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Wirtschaft Getreideernte startet mit Verspätung
Nachrichten Wirtschaft Getreideernte startet mit Verspätung
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09:30 15.07.2013
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Ein Mähdrescher erntet in Dormagen (Nordrhein-Westfalen) Wintergerste.
Ein Mähdrescher erntet in Dormagen (Nordrhein-Westfalen) Wintergerste. Quelle: dpa
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Hannover

Die Bauern in Niedersachsen können mithin auch erst in etwa zwei Wochen mit der Getreideernte loslegen.
Als Erstes wird die Gerste geerntet. Ende Juli dürfte es so weit sein, sagt Landhändler Konrad Weiterer aus Algermissen, der Vorsitzender des privaten Agrargewerbes Niedersachsen (agw) ist. Dann folgten Raps, Roggen und schließlich Weizen, dessen Wachstum sich derzeit gut entwickele. Er ist die wichtigste Ackerfrucht der heimischen Landwirte. Die Weizenernte kann sich laut Weiterer bis in den September hinziehen.

Treffen die Prognosen der Getreideexperten ein, fahren Niedersachsens Landwirte eine Ernte von 5,5 bis 5,7 Millionen Tonnen ein, das wäre etwas mehr als die rund 5,4 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Für Deutschland erwartet der Deutsche Bauernverband mit knapp 45 Millionen Tonnen eine annähernd gleich große Getreideernte wie 2012 (45,1 Millionen Tonnen). Deutlich optimistischer sind die Vorhersagen für die EU mit jetzt 28 Mitgliedsstaaten. Der europäische Getreidehandelsverband Coceral schätzt die EU-Ernte auf 295 Millionen Tonnen, das wären fast 30 Millionen Tonnen mehr als im vorigen Jahr.

An den Agrarbörsen sind die höheren Prognosen für die neue Ernte bereits eingepreist, wie agw-Chef Weiterer berichtet. So sei an der Pariser Matif die Notierung für die Tonne Weizen seit ihrem Hoch im vergangenen November um etwa 70 Euro auf rund 196 Euro für den Liefertermin November 2013 gefallen.

Damit könnte jedoch der Tiefpunkt bei den Preisen erreicht sein, schätzt der Landhändler. Dafür spreche zum einen die anziehende Nachfrage in wichtigen Weizenimport-Ländern in Asien und Nordafrika wie beispielsweise Ägypten. Zum anderen werden die Weizenpreise von der Maisernte in den USA stark beeinflusst, wie Weiterer erklärt. Grund dafür sei, dass Mais – bei einer schlechten Ernte wie 2012 in den USA wegen der Dürre – als Futtermittel durch Weizen ersetzt werde. Steigende Maispreise zögen deshalb in der Regel die Getreidenotierungen mit nach oben. Derzeit kletterten die Maispreise wieder, weil in den Maisregionen der USA eine Hitzewelle erwartet werde. „An den Märkten ist auch viel Psychologie im Spiel.“

Eine Tatsache ist allerdings laut Weiterer, dass trotz höherer Ernteerwartungen die weltweite Versorgung mit Weizen nicht üppig sei, weil gleichzeitig der Verbrauch wachse. Auch das sei eher ein Indiz für wieder anziehende Getreidepreise.
Die Landwirte jedenfalls hoffen auf bessere Preise in den kommenden Wochen. Vor der Ernte im vergangenen Jahr war die Tonne Weizen immerhin mit 266 Euro gehandelt worden. Deshalb schließen die Bauern nach Angaben des agw-Vorsitzenden zurzeit auch keine Vorverträge mehr für die neue Ernte mit dem Handel ab, der ihr Getreide weiter vermarktet.