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Wirtschaft Contis Aktienkurs steigt trotz Gewinnwarnung
Nachrichten Wirtschaft Contis Aktienkurs steigt trotz Gewinnwarnung
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20:37 23.07.2019
Conti-Hauptverwaltung: Niedergang an der Börse scheint gestoppt. Quelle: dpa
Hannover

Trotz der vierten Gewinnwarnung innerhalb von 15 Monaten scheint der Niedergang von Continental an der Börse gestoppt – zumindest vorerst. Am Dienstag setzte sich die Aktie des Autozulieferers mit einem Plus von mehr als 6 Prozent auf knapp 130 Euro an die Spitze der Gewinner im Dax. Die Börse sei an einem Punkt angelangt, an dem bei Prognosesenkungen gekauft werde, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC. „Dass es im Autosektor schlecht läuft, reißt niemanden mehr vom Hocker.“

Ursprünglich hatte Continental darauf gehofft, dass sich der Automarkt in diesem Jahr auf dem Niveau von 2018 stabilisieren würde – jetzt rechnet der Konzern mit einem Rückgang der weltweiten Produktion um 5 Prozent. Vor allem das Minus in China und die „ungelösten Handelskonflikte tragen zu wirtschaftlicher Unsicherheit bei“, erklärte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. „Deshalb passen wir unseren Ausblick für das Gesamtjahr an.“

Weitere Rückstellungen drohen

Bisher hatte Continental für 2019 einen Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro prognostiziert, jetzt schrumpft die Bandbreite auf 44 bis 45 Milliarden Euro. Die operative Gewinnmarge soll nur noch 7 bis 7,5 Prozent erreichen, zuvor wurden 8 bis 9 Prozent anvisiert. Auch bei den Erwartungen zum Bargeldzufluss muss der Vorstand Abstriche machen: Statt bis zu 1,6 Milliarden Euro bleiben wohl nur 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro in der Kasse.

Außer unter der sinkenden Nachfrage leidet Conti auch unter hausgemachten Problemen. In seiner Automotive-Sparte stellt sich das Management auf Gewährleistungsfälle ein und bereitet Rückstellungen vor. Diese könnten sich nach Schätzungen von Analysten auf 150 bis 200 Millionen Euro belaufen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern Rückstellungen von 200 Millionen Euro gebildet. Zu den Gründen wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht äußern.

Conti verspielt seinen guten Ruf

„Der Ausblick von Conti passt zur schwachen Autokonjunktur“, sagte Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. Auch andere Hersteller und Zulieferer haben ihre Erwartungen bereits deutlich zurückgeschraubt. Schlechte Nachrichten aus Hannover hatten viele Investoren offenbar schon erwartet. Die bisherigen Geschäftsprognosen für 2019 seien optimistisch gewesen und hätten auf der Erwartung basiert, dass sich die Autokonjunktur im zweiten Halbjahr erhole, hieß es bei Bloomberg: „Das haben wir immer als unwahrscheinlich angesehen.“

Continental eilte früher der Ruf für konservative Ausblicke voraus: Der Vorstand war darauf bedacht, die eigenen Geschäftsprognosen eher niedrig anzusetzen, um sie anschließend übertreffen zu können. Im Vertrauen darauf, dass der Konzern auch in Zukunft mindestens seine Ziele erreichen oder noch besser abschließen würde, hatten die Investoren den Kurs der Conti-Aktie stetig nach oben getrieben – Anfang vergangenen Jahres wurde mit mehr als 250 Euro ein Rekordhoch erreicht. Nach den Enttäuschungen der vergangenen Monate hatte sich der Kurs zuletzt auf 112,46 Euro mehr als halbiert – das war der tiefste Stand seit sechs Jahren.

Kommentar: Komplexität wird zum Problem

Von Jens Heitmann

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