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Wirtschaft Conti sorgt sich um den Zeitplan
Nachrichten Wirtschaft Conti sorgt sich um den Zeitplan
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19:03 07.04.2009
Von Lars Ruzic
Die Conti-Beschäftigten in Frankreich demonstrieren nicht nur – wie zuletzt in Paris –, sie streiten auch vor Gericht. Quelle: Mehdi Fedouach/afp
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An beiden Standorten spielen die Betriebsräte auf Zeit, um ihre Verhandlungsposition zu verbessern. Während die Belegschaftsvertreter in Stöcken noch bis zur Hauptversammlung in gut zwei Wochen an einem Alternativkonzept arbeiten, sind die französischen Kollegen mit einer einstweiligen Verfügung vor Gericht gezogen.

Sollten sich die Franzosen durchsetzen, könnte auch der Prozess in Stöcken verzögert werden, hieß es aus dem Konzern. Genau das dürfe jedoch nicht passieren. Angesichts der dramatischen Marktlage gebe es schlicht keine Abnehmer für die Reifen aus Hannover und Clairoix. Deshalb sei die aktuelle Situation auch nicht vergleichbar mit dem Streit um die Schließung der Pkw-Reifenfertigung in Stöcken vor drei Jahren. Angesichts eines guten wirtschaftlichen Umfeldes konnte die Belegschaftsseite seinerzeit das Produktionsende um ein Jahr hinauszögern.

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Mit Bangen erwarten die Manager deshalb den Richterspruch aus Frankreich, der für den 21. April avisiert ist. Die Betriebsräte fühlen sich von der Conti-Spitze über die Schließungspläne nicht rechtzeitig informiert, und hatten zuletzt sogar von Staatspräsident Nicolas Sarkozy Unterstützung bekommen. Dass die Regierung sehr genau auf das Verfahren blicke, zeige schon der Umstand, dass bei einem ersten Termin vor Gericht auch der Staatsanwalt plädiert habe, berichtete jüngst der französische Betriebsratschef Pierre Rubeck. Das sei in derartigen Verfahren normalerweise nicht der Fall.

Rubeck räumte gleichzeitig ein, dass sich mit einem arbeitnehmerfreundlichen Urteil in diesem formalen Streitpunkt die Schließung jedoch nur verzögern, nicht aber verhindern lasse. Gleichwohl wissen die Conti-Manager nur zu gut, dass sich in dem Fall auch die Gegner der Schließung in Stöcken in ihrem Widerstand bestärkt fühlen würden. Die Gruppe ist längst nicht auf die Gewerkschaften beschränkt, sondern umfasst auch Stadt-, Landes- und Bundespolitiker.

Zukauf in Serbien: Die Conti-Tochter ContiTech hat einen serbischen Hersteller von Fördergurten für Bergbaubetriebe übernommen. Für die Firma Univerzal Kolubara, bei der 250 Mitarbeiter beschäftigt sind, habe der Konzern weniger als 10 Millionen Euro bezahlt, teilte ContiTech am Dienstag mit. Investitionen in den Standort sind geplant, um vom erwarteten Wachstum der Ausbeutung serbischer Braunkohlevorkommen zu profitieren. „Dies ist ein wichtiger Baustein unserer Strategie, den osteuropäischen Markt weiter zu erschließen und sichert uns gleichzeitig ein stabiles zusätzliches Geschäft außerhalb der Automobilindustrie“, erklärte der zuständige Conti-Vorstand Heinz-Gerhard Wente.