt“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Insofern vollziehe die Telekom nach, was andere Anbieter wie beispielsweise O2 vorgemacht hätten: Die Verlagerung der Vermarktung von Hardware und Dienstleistungen für Privatkunden ins Internet. Nicht nur Telefonica/O2 hat als Marktführer seine Online-Präsenz ausgebaut. Auch die Telekom hat hier einiges getan. Nach Einschätzungen von Branchenkennern spielt dabei auch eine Rolle, dass die Internet-Plattformen weniger Kosten als stationäre Geschäfte verursachen.

Wer braucht noch Handyshops?

Die Telefonläden sind hierzulande mit dem Aufkommen des Mobilfunks in den 1990er Jahren populär geworden. Über Jahre lieferten sich die einst vier großen Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, E-Plus,O2) aber auch Dienstleister wie Freenet oder Drillisch Wettkämpfe um die besten Standorte für ihre Filialen in den Citys der großen Städte. „Die Shops hatten vor allem die Funktion, dass Nutzer dort neue Handys ausprobieren konnten“, erläutert Gerpott. Er fügt hinzu: „Im Zuge dessen wurden dort den Kunden nicht nur Geräte, sondern Bündel mit Mobilfunk- und auch Festnetzverträgen verkauft.“ Aus diesem Grund seien die Shops eine enorm wichtige Vertriebsplattform gewesen.

Eine letzte Blüte erreichten die Filialen in den Jahren 2013 und 2014. Damals unterhielt die Telekom zeitweise weit mehr als 1000 eigene Verkaufsstellen. Das hatte viel mit dem damaligen Boom bei den Smartphones zu tun. Ständig kamen neue Geräte mit immer mehr Leistung und immer besseren Kameras auf den Markt. Das trieb die neugierige Kundschaft in die Läden. Inzwischen hat sich auf dem Smartphone-Markt vieles geändert. Die Geräte haben sich auch im Design angeglichen. Bei der Kaufentscheidung ist es längst nicht mehr wichtig, das Handy vorher in der Hand gehalten zu haben. Hinzu kommt, dass sich der technische Fortschritt deutlich verlangsamt hat. Nutzer behalten ihre Smartphones viel länger als früher.

Kunden kaufen bei Amazon

Der Hinweis der Telekom auf ein verändertes Verhalten der Kundschaft hat deshalb seine Berechtigung. Zahlreiche Experten und die Verbände der Einzelhändler registrieren teils stark sinkende Kunden-Frequenzen in den Innenstädten. Hauptursache ist der Dauerboom, den Amazon und andere Onlinehändler erleben.

Das bedeutet, dass schlicht zunehmend weniger Leute zum Shoppen in die großen Einkaufsstraßen kommen, wo auch die Mobilfunker ihre Läden haben. Zugleich sind die Mieten in den guten Lagen nach wie vor hoch. Das hat unter anderem zur Folge, dass der klassische Einzelhandel etwa mit Textilien sich immer weiter zurückzieht. Dies führt zu einem Teufelskreis, Innenstädte verlieren zunehmend an Attraktivität. Eine der Konsequenzen ist, dass immer mehr Hamburger- und Pizza-Läden sich breit machen – deren Einnahmen sind noch immer hoch genug, um horrende Mieten zu zahlen.

Gewerkschaft empört

Bei Telekom jedenfalls wird inzwischen spitz gerechnet und dabei soll sich bei vielen Standorten ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Umsatz eingestellt haben. Vor allem die Personalkosten sehen die Manager offenbar als Problem. Deshalb ein Stellenabbau, der massiver ausfallen soll als die Zahl der Filialschließungen. Deren Zahl soll laut Handelsblatt von 500 auf 460 verringert werden.

Gewerkschafter jedenfalls sind empört: „Sollte die Meldung zutreffen, wären – gemessen an der Betriebsgröße - solche Pläne für Stellenstreichungen das größte Arbeitsplatzabbauprogramm in der Geschichte der Deutschen Telekom“, sagte ein Verdi-Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter verlangen so schnell wie möglich Klarheit: „Wir fordern den Arbeitgeber auf, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Das Unternehmen darf sich nicht auf dem Rücken der Beschäftigten austoben.“

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Von RND/Frank-Thomas Wenzel

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