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Wirtschaft Conti lässt den Standort Stöcken leben
Nachrichten Wirtschaft Conti lässt den Standort Stöcken leben
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11:13 19.05.2009
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Conti-Mitarbeiter in Frankreich kämpfen gegen den Totalverlust ihrer Arbeitsplätze. Quelle: Stephane De Sakutin/afp
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Auch dieser Kompromiss werde nicht ohne spürbaren Personalabbau funktionieren, hieß es aus dem Konzern. Der Umfang müsse noch ausgehandelt werden. Die bislang geplante Streichung von 780 Jobs habe sich damit aber erledigt.

Weder Unternehmen noch Betriebsrat wollten dies offiziell kommentieren. Am Dienstag soll die Belegschaft über das Verhandlungsergebnis informiert werden, das noch nicht schriftlich fixiert wurde. Es sieht eine Reihe von Bedingungen vor, unter denen in Hannover weiterproduziert werden kann. Dazu gehört zuallererst, dass die Nachfrage wieder kräftig anzieht. Gleichzeitig muss die Auslastung in anderen Werken – allen voran der größte Lkw-Reifenstandort im slowakischen Puchov – ausreichend hoch sein, so dass sie auf weitere Volumina zugunsten Hannovers verzichten können.

Für Stöcken bedeutet die Einigung eine dauerhafte Reduzierung der Kapazitäten um 60 Prozent. Neben dem Personalabbau werde es längere Phasen mit Kurzarbeit geben müssen, heißt es. In diesem Jahr liegen die Kapazitäten sogar noch niedriger: Nach letzten Conti-Angaben ist für den Standort gerade noch ein Volumen von 380.000 Reifen geplant. Der Großteil davon sei schon produziert. Die Belegschaftsseite hatte gefordert, die Kurzarbeit so lange wie möglich auszunutzen, bis die Konjunktur wieder anzieht. Das Unternehmen argumentierte, dass die vorhandenen Kapazitäten auf Jahre hinaus nicht annähernd ausgelastet werden könnten.

Mit dem Kapazitätsabbau haben sich beide Seiten Ende vergangener Woche auf einen Kompromiss geeinigt, nachdem die Gespräche bereits kurz vor dem Scheitern gestanden hatten. Zwischenzeitlich hatten sich auch Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff und Wirtschaftsminister Philipp Rösler eingeschaltet.
In Gewerkschaftskreisen hieß es, man sei sich „mit weit auseinanderliegenden Ausgangspunkten in den Gesprächen so nah gekommen, dass eine schriftliche Vereinbarung in Sicht ist“. Wie es hieß, hatte die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) für den Fall des Scheiterns der Gespräche auch mit Arbeitskämpfen in den deutschen Conti-Werken gedroht.

Unterdessen haben Hunderte Mitarbeiter des französischen Conti-Reifenwerks Clairoix am Montag in Paris gegen die Schließung ihres Standorts demonstriert. Sie wollten damit Druck auf die Sozialplanverhandlungen am heutigen Dienstag in Frankfurt ausüben. „Die Deutschen sollen wissen, dass wir nicht nachgeben“, sagten Gewerkschafter. In Clairoix würden 1120 Arbeitsplätze wegfallen.

von Lars Ruzic und Christian Holzgreve