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Aldi will nur noch Schweinefleisch aus Deutschland verkaufen

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21:38 30.11.2021
Bei Fleisch vom Schwein setzt Aldi künftig auf eine deutsche Herkunft.
Bei Fleisch vom Schwein setzt Aldi künftig auf eine deutsche Herkunft. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Hannover

Die Lebensmitteldiscounter Aldi Nord und Süd wollen in ihren deutschen Märkten künftig nur noch Fleisch von Schweinen verkaufen, die hierzulande aufgezogen und geschlachtet werden. Diese Garantie sei ein Zeichen für mehr Tierwohl und solle die deutsche Landwirtschaft unterstützen, teilten die Unternehmen am Dienstag mit. Aldi setze bei Schweinefrischfleisch schon lange auf heimische Ware. Nur der erste Schritt der Wertschöpfungskette – die Ferkelgeburt – finde derzeit auch noch in Nachbarländern statt. Ein ähnliches Bekenntnis hatte im August schon der Handelskonzern Rewe abgegeben.

Von Herbst nächsten Jahres an soll in den hiesigen Märkten der sogenannte 5-D-Standard gelten, der die Phasen von der Geburt der Tiere über Aufzucht, Mast und Schlachtung bis zur Zerlegung umfasst. „Mit unserer Zusage zu ,5 D’ schließen wir eine Lücke“, sagte der zuständige Manager bei Aldi Nord, Tobias Heinbockel. Neben dem Bekenntnis zu „Qualität aus Deutschland“ ziele die Umstellung darauf ab, den hiesigen Ferkelhaltern eine verlässliche Perspektive zu geben. „Das ist ein weiterer wichtiger Baustein unseres Haltungswechsels“, sagte sein Kollege Erik Döbele von Aldi Süd.

Schweinehalter leiden unter sinkenden Preisen

Die beiden Aldi-Unternehmen hatten im vergangenen Sommer angekündigt, spätestens von 2030 an nur noch Frischfleisch von Tieren aus höherwertigen Haltungsformen zu verkaufen. Bis 2025 wollen die Discounter vollständig auf Fleisch von Rind, Schwein, Hähnchen und Pute aus der Haltungsform eins verzichten; sie entspricht nur den gesetzlichen Mindestanforderungen. Von 2030 an soll bei Aldi nur noch Fleisch der Kategorien drei und vier, bei denen die Tiere unter anderem Kontakt zu Frischluft und mehr Auslauf haben, in den Kühlregalen liegen.

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Schweine- und Ferkelhalter leiden seit Monaten unter den niedrigen Verkaufspreisen. Wegen der Corona-Pandemie hat sich die Nachfrage aus der Gastronomie verringert. Durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest ist der Export besonders nach China weggebrochen. Am Markt gibt es deshalb ein Überangebot an Schweinefleisch, das sich nur mit erheblichen Preisabschlägen verkaufen lässt. Aldi und auch der Konkurrent Lidl hatten kürzlich angekündigt, den deutschen Schweinehaltern mit besonderen Verkaufsaktionen zu helfen.

Bauern begrüßen die Aldi-Initiative

Bei den Bauern kommt der neueste Vorstoß von Aldi gut an. „Wir befürworten das und sehen darin ein positives Signal“, sagte eine Sprecherin des Landvolks in Niedersachsen: „Für die Betriebe ist das ein Lichtblick in wirtschaftlich überaus schwierigen Zeiten.“

Der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands geht der Schritt noch nicht weit genug. Das Frischfleischsegment mache nur den kleineren Teil des Fleischabsatzes aus, sagte Geschäftsführer Torsten Staack. „Deshalb muss der Schritt auch für die mengenmäßig viel größere Verarbeitungsware wie etwa Wurst folgen.“ Nötig sei zudem, dass auch der Großhandel dem positiven Beispiel von Aldi und Rewe im Geschäft mit der Gastronomie folge.

Von Jens Heitmann