Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Deutsche Bank bespitzelte Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat
Nachrichten Wirtschaft Deutsche Bank bespitzelte Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:05 04.07.2009
Die Deutsche Bank hat einen ehemaligen Gewerkschaftsvertreter in ihrem Aufsichtsrat von Detektiven bespitzeln lassen. Auch Vorstände und ein kritischer Aktionär sollen von einer Detektei durchleuchtet worden sein.
Die Deutsche Bank hat einen ehemaligen Gewerkschaftsvertreter in ihrem Aufsichtsrat von Detektiven bespitzeln lassen. Auch Vorstände und ein kritischer Aktionär sollen von einer Detektei durchleuchtet worden sein. Quelle: Martin Oeser/ddp
Anzeige

Laut "Spiegel" ließ die Deutsche Bank auch Vorstände und einen kritischen Aktionär von einer Detektei durchleuchten.

Die Deutsche Bank habe sich bei ihm "formell und förmlich" für die Bespitzelung im Jahr 2001 entschuldigt, sagte Herrmann. Der damalige Verdacht, er habe Geschäftszahlen weitergegeben, habe sich nicht erhärtet, seine Bespitzelung sei nach kurzer Zeit beendet worden. "Damals hätte man mich informieren müssen, doch das hat niemand getan", sagte Herrmann. "Das stößt schon bitter auf."

Er sei bespitzelt worden, weil er damals die Renditeziele von Bank-Chef Josef Ackermann kritisiert hatte, der gleichzeitig Stellen strich, sagte Herrmann, der bis 2003 im Aufsichtsrat der Bank saß. "Ich bin empört und halte das in jeder Hinsicht für unangemessen." Er forderte eine persönliche Entschuldigung vom Bank-Chef.

Die Deutsche Bank hatte Ende Mai mögliche Datenschutzverstöße in früheren Jahren eingeräumt. Sie informierte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die eine Sonderprüfung anordnete. Die Ergebnisse dieser Prüfung liegen noch nicht vor.

Der "Spiegel" berichtet unter Berufung auf einen internen Prüfbericht einer mit den Untersuchungen betrauten Anwaltskanzlei, 2006 seien auch Vorstände wegen des Verdachts bespitzelt worden, sie hätten Kontakte zu dem ehemaligen Medienunternehmer Leo Kirch. Kirch macht die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seiner Firmengruppe verantwortlich und überzieht das Institut daher mit Klagen.

Auch der kritische Aktionär Michael Bohndorf sei im Auftrag der Bank beschattet worden, berichtet der "Spiegel". Die Detektive hätten Bewegungsprofile erstellt und untersucht, wann er sich mit wem traf. Sie hätten auch nach persönlichen Schwächen gesucht und weibliche Lockvögel eingesetzt.

Die Deutsche Bank wollte den "Spiegel"-Bericht nicht kommentieren. Sie wolle den Ergebnissen der BaFin-Prüfung nicht vorgreifen, sagte ein Sprecher.

afp

04.07.2009
Bernd Knebel 03.07.2009