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Wirtschaft Bahn will künftig wieder mehr Deutsch in Zügen sprechen
Nachrichten Wirtschaft Bahn will künftig wieder mehr Deutsch in Zügen sprechen
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21:27 13.09.2010
„Senk ju vor träwelling wiss Deutsche Bahn“: In vielen Zügen soll es keine englischen Durchsagen mehr geben.
„Senk ju vor träwelling wiss Deutsche Bahn“: In vielen Zügen soll es keine englischen Durchsagen mehr geben. Quelle: dpa
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Wenn der Lautsprecher in den Zügen der Bahn schnarrt, dann wird es entweder ärgerlich, weil die nächste Verspätung angekündigt wird – oder lustig, weil sich die Bahn ganz international gibt und versucht, sich auf Englisch von ihren Fahrgästen zu verabschieden: „Senk ju vor träwelling wiss Deutsche Bahn.“ Eigentlich könnte die Bahn stolz auf ihre satirereife Durchsage sein: „Senk ju vor träwelling“ hat es in Buchform zum Bestseller gebracht – zwar eine bittersüße Abrechnung mit dem Verkehrsriesen, aber immerhin.

Konzernchef Rüdiger Grube macht jetzt Schluss mit lustig: Bahn-Englisch wird nur noch gesprochen, wenn man glaubt, dass auch tatsächlich Ausländer im Zug sein könnten. Nicht in jeder S-Bahn muss sich der Schaffner, der ganz deutsch heute Zugbegleiter heißt, mit fremdem Wortschatz quälen. „Kundenorientierung“ nennt Grube das und will dazu noch in diesem Monat eine große Pressekonferenz geben, um ein „Paket“ dazu vorzustellen, wie es gestern in der Berliner Konzernzentrale hieß. Fortan, so die Strategen im Bahntower am Potsdamer Platz, sollen „die Durchsagen den Bedürfnissen der Kunden entsprechen“. Zu erklären wäre da noch, was bisher eigentlich für ein Grundsatz galt.

Die „Verdeutschung“ hält schon seit dem Frühjahr bei der Bahn Einzug. Der „Flyer“ heißt nun wieder Faltblatt. Bedient wird man nicht mehr am „Counter“, wohl eine Anlehnung an den Flughafen, sondern schlicht am Schalter, wo einem die altbewährte Fahrkarte und nicht mehr das „Ticket“ verkauft wird. Man ruft nicht mehr bei der „Hotline“ an, sondern bei der Service-Rufnummer. Und der Service „Call a bike“ kommt nun verständlich als Mietfahrradangebot daher – schließlich konnte man dort nie ein Fahrrad abrufen, sondern nur via Handy eine Nummer für das elektronische Schloss anfordern. Unter dem früheren Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erlebten die vielen Anglizismen ihre Blüte, schließlich wuchs das Unternehmen mit Firmenbeteiligungen in anderen Ländern zum internationalen Konzern heran, da klang das traditionell deutsche im Eisenbahnwortschatz wohl zu provinziell. Mehdorn brachte es einen zweifelhaften Titel ein: Ein Verein erklärte ihn 2007 zum „Sprachpanscher des Jahres“.

Merkwürdig fremd klingt mitunter allerdings auch so manch deutsches Wort bei der Bahn. „Triebkopf“ statt Lokomotive oder „Haltepunkt“ statt Bahnhof. Vielleicht sind die Deutschen mit ihrer Bahn aber auch nur zu verwöhnt, um ihre Qualität zu erkennen. Unlängst stand ein Brasilianer vor dem Bahnfahrplan im Hauptbahnhof in Hannover und las fasziniert die minutengenau angegebenen Abfahrzeiten. „Deutschland ist ein wunderbar geordnetes Land. Selbst Züge haben hier einen Fahrplan“, sagte er lächelnd.

dpa