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Wirtschaft 1000 Beschäftigte bangen um Jobs
Nachrichten Wirtschaft 1000 Beschäftigte bangen um Jobs
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22:51 29.05.2009
Unterhaltungskonzern Universal EDC Blackburn Polygram
Mitarbeiter des Unternehmens sollen auf 20 Prozent Gehalt verzichten. Quelle: Stefan Arend
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Andernfalls droht er mit dem Verkauf des wichtigsten Firmenvermögens: der Lieferverträge. Danach müsste man sich wohl auf die Schließung einstellen, fürchtet Betriebsratschef Heiner Delgehausen.

Nach vielen Schwierigkeiten mit dem Eigentümer Chapman Capital, einem amerikanischen Finanzinvestor, sehe die Belegschaft eine Zukunft nur noch im Besitzerwechsel: „Wir suchen einen, der uns freikauft.“ Helfen soll dabei die Landesregierung.

Die Belegschaft der früheren Polygram-Werke ist einiges gewöhnt, sie hat im vergangenen Jahr bereits auf zehn Prozent ihres Lohns verzichtet. Doch jetzt sollen es weitere 20 Prozent sein. Offizielle Begründung: Das zweite EDC-Werk im britischen Blackburn soll geschlossen werden, die hiesige Belegschaft den Sozialplan finanzieren. Schließlich stärke das Ende des englischen Werks den deutschen Standort.

Das sah man auch in Langenhagen lange Zeit so, doch mit 20 Prozent Lohnverzicht würde mancher Kollege auf Höhe des Arbeitslosengeldes landen, sagt Delgehausen. Nach zwei Terminen wurden Gespräche über die Kürzung beendet, eine Einigung schließt Delgehausen aus. Zudem habe die EDC-Geschäftsführung auf der jüngsten Betriebsversammlung von ordentlichen Ergebnissen berichtet. Der Standort sei profitabel und habe Zukunft.

Doch die vier Geschäftsführer haben auf das Geschehen offenbar kaum noch Einfluss. Ihre Verträge seien zum Jahresende gekündigt, heißt es im Werk. Über ihnen thront EDC International, ein New Yorker Unternehmen, das aber praktisch nur noch aus den beiden europäischen Werken besteht. Dessen Chef heißt Robert L. Chapman, im Hauptberuf Finanzinvestor und Hedgefonds-Manager. Seine Chapman-Capital-Gruppe ist mit rund 15 Prozent an EDC International beteiligt und dürfte in diesen Zeiten dringend Geld brauchen.

In Langenhagen hält man Chapman für völlig unberechenbar. Es sei denkbar, dass er tatsächlich die Geschäftsgrundlage, den Liefervertrag mit dem einstigen Eigentümer Universal, an die Konkurrenz verkaufe. Doch die brauche weder eine Langenhagener CD-Produktion mit 500 Leuten noch das Vertriebszentrum mit ähnlich vielen Mitarbeitern oder die mehreren hundert Leute bei externen Dienstleistern. Chapman, fürchtet Delgehausen, steuere auf die Schließung zu. Zu verhindern sei das wohl nur durch einen neuen Eigentümer, der dem Amerikaner das profitable Werk abkaufe und den Mitarbeitern eine klare Perspektive gebe.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte Vertreter des EDC-Betriebsrates gestern zu einem Gespräch eingeladen. „Fest steht: Bei EDC handelt es sich um ein solides Unternehmen, das schwarze Zahlen schreibt“, sagte Rösler im Anschluss: „Es kann nicht sein, dass gerade in der derzeitigen Situation einem gut laufenden Unternehmen die Pistole auf die Brust gesetzt wird.“ Rösler will Chapman zu Gesprächen über den EDC-Standort nach Hannover einladen.

In der Betriebsversammlung hatten mehr als 800 Mitarbeiter Forderungen nach Lohnverzicht nahezu einhellig abgelehnt. Für die IG Bergbau, Chemie, Energie kritisierte Michael Mostert, dass Chapman keinerlei Gegenleistungen für einen Gehaltsabschlag in Aussicht stelle.

von Stefan Winter und Gunnar Menkens

Albrecht Scheuermann 29.05.2009