Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Start-ups machen einen Bogen um Niedersachsen
Nachrichten Wirtschaft Start-ups machen einen Bogen um Niedersachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 07.07.2017
Von Albrecht Scheuermann
„Deutsche Start-up-Szene hat sich im ersten Halbjahr lebhaft entwickelt“: Experten vermissen in Niedersachsen risikofreudige Investoren.
„Deutsche Start-up-Szene hat sich im ersten Halbjahr lebhaft entwickelt“: Experten vermissen in Niedersachsen risikofreudige Investoren. Quelle: Rainer Holz
Anzeige
Hannover

Dies ergibt sich aus dem Start-up-Barometer Deutschland, das das Beratungs- und Prüfungsunternehmen Ernst & Young (EY) am Donnerstag veröffentlichte.

Rekord im ersten Halbjahr

Die Experten erfassen, wie viel Geld von Investoren in solche Neugründungen geflossen ist und wie viele Firmen finanziert wurden. Für das erste Halbjahr ermittelte EY einen Rekord: Demnach sammelten die Start-ups mit 2,16 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel Geld ein wie vor einem Jahr. Die Zahl der Risikokapitalinvestitionen kletterte von 248 auf 264.

„Die deutsche Start-up-Szene hat sich im ersten Halbjahr wieder sehr lebhaft entwickelt“, sagte Peter Lennartz, Partner bei EY. Der starke Anstieg des Finanzierungsvolumens liege zwar an zwei Großtransaktionen, aber die Finanzierung sei auch „in der Breite besser geworden, sodass immer mehr deutsche Start-ups frisches Kapital erhalten“.

Berlin führt mit riesigem Abstand die Tabelle an: Insgesamt flossen dort fast 1,5 Milliarden Euro in Start-ups, es gab 116 Finanzierungsrunden. Auf den nächsten Plätzen folgen Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Niedersachsen rangiert weit hinten. Das Investitionsvolumen betrug nur 17 Millionen Euro, weniger als in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Das Geld verteilte sich laut EY gerade mal auf drei Start-ups, so viele wie in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Schon im Vorjahr war das Land in dieser Statistik nur unter ferner liefen aufgetaucht.

Studien-Autor Lennartz wies darauf hin, dass die Zahlen nur die Finanzierungen enthielten, die veröffentlicht worden seien. Daneben gebe es auch Start-ups, die zum Beispiel direkt von Konzernen finanziert würden. Entscheidend sei, wie gut Politik, Industrie, Universitäten, Medien und Finanzierer zusammenarbeiteten, um Neugründungen zu fördern. Lennartz nannte als Musterbeispiel für ein Start-up-freundliches „Ökosystem“ die Region Karlsruhe. Allerdings gebe es auch in Hannover gute Ansatzpunkte.

Risikobereite Investoren fehlen

Dies sieht auch der hannoversche Unternehmensberater und Start-up-Experte Thorsten Anding so. Niedersachsen habe zwar relativ spät begonnen, sich um dieses Thema zu kümmern, aber es gebe Fortschritte. Kürzlich hatte das Land ein Förderprogramm für Start-ups vorgestellt: 4 Millionen Euro stellt das Wirtschaftsministerium zur Verfügung, damit sich die NBank, die landeseigene Förderbank, an jungen Firmen beteiligen kann. Außerdem sollen in vier Städten sogenannte Start-up-Zentren entstehen, die sich jeweils einem anderen Schwerpunkt widmen.

Hauptproblem für junge Firmen ist nach Ansicht von Anding der Kapitalmangel für die Expansionsphase. Es gebe hier zu wenige risikobereite Investoren. Als ein Beispiel für die wenigen „Überzeugungstäter“ dieser Art nannte er Carsten Maschmeyer, der einen Teil seines Vermögens auch in solche jungen Firmen stecke.