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Wirtschaft Aigner erlaubt Versuchs-Anbau von Amflora
Nachrichten Wirtschaft Aigner erlaubt Versuchs-Anbau von Amflora
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17:35 27.04.2009
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) erlaubt Versuchs-Anbau von Gen-Kartoffel Amflora. Quelle: Axel Schmidt/ddp
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Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte die Entscheidung ihrer Kabinettskollegin; die Grünen und Greenpeace kritisierten sie.

Von der Amflora-Kartoffel des BASF-Konzerns gehe „keine Gefahr für die menschliche Gesundheit und die Umwelt“ aus, erklärte Aigner in Berlin. Zu dieser Überzeugung sei sie nach „genauer Prüfung vorliegender Fachinformationen und Gesprächen mit Wissenschaft und Wirtschaft“ gelangt.

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Bei der Erlaubnis geht es um den Versuchs-Anbau der Kartoffel in Mecklenburg-Vorpommern. Amflora produziert aufgrund ihrer genetischen Veränderung nur einen bestimmten Stärke-Bestandteil. Dieser wird unter anderem in der Papier-, Garn- und Klebstoffindustrie verwendet.

BASF habe zu gewährleisten, dass die geernteten Kartoffeln weder in den Lebens- oder Futtermittelkreislauf noch in die Umwelt gelangten, erklärte Aigner. BASF habe sich dazu verpflichtet, die Kartoffel nur noch an einem Standort auf einer Fläche von 20 Hektar statt der ursprünglich geplanten 150 Hektar anzubauen. Außerdem werde der Konzern einen Wildschutzzaun um die Versuchsfläche ziehen. 2007 war der Anbau der Kartoffel noch auf 155 Hektar für zwei Jahre erlaubt worden.

Für Amflora liegt bisher noch keine EU-Zulassung für den kommerziellen Anbau vor. BASF hat die EU-Kommission im vergangenen Jahr verklagt, weil Brüssel seiner Meinung nach die Zulassung der Kartoffel verzögerte. Das Zulassungsverfahren läuft seit 1996.

Bundesforschungsministerin Schavan sagte dem „Mannheimer Morgen“, hinter der Amflora stünden hohe Forschungsinvestitionen des Unternehmens und eine hohe Verantwortung der Forscher. Es gehe um eine Industriekartoffel, die Stärke liefere und nicht um Lebensmittel. „Und deshalb bin ich froh, dass dieses Signal gesetzt ist“, sagte Schavan. Die Forschungsministerin hatte Aigner zuletzt scharf kritisiert, weil die Landwirtschaftsministerin vor rund zwei Wochen die Aussagt des umstrittenen Genmais’ Mon 810 der US-Firma Monsanto verboten hatte.

Der Mais war zuvor die einzige bisher in Deutschland zum Anbau zugelassene Genpflanze. Für den Mais gibt es bereits eine Zulassung für den kommerziellen Anbau. Deutschland hatte aber eine Schutzklausel genutzt, um die Aussaat trotzdem zu untersagen. Monsanto hat gegen das Verbot geklagt.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) soll seine Parteikollegin Aigner laut „Süddeutscher Zeitung“ zu einem Verbot von Amflora gedrängt haben. Seehofer stand als Vorgänger von Aigner der grünen Gentechnik relativ offen gegenüber und erlaubte sogar den Anbau von Mon 810. Die CSU in Bayern aber sieht sich einer massiven Ablehnung des Genmais-Anbaus vor allem in ländlichen Regionen gegenüber.

Greenpeace bezeichnete die Zulassung der Amflora als Fehler. Die Kartoffel enthalte ein Antibiotika-Resistenz-Gen, das die Wirksamkeit von lebenswichtigen Antibiotika gefährden könne, erklärte Gentechnik-Expertin Stephanie Töwe. Aus Vorsorgegründen müsse der Anbau deshalb verboten werden.

Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte dem „Tagesspiegel“, „unter dem Deckmäntelchen der Forschung“ werde in Deutschland nun faktisch der Vermehrungsanbau einer Pflanze mit Antibiotika-Resistenz zugelassen. Um globale Krankheiten wie die Schweinegrippe überhaupt noch behandeln zu können, bestehe aber „ein massives gesundheitliches Interesse, dass es in der Umwelt keine frei flottierenden Antibiotika-Resistenzen gibt“, sagte Künast.

afp