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Wirtschaft Arbeitgeber drohen IG Metall mit Ausstieg aus Flächentarifvertrag
Nachrichten Wirtschaft Arbeitgeber drohen IG Metall mit Ausstieg aus Flächentarifvertrag
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13:22 23.07.2019
Geht es nach den Arbeitgebern, hat die IG Metall zuletzt zu viel gefordert – weshalb nun der Tarifvertrag zur Diskussion steht. Quelle: imago/Uwe Meinhold
München/Berlin

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hat der IG Metall mit einem Ende des Flächentarifvertrags gedroht. Der Chef des Arbeitgeberverbandes sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt.“

Für viele Metallbeschäftigte wäre das keine gute Nachricht: Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen sehen die bisherigen Tarifverträge in der Metallbranche mit die höchsten Gehälter in der deutschen Tariflandschaft vor – und bringen für Metallbeschäftigte zahlreiche Privilegien wie kürzere Arbeitszeiten mit sich.

Laut Dulger sind in den tarifgebundenen Unternehmen rund 1,9 Millionen Menschen beschäftigt. Insgesamt ist die Branche mehr als doppelt so groß, viele Unternehmen wenden die Tarifregeln ganz oder teilweise freiwillig an.

In dem wichtigen Industriezweig gebe es aber seit längerem Klagen, dass die IG Metall viele Betriebe überfordere, sagt nun Dulger. Die Gewerkschaft setze zu hohe Löhne und zu viel Freizeit durch. Dulger warnte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dies führe zu immer mehr Austritten aus seinem Verband.

Tagesstreiks erzürnen die Arbeitgeber

Von der IG Metall fordert er, dass sogenannte Tagesstreiks künftig nur nach einer gescheiterten Schlichtung erlaubt sein dürfen. Beider Tarifrunde 2018 hätten diese Streiks insgesamt drei Millionen Arbeitsstunden gekostet. Dagegen könnten sich die Arbeitgeber bisher „gar nicht“ wehren, beklagte Dulger.

Die IG Metall warnt indes davor, die Flächentarifverträge in Frage zu stellen. „Die Tarifautonomie und die Flächentarifverträge sind die Eckpfeiler unseres seit Jahrzehnten erfolgreichen Wirtschaftsstandorts“, erklärte eine Sprecherin der Gewerkschaft am Dienstag in Frankfurt. „Davon profitieren Unternehmen wie Beschäftigte gleichermaßen. Dies einseitig in Frage zu stellen, schadet allen.“

Letzter Abschluss hat zu Austritten geführt

Die letzte Tarifrunde war besonders umkämpft. Nach mehreren Wochen mit Warn- und Tagesstreiks setzte die IG Metall eine Steigerung der Löhne von 4,3 Prozent durch. Zudem dürfen die Beschäftigten in diesem Juli wählen zwischen acht zusätzlichen freien Tagen oder einer Sonderzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Brutto-Monatslohns.

„Es war ein sehr, sehr hoher Abschluss, der bei uns zu Austritten geführt hat“, sagte Dulger. „Ich habe da wirklich Sorgen: Sowohl, was die Tarifbindung der Betriebe, als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie betrifft.“

Die nächsten Tarifverhandlungen stehen vermutlich Anfang 2020 an. Der bestehende Tarifvertrag läuft bis Ende März 2020.

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Von RND/dpa/Christoph Höland