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Wirtschaft Conti soll bald Schaeffler führen
Nachrichten Wirtschaft Conti soll bald Schaeffler führen
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22:26 22.04.2009
Conti und Schaeffler gemeinsam würden gut ein Drittel ihres Geschäfts außerhalb der Autoindustrie erwirtschaften. Quelle: Christian Werner
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Mittelfristig könnte der neue Riese mit gut 33 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 200 000 Beschäftigten an die Börse gebracht werden und die Familie Schaeffler als Ankeraktionär mit bis zu einem Viertel der Anteile engagiert bleiben.

Auf welchem Weg man zu diesem Ziel kommen könne, werde derzeit ausgelotet, hieß es aus Bankenkreisen. Beide Konzerne sind zusammen mit mehr als 20 Milliarden Euro verschuldet – Conti aus der VDO-, Schaeffler aus der Conti-Übernahme. Die Kreditgeber hätten eingesehen, dass eine Rettung ohne Abschreibungen auf ihre Forderungen nicht funktionieren werde, hieß es. Die Politik hatte sich bereits festgelegt, nur Bürgschaften zu gewähren. Der Vorteil dieser Lösung wäre, dass von den Hilfen nicht die Familie Schaeffler, sondern ein neuer Großkonzern Conti/Schaeffler profitieren würde, hieß es.

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Offenbar haben inzwischen alle Beteiligten eingesehen, dass ein reiner Autozulieferer zu abhängig von einer Branche wäre. Die aktuelle Krise beweise dies auf dramatische Weise, hieß es in Konzernkreisen. Conti und Schaeffler gemeinsam würden gut ein Drittel ihres Geschäfts außerhalb der Autoindustrie erwirtschaften. Die Führung würde schon wegen der Größenverteilung bei Conti liegen, hieß es: Der hannoversche Konzern ist dreimal so groß wie Schaeffler. Schaeffler hatte sich unlängst eine Zwischenfinanzierung gesichert, doch für Conti drängt die Zeit. Es wird erwartet, dass Konzernchef Karl-Thomas Neumann in der Hauptversammlung am Donnerstag eine schnelle Lösung anmahnen wird.

Begleitet wird die Hauptversammlung von Protesten gegen Werksschließungen in Hannover und im französischen Clairoix. Mehr als 1300 Demonstranten reisen aus Frankreich nach Hannover. Die Polizei richtet sich auf einen Großeinsatz ein, da Rangeleien und Sachbeschädigungen befürchtet werden.

Am Dienstag hatten französische Conti-Arbeiter Regionalbüros verwüstet. Ein Gericht hatte eine Klage der Mitarbeiter gegen Continental zurückgewiesen. Darauf drangen Mitarbeiter in die Unterpräfektur von Compiègne ein und verwüsteten Büros. Möbel und Computer wurden umgeworfen, Akten aus Schränken gerissen. Danach zogen Beschäftigte zu dem nahe gelegenen Conti-Werk Clairoix und warfen die Scheiben eines Wachhäuschens am Eingang ein. Sie zündeten auch einen Haufen Reifen an.

„Nach der Gerichtsentscheidung waren die Beschäftigten nicht mehr zu bremsen“, sagte Xavier Mathieu, Vertreter der Gewerkschaft CGT bei Continental. „Seit fünf Wochen halten wir diese Leute zurück. Schon am ersten Tag wollten sie alles in die Luft sprengen, die Fabrik anzünden.“

von Lars Ruzic und Jens Heitmann