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Wirtschaft Delivery Hero verkauft Foodora, Lieferheld und Pizza.de
Nachrichten Wirtschaft Delivery Hero verkauft Foodora, Lieferheld und Pizza.de
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18:38 21.12.2018
Foodora fährt mit eigenen Fahrradkurieren – ein Geschäftsmodell, das bisher wenig Geld einbringt. Quelle: Foto: Christian Behrens
Hannover

Neuer Boss für die Lieferhelden: Das Berliner Unternehmen Delivery Hero hat seine hiesigen Aktivitäten verkauft – und zwar an den niederländischen Rivalen Takeaway.com. Die Essenlieferdienste Foodora, Lieferheld und Pizza.de wechseln damit den Besitzer.

Der Deal hat ein ungewöhnlich hohes Volumen von 930 Millionen Euro. Dafür gab es von Börsianern am Freitag Applaus. Der Kurs der Delivery­-Aktie schoss im frühen Handel zeitweise um rund 25 Prozent in die Höhe. Auch mit dem Takeaway-Papier ging es trotz des hohen Preises nach oben. Die Niederländer betreiben schon das Portal Lieferando.de­. Auf lange Sicht sollen Kunden dann nur noch dort bestellen. Ziel sei es, alle Plattformen zusammenzuführen, sagte ein Sprecher aus Amsterdam am Freitag.

Die Lieferdienste hatten im vergangenen Jahr einen Boom erlebt. Umsätze und Kundenzahlen schossen rasant in die Höhe. Plötzlich waren überall Fahrradkuriere in neonbunter Montur mit großen Thermoboxen auf dem Rücken zu sehen. In manchen Metropolen konkurrierten fünf, sechs Dienste miteinander. Inzwischen haben sich Betreiber des Essens auf Fahrrädern vielerorts schon wieder zurückgezogen. Das gilt insbesondere für die Türkis- (Deliveroo) und die Pinkfarbenen (Foodora).

Alles fing einst mit der Bestellung von Pizza per Telefon an. Start-ups machten daraus professionelle Bestellplattformen im Internet. Das Ausfahren müssen die Restaurants selbst übernehmen, aber mit Rädern und Boxen im Design der Plattformbetreiber. Hierzulande arbeiten Lieferando, Lieferheld und Pizza.de nach diesem Prinzip.

Foodora versucht sich an einer veredelten Variante: Der Lieferdienst hat eigene Fahrer, die Gekochtes und Gebratenes für Restaurants gegen Gebühr an die Haustüren bringen. Bislang ist es aber schwer, insbesondere mit dieser Variante Geld zu verdienen. Die Kosten für die Kuriere schlagen heftig zu Buche.

Kaufpreis sechs Mal so hoch wie Jahresumsatz aller drei Unternehmen

Für Branchenkenner ist klar, dass Lieferdienste nur dann profitabel sein können, wenn sie hohe Marktanteile in einer Stadt haben. Deshalb wurde seit Monaten darüber spekuliert, dass die Lieferando-Mutter sich die drei Delivery-Marken schnappen könnte. Die Niederländer sind stark auf den deutschen Markt fokussiert, sind hierzulande zum Wachsen verdammt und deshalb auch bereit, den hohen Preis zu zahlen.

Die 930 Millionen Euro entsprechen dem Sechsfachen des Jahresumsatzes der drei übernommenen Dienste. Sein Unternehmen könne nun auf einer signifikant breiteren Basis agieren, was essenziell für profitable Geschäfte sei, sagte der Gründer und Chef von Takeaway, Jitse Groen. Er sieht enorme Potenziale, denn Deutschland weise die geringste Durchdringung mit Lieferdiensten in Europa auf.

Für den Delivery-Boss Niklas Östberg bringt die Transaktion gleich eine ganze Reihe von Vorteilen. Einerseits wird das Unternehmen, das aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet kommt, mit einem Anteil von 18 Prozent Großaktionär von Takeaway. Zudem sollen mehr als 500 Millionen Euro in die Kasse der Berliner fließen, mit denen sie in fernen Ländern expandieren und im nächsten Jahr die Umsätze um 45 Millionen Euro steigern wollen. Erlöse von insgesamt 1,1 Milliarden Euro sollen dann aus Lieferdiensten in 41 Ländern zusammenkommen.

Allerdings geht Östberg auch davon aus, dass sein Unternehmen – nach eigenen Angaben Weltmarktführer – 2019 aus der betrieblichen Tätigkeit einen Verlust von bis zu 320 Millionen Euro einfahren wird. Das hört sich dramatisch an. Man muss aber bedenken, dass andere internetbasierte Firmen wie Amazon über viele Jahre gezielt rote Zahlen geschrieben haben, weil es ihnen nicht um Gewinne, sondern um die Steigerung des Unternehmenswerts durch massive Investitionen ging – und Amazon ist mittlerweile hochprofitabel.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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