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Wirtschaft Nord/LB erwartet für dieses Jahr einen Verlust
Nachrichten Wirtschaft

Corona-Krise: NordLB-Gewinn fast komplett zusammengeschmolzen

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17:53 27.08.2020
Die Nord/LB hat in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Gewinn von 4 Millionen Euro erzielt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) hat im ersten Halbjahr einen Verlust nur haarscharf vermeiden können. Nun drohen weitere Belastungen durch die Corona-Krise: „Die Pandemie wird spürbare Auswirkungen auf unser Ergebnis haben“, sagte Vorstandschef Thomas Bürkle am Donnerstag in Hannover. Dies bedeute, „dass wir das Gesamtjahr 2020 vermutlich mit einem negativen Ergebnis abschließen werden“.

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Unterm Strich erzielte die Bank im ersten Halbjahr ein Ergebnis von 4 Millionen Euro, nachdem sie in den ersten sechs Monaten des Vorjahres einen Gewinn von 149 Millionen Euro verbucht hatte. Im ersten Quartal dieses Jahres war noch ein Fehlbetrag von 71 Millionen angefallen – unter anderem wegen gezahlter Vergütungen für Garantien nach der staatlichen Rettung der Nord/LB. Das Geldhaus war mit der Finanzierung von Schiffen in Schieflage geraten und Ende 2019 von den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Sparkassen-Gruppe unterstützt worden. Insgesamt schossen die Träger 3,6 Milliarden Euro zu.

„Werden das Gesamtjahr 2020 vermutlich mit einem negativen Ergebnis abschließen“: Thomas Bürkle, Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank Nord/LB. Quelle: Moritz Frankenberg/dpa (Archiv)

Rechnet man Steuern sowie Sonderausgaben etwa für den laufenden Konzernumbau heraus, erwirtschaftete die Landesbank in der ersten Jahreshälfte einen Gewinn von 31 Millionen Euro – nach 251 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Zinsüberschuss erhöhte sich von 496 Millionen auf 543 Millionen Euro.

Vorbereitung auf mögliche Ausfälle

Man müsse die aktuellen Geschäftszahlen vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Corona-Krise sehen. „Bislang sind wir ordentlich durch diese Krise gekommen“, sagte Vorstandschef Bürkle. „Als Vorsichtsmaßnahme haben wir unsere Risikovorsorge deutlich erhöht, um auf mögliche Ausfälle vorbereitet zu sein.“ Die Vorsorge stieg im ersten Halbjahr auf 99 Millionen Euro; im ersten Halbjahr 2019 war es nur eine Million Euro gewesen.

„Wir stehen in einem engen Austausch mit unseren Kunden und beobachten die Entwicklungen auch weiterhin sehr genau“, sagte Bürkle. Die Nord/LB hat zusammen mit den Sparkassen bisher 2750 Anträge auf staatliche Förderkredite im Gesamtwert von 1,8 Milliarden Euro bearbeitet.

Mehr Klarheit in der zweiten Hälfte

„Der Umbau der Nord/LB funktioniert“: Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Quelle: Moritz Frankenberg/dpa

Die Nord/LB sei weiterhin ein verlässlicher Partner für den Mittelstand, betonte Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Er zeigte sich überzeugt, dass der 2019 eingeleitete Umbau des Instituts funktioniere und die Wettbewerbsfähigkeit weiter gestärkt werde. „Mehr Klarheit wird die zweite Hälfte des Jahres bringen, wenn deutlicher zu erkennen ist, inwieweit Corona auf die Wirtschaft durchgeschlagen hat“. Dann könne man besser beurteilen, „ob wir das Tal durchschritten haben“.

Der Konzernumbau und der Sparkurs gehen derweil weiter. Die Bank will ihre Belegschaft bis Ende 2023 auf 2800 Mitarbeiter fast halbieren; es sollen freiwillige Vereinbarungen mit betroffenen Beschäftigten geschlossen werden. In neue IT-Systeme investiert die Nord/LB in den nächsten Jahren eine halbe Milliarde Euro. Gleichzeitig will sie die Gesamtkosten auf jährlich höchstens 625 Millionen Euro drücken.

Von Jan Petermann und Karl Doeleke