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Wirtschaft Behält die AWD-Arena ihren Namen?
Nachrichten Wirtschaft Behält die AWD-Arena ihren Namen?
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00:15 26.11.2012
AWD-Arena in Hannover.
AWD-Arena in Hannover. Quelle: Decker
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Hannover

Die Schweizer Mutter will der Tochter AWD den eigenen Namen Swiss Life verpassen. Entsprechende Gerüchte gibt es schon länger, nächste Woche werden sie sich wohl bewahrheiten. Dann könnte der AWD-Platz in Hannover, wo die Zentrale des Finanzdienstleisters ihren Sitz hat, womöglich zum Swiss-Life-Platz werden - wenn die zuständigen Kommunalpolitiker den Konzernherren keinen Strich durch die Rechnung machen.

Der Name AWD-Platz habe auch nach der Umbenennung des Unternehmens weiter Bestand, sagte Stadtsprecher Dennis Dix. Es sei allerdings vorstellbar, dass sich das Unternehmen selbst mit dem Wunsch einer Umbenennung an die Stadt wende, meinte er. Zuständig sei aber letztlich der Stadtbezirksrat.

Der Konzern in Zürich ist mit der hannoverschen Tochter unzufrieden. Vor rund fünf Jahren war er bei dem Unternehmen eingestiegen, das von der Vermittlung von Geldanlagen und Versicherungen lebt. Fast 1,2 Milliarden Euro hat man sich die Tochter in Hannover kosten lassen - viel zu viel, wie man heute weiß. Schließlich haben sich die Geschäfte nicht so entwickelt wie erhofft. Zum Teil liegt dies an der Finanzmarktkrise, zum Teil aber gibt es dafür auch hausgemachte Gründe.

Der AWD wird immer wieder von seiner Geschichte heimgesucht. Nach seiner Gründung im Jahr 1988 als „Allgemeiner Wirtschaftsdienst“ durch Carsten Maschmeyer konzentrierte er sich zunächst stark auf den Verkauf von sehr provisionsträchtigen, zugleich aber auch verlustreichen geschlossenen Fonds. Zwar ist diese Phase lange vorbei, aber noch lange nicht erledigt. Zahlreiche Kunden sind vor Gericht gezogen, und die damit befassten Anwälte bemühen sich nach Kräften, die Erinnerung an diese trüben Geschäfte wachzuhalten.

Auch in anderen Ländern - besonders in Österreich - hat der Name AWD unter fragwürdigen Geschäften und einer Flut von Prozessen gelitten. Der Ansehensverlust macht vielen der insgesamt rund 4800 Vertreter in Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern das Leben schwer.

Die Schweizer Mutter leidet unter AWD-Geschäftseinbußen und muss zudem Millionenrückstellungen für die zahlreichen Gerichtsverfahren bilden, deren Ausgang noch offen ist. Außerdem nervt es die Manager in Zürich zunehmend, dass die hannoversche Tochter häufig im Zusammenhang mit Schadensersatzklagen und Anlageskandalen genannt wird. Sie befürchten, dass dies früher oder später auch den Ruf der Mutter ernsthaft beschädigen könnte.

Jetzt wollen Swiss-Life-Chefmanager Bruno Pfister und Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig einen Strich unter die Vergangenheit ziehen - und einen Neubeginn einläuten. Am kommenden Dienstagabend wird die deutsche AWD-Führungstruppe in Hannover informiert. Am Mittwoch präsentieren die Swiss-Life-Manager ihre Pläne auf einem Investorentag in Zürich. Am kommenden Sonnabend ist die komplette deutsche AWD-Vertriebsmannschaft nach Hannover eingeladen.

Wie genau die neue Strategie aussieht, ist zwar noch Geheimsache - aber Etliches ist schon durchgesickert. Das hannoversche Unternehmen dürfte wohl unter einer gemeinsamen Holding enger mit der anderen Tochter Swiss Life Deutschland zusammengeführt werden. Allerdings soll der heutige AWD nicht zu einem bloßen Verkaufskanal für Swiss-Life-Lebensversicherungen degradiert werden, sondern weiterhin den Kunden auch Produkte anderer Anbieter vermitteln.

Der Standort Hannover, wo derzeit etwa 550 angestellte Mitarbeiter arbeiten, bleibt demnach erhalten - dürfte allerdings ausgedünnt werden. Einen radikalen Schnitt soll es aber offenbar dagegen bei den AWD-Auslandsaktivitäten geben, insbesondere in Österreich und Osteuropa.

Spielt 96 bald in der Swiss-Life-Arena?

Bei Hannover 96 hofft man, dass sich der AWD nicht aus dem Sponsoring des hiesigen Fußballstadions verabschiedet. Ob die AWD-Arena künftig Swiss-Life-Arena heißt, ist jedoch noch offen. „Wir verhandeln mit Blick auf eine Vertragsverlängerung“, erklärte 96-Präsident Martin Kind. Wenn es tatsächlich zu einer Umbenennung des AWD kommt, „wird man darüber reden müssen“, sagte er. „Das ist eine Partnerschaft, da wird man eine konstruktive Lösung finden.“ Der jetzige Vertrag mit dem Arena-Eigentümer läuft Mitte 2013 aus.