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Wirtschaft Conti schafft schwarze Zahlen
Nachrichten Wirtschaft Conti schafft schwarze Zahlen
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23:05 20.07.2009
Von Stefan Winter
Conti-Chef Neumann drückt bei Schaeffler aufs Tempo.
Conti-Chef Neumann drückt bei Schaeffler aufs Tempo. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Es gebe allerdings keinen Grund zur Entwarnung, sagte Vorstandschef Karl-Thomas Neumann: „Es warteten noch über das Jahresende hinaus „große Herausforderungen“. Die Anleger nahmen die vorläufigen Zahlen dennoch als Zeichen der Wende: Die Conti-Aktie machte gestern einen Sprung um mehr als 10 Prozent. Mit 38,8 Millionen Euro blieb der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im zweiten Quartal zwar klein, brachte aber eine erhebliche Verbesserung gegenüber 165 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal.

Auch der Umsatz scheint langsam aus seinem tiefen Tal zu kommen. Mit 4,8 Milliarden Euro lag er eine halbe Milliarde Euro höher als im ersten Quartal – aber immer noch mehr als ein Viertel niedriger als vor einem Jahr. Insgesamt laufe bei Conti das größte Sparprogramm der Konzerngeschichte, erklärte Neumann. Seit Herbst 2008 sei die Zahl der Beschäftigten um 16.000 verringert worden.

Als Stütze erweist sich weiter die Rubber Group, in der Reifen und technischer Kautschuk (ContiTech) zusammengefasst sind. Sie habe ein „überzeugendes operatives Ergebnis“ abgeliefert. Die Automotive Group mit Bremsen und Elektronik ist davon offenbar noch ein Stück entfernt. Neumann lobte aber die „spürbaren Kostensensenkungen der Divisionen Powertrain und Interior“, die ihre Verluste gegenüber Vorjahr deutlich verringert hätten. Den kompletten Halbjahresbericht veröffentlicht Conti Ende des Monats.

Mit dem besseren Ergebnis im Rücken drängt Neumann darauf, das Verhältnis zu Schaeffler zu klären und die „Lähmung durch die unklare Zukunft“ zu beenden. Während der Großaktionär in Herzogenaurach zuletzt keine Eile damit hatte, pocht Neumann auf den Zeitplan. In der Aufsichtsratssitzung am 30. Juli werde der Conti-Vorstand „verschiedene Zukunftsszenarien“ präsentieren: „Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass in der kommenden Aufsichtsratssitzung eindeutige Weichenstellungen für die Zukunft der Continental getroffen werden.“

Diese Zukunft könnte ein neuer Großaktionär bringen. Conti-Chef Neumann war in den vergangenen Wochen bei Investoren auf Tour. Nicht nur Schaeffler sucht nach einem arabischen Geldgeber, auch Conti soll Kontakte zu einer kuwaitischen Investmentgesellschaft haben. Ministerpräsident Christian Wulff ist daran ebenfalls beteiligt. Die Araber könnten über eine Kapitalerhöhung bei den Hannoveranern einsteigen und so deren Schuldenlast von 10 Milliarden Euro lindern.

Der Verkauf der Reifen
sparte wäre dann nicht nötig. In der gestrigen Mitteilung ist das Thema nur zwischen den Zeilen zu finden: Die Rückkehr zum Gewinn sei „ein klarer Beleg für die ausgewogene und strategisch sinnvolle Aufstellung der Continental“. Es sei deshalb „wichtigste Aufgabe, diese starke Formation mit einem angemessenen Finanzrahmen mittel- und langfristig abzusichern“.