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Wirtschaft Atomkatastrophe und Nordafrika dämpfen Konsumklima
Nachrichten Wirtschaft Atomkatastrophe und Nordafrika dämpfen Konsumklima
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13:49 27.04.2011
Der private Konsum ist nach dem Export das zweite Standbein des derzeitigen Aufschwungs.
Der private Konsum ist nach dem Export das zweite Standbein des derzeitigen Aufschwungs. Quelle: dpa
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Zum zweiten Mal in Folge hat sich die Stimmung der deutschen Verbraucher etwas verschlechtert. „Höhere Preise, die Atomkatastrophe in Japan sowie sich ausweitende politische Unruhen in Nordafrika und Nahost lassen die Rahmenbedingungen für die Konsumenten im Augenblick nicht mehr ganz so rosig erscheinen“, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch in Nürnberg mit.

Vorstandschef Klaus Wübbenhorst betonte allerdings, dass dies vor allem auf psychologische Faktoren zurückzuführen sei:
„Wir werden - wenn sich der Staub ein bisschen gelegt hat - sehen, dass die Fundamentaldaten nach wie vor gut sind.“

Dennoch ist der Konsumklimaindex für Mai zunächst erneut gefallen, von 5,9 auf 5,7 Punkte. Damit zeichnet sich nun erstmals nach der Krise wieder eine länger anhaltende Delle ab. „Inwieweit sich dies zu einem Trend entwickeln kann, hängt in erster Linie vom weiteren Verlauf der geopolitischen Rahmenbedingungen ab“, kommentierte die GfK. Wübbenhorst wies in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa darauf hin, dass die Arbeitslosenzahl in Deutschland sehr niedrig, das Wirtschaftswachstum gut und die Inflation letztlich moderat sei. „Damit wird die Zuversicht wieder Land gewinnen.“

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) teilte angesichts des weiterhin hohen Niveaus des Konsumklimas mit, dass die Verbraucher die Auswirkungen der weltweiten Ereignisse auf die deutsche Wirtschaft bislang als begrenzt beurteilten. „Der Aufschwung in Deutschland steht auf einer soliden Grundlage. Der private Konsum wird in diesem Jahr eine entscheidende Stütze bleiben.“

Dennoch sank die Einkommenserwartung der Bürger zuletzt, vor allem aufgrund der gestiegenen Preise, die das verfügbare Einkommen reduzieren. Laut Wübbenhorst kommt dazu noch der psychologische Effekt, dass die „gefühlte“ Inflation höher ist als die real gemessene. Der Grund: Vor allem Güter des täglichen Bedarfs, wie das sofort zu bezahlende Benzin an der Tankstelle, sind teurer geworden, während die monatlich vom Konto abgehenden Posten etwa für Miete gleichblieben.

Auch die Konjunkturerwartung der rund 2000 Befragten ging auf hohem Niveau zurück. Die Atomkatastrophe in Fukushima und die Unruhen in Libyen hätten die “überaus guten Rahmenbedingungen im Inland“ überlagert, heiß es. Zumal gerade die Exportnation Deutschland auf ein ruhiges und sicheres weltwirtschaftliches Umfeld angewiesen sei.

Persönliche Konsequenzen ziehen aber die wenigsten: Die Anschaffungsneigung blieb im April nahezu unverändert hoch. Die von dem robusten Arbeitsmarkt ausgehende Zuversicht scheint stärker zu sein als die Inflationsgefahr und die Angst um Japan und Nordafrika.

Mit Sorge beobachten die Nürnberger Marktforscher den Unwillen der Deutschen, im Rahmen des Euro-Rettungsschirms finanziell für andere Länder einzustehen. „Wenn dann in den Medien zu lesen ist, dass vielleicht ganz viele Milliarden gezahlt werden müssen, dann sagt der Deutsche natürlich: Wenn der Staat das ausgibt, wird er auch die Steuer erhöhen“, erläuterte Wübbenhorst den Grund für die Ablehnung. Doch diese Haltung habe auch Folgen für das Konsumklima in Deutschland: Wenn die Bürger Steuererhöhungen fürchten, halten sie ihr Geld lieber zusammen als es auszugeben.

Der private Verbrauch ist aber neben dem Export das zweite wichtige Standbein des derzeitigen Aufschwungs.

dpa

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