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17:41 06.04.2012
Foto: Insolvenzverwalter Christopher Seagon (mit Krawatte) will nun einen nachhaltigen Sanierungsplan erarbeiten.
Insolvenzverwalter Christopher Seagon (mit Krawatte) will nun einen nachhaltigen Sanierungsplan erarbeiten. Quelle: dpa
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Bockenem

Der Betrieb beim Bockenemer Dichtungsersteller Meteor Gummiwerke ist zumindest bis zum Jahresende gesichert. Das hat Insolvenzverwalter Christopher Seagon gestern erklärt. „Nach komplexen Verhandlungen“, habe er sich mit wesentlichen Kunden, Banken und Lieferanten über die Fortführung des Geschäftsbetriebs „zunächst bis Ende 2012“ geeinigt. Aufgrund der unverändert guten Auftragslage hat das Unternehmen zudem mehr als 40 befristete Verträge verlängert, die zum 31. März ausgelaufen waren.

Bis zum Jahresende will Seagon nun einen Investor finden, der Meteor übernimmt und den Betrieb beim zweitgrößten Arbeitgeber in der Region Hildesheim mit rund 2000 Mitarbeitern am Hauptstandort Bockenem nach Abschluss des Insolvenzverfahrens fortführt. Zunächst aber will Seagon einen „nachhaltigen Sanierungs- und Restrukturierungsplan erarbeiten und mit den wesentlichen Beteiligten abstimmen“. Mit diesem Konzept in der Hand sollen dann Verhandlungen mit potenziellen Investoren folgen.

Dieser Prozess müsse aber „gründlich vorbereitet“ werden, betonte der Insolvenzverwalter - besonders mit Blick darauf, dass es vor der Insolvenz schon einmal einen solchen Prozess gab, der nicht zum Erfolg führte. Der Inder Pawan Kumar Ruia hatte den Zuschlag bekommen, konnte dann aber den Kaufpreis nicht aufbringen. Seagon bestätigte, dass bereits mehrere Interessenten an ihn herangetreten seien. „Direkten Kontakt gibt es aber noch nicht, zuerst muss der Sanierungsplan stehen“, erklärt er dazu. Es gehe nun darum, „die Effizienz bei Meteor deutlich zu steigern, um kostengünstiger produzieren zu können“.

Derzeit halten die Großkunden aus der Autoindustrie wie VW, Daimler oder BMW Meteor am Leben, indem sie mehr Geld für die Dichtungen aus Bockenem bezahlen, als sie für marktgerecht halten. Diese Vereinbarung mit dem Insolvenzverwalter gibt ihm nun die nötige Luft, den Konzern bis zum Jahresende wieder auf die Beine zu stellen. Der Zulieferer müsse seine Stückkosten den Vorstellungen der Kunden entsprechen und dass Meteor selbst trotzdem noch Gewinn daraus ziehen könne, sagt er.

„Wie hoch der Beitrag der Kunden und Lieferanten in diesem Jahr ist, lässt sich nicht sagen“, erklärte Seagons Pressesprecher auf Anfrage. „Das hängt davon ab, wie viel Meteor in diesem Jahr noch produziert und wie schnell Verbesserungen in den Betriebsabläufen greifen.“ Bis zum Jahresende wolle der Konzern jedenfalls keine Verluste mehr machen, die die Insolvenzmasse weiter anknabbern würden.

Seagon selbst verbreitete in dieser Woche vorsichtigen Optimismus: „Trotz Insolvenz werden wir von Kunden auf mögliche neue Aufträge angesprochen. Das ist schon außergewöhnlich und ein gutes Zeichen“, sagte er. Ab sofort befindet sich das Unternehmen nicht mehr im „vorläufigen“, sondern im tatsächlichen Verfahren. Damit bekommen die Mitarbeiter ihr Gehalt wieder vom Insolvenzverwalter, der es im laufenden Betrieb erwirtschaften muss. Zuletzt hatten sie während des „vorläufigen Insolvenzverfahrens“ seit Januar Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur erhalten.

Kündigungen sind seit Beginn des eigentlichen Insolvenzverfahrens wieder möglich, bisher hat Seagon aber keine ausgesprochen. Bereits vor Wochen hatte er versichert, mit einer „Kündigungswelle“ sei nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Wie der Betriebsrats-Vorsitzende Wolfgang Opitz erklärte, hat Meteor mehr als 40 befristete Verträge von Mitarbeitern verlängert, deren Arbeitspapiere zum 31. März ausgelaufen waren. „Vor allem in der Produktion, wir sind ja auch voll ausgelastet“, wie Opitz betont.

Weiteres Signal: Die ursprünglich vereinbarte Betriebsruhe zu Ostern fällt für Teile der Belegschaft aus. Mehrere Dutzend Mitarbeiter kommen ins Werk. „Es ist einfach viel zu tun“, freut sich Opitz, der noch weitere hoffnungsvolle Signale sieht und Insolvenzverwalter Christopher Seagon lobt: „Bei der Verbesserung von Arbeitsprozessen und Qualität hat sich seit Januar schon spürbar etwas getan.“

Wie Seagons Sprecher betonte, bekommen die Meteor-Mitarbeiter wie im Dezember vereinbart im Mai ihr „Weihnachtsgeld“ in Höhe von 30 Prozent eines Monatsgehalts. Ende 2011 hatten die Gewerkschaft IG BCE und das Unternehmen vereinbart, nur 30 statt 50 Prozent Weihnachtsgeld zu zahlen - und auch dieses Geld erst sechs Monate später. Es war einer der letzten Versuche gewesen, die Insolvenz abzuwenden.

Tarek Abu Ajamieh

06.04.2012
06.04.2012
06.04.2012