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Wirtschaft „Die Ernte wird schlecht“
Nachrichten Wirtschaft „Die Ernte wird schlecht“
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21:16 12.07.2015
Von Carola Böse-Fischer
Trockenheit, Gluthitze, später Regen: Die schwierigen Wetterbedingungen beeinträchtigen die Ernteerträge.
Trockenheit, Gluthitze, später Regen: Die schwierigen Wetterbedingungen beeinträchtigen die Ernteerträge. Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Hannover

Erst die wochenlange Trockenheit im Frühjahr, dann die Gluthitze - das vertrügen die Pflanzen nicht. Für die Wintergerste, die als Erstes gedroschen wird, sei der jüngste heiß ersehnte Regen zu spät gekommen.

Aber auch für den Weizen, wichtigste Frucht der Landwirte, der als Letztes geerntet wird, sieht es laut Dismer nicht gut aus. Er werde rund zwei Wochen zu früh reif, was weniger Ertrag bedeute. Der Landwirt rechnet mit Einbußen von 10 bis 20 Prozent. Und ob sich die Trockenheit negativ auf die Qualität auswirke, sei noch unklar.

Nicht ganz so pessimistisch fällt zurzeit noch die Prognose des Landvolks aus. Auf etwa 6 Millionen Tonnen schätzt der Landesbauernverband die gesamte Erntemenge in Niedersachsen, verglichen mit 6,5 Millionen 2014. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre sei das noch eine durchschnittliche Getreideernte. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Landwirte in diesem Jahr ihre Anbauflächen für Getreide um über 4 Prozent auf fast 846.000 Hektar vergrößert haben.

Zurückhaltend äußert sich der Deutsche Bauernverband. Es sei noch Vorsicht angebracht, weil die Ernte gerade beginne, erklärt Michael Lohse. Der Verbandssprecher geht derzeit davon aus, dass die deutschen Landwirte eine Getreideernte von 47 Millionen Tonnen einfahren. Das wären immerhin 11 Prozent weniger als im Vorjahr.

Trockenschäden gebe es vor allem auf leichten Böden wie in der Heide, sagt Werner Bosse vom Landvolk-Verband. Beregnung könne Einbußen mildern. Aber das sei teuer und zudem nicht überall möglich. Auf solchen Flächen seien starke Ernteverluste bis zu 30 Prozent zu erwarten.

Kleiner Trost für die Ackerbauern: In den vergangenen Tagen hat es an den Agrarbörsen ein kleines Preishoch gegeben, wie Konrad Weiterer, Präsident des Bundesverbands der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA), berichtet. Der BVA vertritt die Interessen von Verbänden und Unternehmen der Agrarbranche gegenüber Parlamenten und Ministerien in Bund und Ländern. Die Notierung für die Tonne Weizen ist nach Angaben von Weiterer an der Pariser Agrarbörse Matif von 179 auf 196 Euro hochgeschnellt. Das habe viele Landwirte bewogen, wieder Vorverträge für Teile der neuen Ernte mit dem Landhandel abzuschließen, um sich die höheren Preise zu sichern.

Auslöser der „Preisrallye“ ist ein Trendwechsel bei den Ernteprognosen großer Getreideanbauländer, wie Weiterer erläutert, der auch Geschäftsführer des gleichnamigen Landhandelsunternehmens in Algermissen ist. Bis vor Kurzem waren weltweit große Ernten erwartet worden, diese Aussichten setzten die Weltmarktpreise unter Druck. Jetzt häuften sich schlechte Nachrichten, berichtet der BVA-Präsident. So verschlechterten Unwetter und Dauerregen in den Anbauregionen der USA die Ernteaussichten.

Ob das Preishoch von Dauer ist, gilt als ungewiss. Bauer Jobst Dismer jedenfalls will erst einmal die Weizenernte abwarten. „Ich lagere mein Getreide ein, und wenn dann die Preise ein ordentliches Niveau haben, verkaufe ich.“

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