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Continental: Hoffnungsträger Abendroth verlässt hannoverschen Konzern

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18:08 07.04.2021
Hört Ende Juni bei Continental auf: Automotive-Manager Dirk Abendroth.
Hört Ende Juni bei Continental auf: Automotive-Manager Dirk Abendroth. Quelle: Continental
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Hannover

Der Autozulieferer Continental verliert einen Hoffnungsträger: Dirk Abendroth, Technikchef der Automotive-Sparte verlässt überraschend den Konzern. Der Manager werde Ende Juni zu einem Unternehmen außerhalb der Automobilbranche wechseln, heißt es in einer Mitteilung von Vorstandschef Nikolai Setzer an die Führungskräfte, die der HAZ vorliegt. Die Suche nach einem Nachfolger habe bereits begonnen, sagte eine Conti-Sprecherin am Mittwoch.

Der Konzern hatte den 46-Jährigen vor zwei Jahren in die oberste Führungsebene des Automotive-Bereichs geholt, um das Geschäft mit Fahrzeugkomponenten neu auszurichten. Abendroth sollte die Entwicklung von Systemen für das automatisierte Fahren, die vernetzte Mobilität und elektrische Fahrzeugantriebe vorantreiben – und galt schon kurz nach seiner Berufung als Kandidat für den Aufstieg in den Konzernvorstand. „Wenn der jetzt geht, reißt das ein Riesenloch“, sagte ein Insider.

Verlust im operativen Geschäft

Während Continental mit seiner Gummi-Sparte rund um die Reifenwerke und den Schläuche-Spezialisten Contitech selbst unter Corona-Bedingungen noch schwarze Zahlen schreibt, gilt der Konzernbereich Automotive mit Bremsen, Sensoren und Software schon länger als Sorgenkind. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz der Sparte um knapp ein Fünftel auf 15,3 Milliarden Euro eingebrochen. Der Verlust im operativen Geschäft lag bei 1,4 Milliarden Euro. Als Setzer im Dezember nach dem Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs Elmar Degenhart an die Conti-Spitze rückte, hatte man im Konzern mit einem raschen und umfassenden Umbau des Managements in der Problemsparte gerechnet.

Mitte März hat Setzer die neue Automotive-Strategie vorgestellt – die Veränderungen beim Führungspersonal fielen jedoch geringer aus als erwartet. Konzernvorstand Helmut Matschi blieb als Leiter der Netzwerk-Einheit VNI ebenso im Amt wie sein Kollege Frank Jourdan, der künftig aber nur noch für die Sicherheitstechnik zuständig sein wird. Die Leitung des Ressorts „autonomes Fahren“, das in den kommenden Jahren zu einem der großen Wachstumstreiber werden soll, übernimmt Anfang 2022 Frank Petznick, der erst seit August den Geschäftsbereich Fahrerassistenzsysteme führt. „Ein Befreiungsschlag sieht anders aus“, hieß es seinerzeit im Unternehmen.

Abschied nach 30 Monaten

Intern war bereits spekuliert worden, dass Technikchef Abendroth die Aufgaben von Matschi und Jordan übernehmen und in den Konzernvorstand aufrücken könnte. Diese Option hatte sich für Continental-Chef Setzer offenbar schon früher zerschlagen: Nach HAZ-Informationen hat Abendroth bereits im Januar seine Absicht verkündet, den hannoverschen Zulieferkonzern nach nur 30 Monaten wieder zu verlassen.

Der promovierte Elektrotechniker hatte zuvor lange für BMW gearbeitet und war anschließend beim chinesischen Auto-Start-up Byton. Dort herrsche unter dem Motto „schnell ist wichtiger als perfekt“ eine Kultur, in der Fehler als Teil des Entwicklungsprozesses akzeptiert würden, sagte Abendroth kurz nach seinem Wechsel zu Continental. Davon könnten sich große Konzerne eine Menge abschauen.

Von Jens Heitmann