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Wirtschaft „100 Euro Maut für alle“
Nachrichten Wirtschaft „100 Euro Maut für alle“
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13:46 28.03.2015
Von Lars Ruzic
Hans Fabian Kruse, Präsident des Unternehmerverbands AGA.
Hans Fabian Kruse, Präsident des Unternehmerverbands AGA. Quelle: oh
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Hannover

Spanien kann mit China mithalten - auf einmal. Bislang haben die Groß- und Außenhändler Knoblauch vor allem in Asien geordert, der billigen Preise wegen. Doch inzwischen, berichtet Hans Fabian Kruse, sei Spanien bei der Gewürzpflanze konkurrenzfähig. Das liegt nicht etwa an neuen Züchtungen oder effizienteren Anbaumethoden, sondern schlicht am niedrigen Euro-Kurs. Er verteuert die chinesische Ware für die Importeure so sehr, dass die sich wieder verstärkt auf dem europäischen Markt umsehen. „Wenn der Euro binnen weniger Monate um ein Viertel abwertet, ändert das die Spielregeln komplett“, umschreibt es Kruse.

Der Hamburger Unternehmer muss es wissen. Er führt nicht nur einen traditionsreichen Handelsbetrieb in der Hansestadt, er steht auch an der Spitze des Unternehmerverbands AGA, der 3500 Groß- und Außenhändler und Dienstleister in Norddeutschland vertritt. Die Europäische Zentralbank habe mit ihrer Politik des billigen Geldes dem Süden Europas neue Absatzchancen erschlossen. „Die müssen sie jetzt aber auch nutzen.“ Auch für seine Branche werde der schwache Euro „wie ein Konjunkturprogramm“ wirken, ist sich der AGA-Präsident sicher. Und dennoch gebe es vor allem durch die vielen internationalen Krisen noch viel Unsicherheit im Markt.

Kritik an der Großen Koalition

Auf die Stimmung drückt auch die Politik der Großen Koalition. „Die arbeitet ihr Programm ab, ohne zu hinterfragen, ob das sinnvoll ist“, so Kruse. Rund um den gesetzlichen Mindestlohn sei „ein bürokratisches Monster“ geschaffen worden, das die Unternehmen unter Generalverdacht stelle und „eine Menge Verwirrung erzeugt“. Vor allem die Vorgabe, dass ein Unternehmen dafür geradestehen muss, dass auch seine Subunternehmer den Mindestlohn bezahlen, ziehe einen gewaltigen Nachweisaufwand nach sich. Inzwischen gebe es schon erste Versicherungen, die mögliche Verstöße in diesem Bereich abdeckten. „Bei diesen Haftungsfragen würde ich mir von der Politik mehr Pragmatismus wünschen.“

Nachbessern sollte der Staat auch bei den Infrastrukturausgaben. „Jedes Bundesland kann marode Brücken aufzählen“, so der Unternehmer. Die öffentliche Hand müsse dringend neue Einnahmequellen suchen, um den Herausforderungen der kommenden Jahre Herr zu werden. Der AGA-Präsident ist deshalb dafür, dass die Deutschen pro Auto 100 Euro Maut zahlen - zusätzlich zur Kfz-Steuer. Nur so ließe sich der gewaltige Investitionsbedarf decken, der auf das Land zukomme. „Der Bevölkerung muss in dieser Frage endlich reiner Wein eingeschenkt werden.“

Plädoyer für Elbvertiefung

Zu einer moderneren Infrastruktur gehört für Kruse auch die Elbvertiefung. Man brauche auf dem Fluss Ausweichboxen, damit die großen Containerschiffe einander passieren können. Nur so könne der Hamburger Hafen im Wettbewerb mit Rotterdam bestehen. Gerade den Niedersachsen müsse daran gelegen sein, schließlich sei der Hamburger Hafen für sie der zweitgrößte Arbeitgeber nach Volkswagen.

Dass der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven irgendwann einmal zum Konkurrenzhafen für die Hamburger aufsteigen könnte, bezweifelt der Unternehmer. Kruse plädiert im Gegenteil für eine engere Kooperation der beiden Häfen. „Gemeinsam können wir uns der Konkurrenz aus Rotterdam besser erwehren.“

Lars Ruzic 30.03.2015
27.03.2015