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Wirtschaft Aufpasser über Managergehälter kritisiert Citibank
Nachrichten Wirtschaft Aufpasser über Managergehälter kritisiert Citibank
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19:46 12.10.2009
Die Citibank stößt lieber eine Unternehmensabteilung ab, als dort Gehälter zu kürzen.
Die Citibank stößt lieber eine Unternehmensabteilung ab, als dort Gehälter zu kürzen. Quelle: ddp
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Das sei vor der Krise gewesen, beteuert die Firma. Doch vor die Wahl gestellt, von Feinberg an den Pranger gestellt zu werden oder den Vertrag aufzulösen, verkaufte die Citibank nun die ganze Abteilung. Hall wollte unter keinen Umständen auf seine Millionen verzichten.

Aktionärsschützer sind über den Verkauf außer sich: „Niemand, der bei Verstand ist, würde einen solchen Handel machen“, sagt deren Vertreter William Smith. Das Vorgehen von Citigroup ist nur ein Beispiel dafür, vor welch diffizilen Entscheidungen der New Yorker Anwalt Feinberg steht, der auch die Bank of America, den Versicherungskonzern AIG sowie die Autounternehmen General Motors und Chrysler mit ihren Firmenbanken unter seinen Fittichen hat. Neben der US-Notenbank, die im Auftrag des Weißen Hauses die Manager an der Wallstreet ins Visier nehmen soll, ist Feinberg der Wachhund für die sieben mit Steuergeld geretteten US-Unternehmen. In dieser Woche will er seine Leitlinien vorstellen. Künftig sollen Spitzenmanager den größten Teil ihres Gehalts in Unternehmensaktien bekommen, die sie für mindestens fünf Jahre nicht mehr verkaufen dürfen.

Anfang des Monats hat Feinberg eine entsprechende Vereinbarung bei AIG genehmigt. Dort bekommt der neue Chef Robert Benmosche jährlich 3 Millionen Dollar in bar und 4 Millionen in Aktien.Nur die vom Staat abhängigen Firmen müssen sich an die Leitlinien halten. Das Weiße Haus hofft aber, dass sie andere Unternehmen zum Vorbild nehmen. Doch bisher haben US-Firmen sogar neue Gesetze umgangen. Als der Kongress im Frühjahr nach einer Welle der öffentlichen Empörung die Bonuszahlungen für Manager deckelte, lösten viele Unternehmen das Problem dadurch, dass sie im Gegenzug die festen Gehaltsbestandteile erhöhten – und damit die Bezahlung erst recht vom Erfolg der Firma entkoppelten.

Die von Feinberg angestrebten Regelungen, sagen Kritiker, könnten nun Firmen außerhalb seines Einflussbereichs dazu verführen, bei der vom Staat beaufsichtigten Konkurrenz die besten Leute abzuwerben. Schließlich wissen sie künftig genau, wann die im Bieterwettbewerb aussteigen muss. Feinberg beteuert allerdings, dass er keine Obergrenzen für Gehälter festlegen will, sondern nur deren Struktur. Doch auch die von ihm favorisierten Aktienoptionen haben sich in der Vergangenheit als zweischneidiges Schwert erwiesen. Die Investmentbank Merrill Lynch hat im Jahr 2006 diese Gehaltsstruktur eingeführt. Aber das hat ihre Spitzenmanager nicht daran gehindert, so waghalsig zu agieren, dass die Bank 2008 beinahe pleiteging. Schließlich wollten sie auch ihre eigenen Aktien nach oben treiben.

Die Einkommen der US-Manager haben sich immer mehr von den Gehältern gewöhnlicher Amerikaner entkoppelt. Mitte der sechziger Jahre verdienten sie das 24-Fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers – im Jahr 2007 war es 257-mal so viel. Feinberg nimmt jedenfalls die Klagen der Unternehmen als Indiz dafür, dass er nicht ganz falsch liegt: „Wahrscheinlich werden alle auf mich einprügeln.“

von Andreas Geldner