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Wirtschaft Branche sieht Karmann-Übernahme durch Magna positiv
Nachrichten Wirtschaft Branche sieht Karmann-Übernahme durch Magna positiv
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16:23 13.04.2010
Quelle: dpa (Archiv)
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Der Insolvenzverwalter von Karmann hatte sich vor wenigen Wochen mit Magna auf einen Verkauf geeinigt, der derzeit vom Bundeskartellamt geprüft wird. Im Mai soll eine Entscheidung fallen. Die Wettbewerbshüter hatten sich zuletzt skeptisch zu einem Verkauf der Sparte an Magna geäußert. Dann gebe es nur noch zwei unabhängige Anbieter für Dachsysteme auf dem Markt, womit es zu einem sogenannten Oligopol ohne echten Wettbewerb kommen würde. Hersteller suchen zuverlässigen Zulieferer

Die Sorge vor einem wettbewerbsverzerrenden Oligopol teilten die europäischen Autokonzerne nicht, hieß es. Alle Hersteller hätten sich für eine Übernahme der Karmann-Tochter durch Magna ausgesprochen. Sie wünschten sich einen finanzstarken und damit verlässlichen Partner, der in der Lage ist, über Jahre hinweg das Produkt und Ersatzteile anzubieten. Von den großen Zulieferern mit Erfahrung in der Herstellung von Cabriodächern hatte sich nur Magna als Käufer der Karmann-Sparte beworben.

Bei der Übernahme geht es um die Standorte in Osnabrück und im polnischen Zary mit zusammen mehr als 700 Beschäftigten. Über eine Übernahme hatte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann sowohl mit der Magna-Tochter Car Top Systems (CTS) als auch mit dem spanischen Unternehmen CIE verhandelt.

Bereits im Januar hatte Magna die japanische Karmann-Tochter übernommen. Über einen Verkauf des amerikanischen Ablegers wird noch verhandelt. Magna hat für den Standort Osnabrück eine Beschäftigungsgarantie bis 2014 gegeben und will dort auch die Entwicklungsabteilung weiterführen.

Cabrio-Markt stark geschrumpft

Der Markt für Cabriolets betrug vor der schweren Autokrise im vergangenen Jahr weltweit rund 1 Million Fahrzeuge. In der Krise schrumpfte er etwa auf die Hälfte, mit der Folge der Insolvenz von Zulieferern wie Karmann oder der Edscha AG aus Remscheid. Die Dachsystemsparte von Edscha war im vergangenen Dezember von Konkurrent Webasto übernommen worden.

Magna war im vergangenen Jahr daran gescheitert, Opel zu übernehmen. Für dieses Jahr rechnet der Zulieferer mit einem Umsatz zwischen 19 und 20 Milliarden Euro. Der Umsatz der Dachsparte würde etwa 1,5 Prozent davon ausmachen. Anders als Karmann baut Magna auch noch komplette Fahrzeuge. Zu den Magna-Kunden gehören unter anderem BMW, PSA Peugeot-Citroën und Aston Martin. Karmann baut Cabrio-Dächer für den BMW 1er, Mercedes E-Klasse und Renault-Mégane.

Karmann hatte vor einem Jahr wegen ausbleibender Aufträge Insolvenz anmelden müssen. Inzwischen hat Volkswagen wichtige Teile des Unternehmens übernommen und will im alten Osnabrücker Karmann-Werk vom kommenden Jahr an das Golf-Cabrio bauen. Einen Auftrag von VW an Karmann für das Dach gibt es noch nicht.

dpa/lni

Helmuth Klausing 13.04.2010