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18:15 01.01.2019
Neubauten in Hannover: Übertriebene Vorschriften für Barrierefreiheit, Klimaschutz und Sicherheit? Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Rollstuhlgerechte Balkontüren, Fenster aus Sicherheitsglas, aufwendige Dämmung: Nach Ansicht der Baubranche nehmen Vorschriften dieser Art überhand und verteuern den Wohnungsbau unnötig. Der Gesetzgeber und Normungsgremien müssten gegensteuern, damit auch in Zukunft bezahlbarer Wohnraum entsteht, fordern nun zwei Verbände der Bauwirtschaft in Niedersachsen.

Kritik an Balkontüren

Die Firmen seien nicht verantwortlich für die steigenden Kosten, ihre Margen lägen weiterhin auf niedrigem Niveau, sagte Jörn P. Makko, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Niedersachsen-Bremen, der HAZ. „Unsere Unternehmen wollen möglichst effizient und vernünftig bauen. Doch wir sind getrieben von Normen, die es teurer machen.“

Ähnlich äußerte sich die Landesvereinigung Bauwirtschaft, die acht niedersächsische Handwerksverbände vertritt. Die Grundstücke würden immer teurer, aber auch der Perfektionismus bei Gesetzen, Verordnungen und Normen treibe die Kosten, sagte Geschäftsführerin Cornelia Höltkemeier. Beide Verbände nannten mehrere Beispiele für solche Vorschriften:

Sicherheit:

Besonders kritisch sieht die Branche eine geplante Verschärfung der Norm für Balkontüren und bodentiefe Fenster. Künftig soll dort Sicherheitsglas zum Einsatz kommen, um Schnittverletzungen zu verhindern, falls die Scheibe zu Bruch geht. „Die Mitglieder des zuständigen Normenausschusses schießen weit über das Ziel hinaus“, sagte Höltkemeier.

In Deutschland habe es keine nachweisbaren Unfälle gegeben, die bisher übliche Dreifachverglasung reiche offensichtlich aus. Fenster aus Sicherheitsglas seien nicht nur deutlich teurer. Aufgrund ihres hohen Gewichts könnten sie oft nur mit Hilfe von Kränen montiert werden und müssten häufiger gewartet werden.

Barrierefreiheit:

Laut der Niedersächsischen Bauordnung muss jede achte Wohnung rollstuhlgerecht gebaut werden, außerdem müssen Wohnungen barrierefrei zugänglich sein. „Es gibt jedoch gar keinen so hohen Bedarf“, sagte Makko. Kostengünstiges Bauen ohne Aufzug sei kaum noch möglich. Laut Bauindustrieverband kollidieren die Regeln auch mit einer anderen Richtlinie, die 15 Zentimeter hohe Stufen vor Balkontüren vorschreibt – zum Schutz vor Regenwasser. Das führe in der Praxis zu teuren Konstruktionen mit Überdachungen und Rinnen, erklärte Makko.

Klimaschutz:

Auch einige Regeln der Energieeinsparverordnung gehen aus Sicht der Bauwirtschaft an den praktischen Gegebenheiten vorbei. So müssten Bauherren zum Beispiel beim Dachbodenausbau die Verordnung komplett einhalten, auch wenn der Rest des Gebäudes nicht gedämmt ist. Die erhoffte Energieeinsparung könne daher nicht erreicht werden, sagte Höltkemeier.

Beide Verbände hoffen nun auf das im Sommer vom niedersächsischen Umweltministerium initiierte „Bündnis für bezahlbares Wohnen“. Die Landesregierung müsse die dort erarbeiteten Vorschläge aber auch tatsächlich umsetzen, sagte Makko. Darüber hinaus sollten auch die Kommunen, der Bund und Normungsgremien ihre Vorschriften hinterfragen.

Von Christian Wölbert

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