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Volkswagen VW und IG Metall einigen sich auf neuen Tarifvertrag
Nachrichten Volkswagen VW und IG Metall einigen sich auf neuen Tarifvertrag
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17:25 09.04.2020
Neuer Tarifvertrag für die VW-Beschäftigten: IG Metall und das Unternehmen haben sich wegen der Corona-Krise auf eine kurze Laufzeit von acht Monaten geeinigt.
Neuer Tarifvertrag für die VW-Beschäftigten: IG Metall und das Unternehmen haben sich wegen der Corona-Krise auf eine kurze Laufzeit von acht Monaten geeinigt. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Volkswagen und die IG Metall haben sich am Donnerstag auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Aufgrund der Corona-Krise einigte man sich darauf, dass der Vertrag nur bis Ende des Jahres gültig ist. Bis dahin wird es wegen der ungewissen finanziellen Einbußen durch die Virus-Pandemie keine Entgelterhöhung geben. Stattdessen dürfen sich die rund 120 000 betroffenen Beschäftigten allerdings über weitere Errungenschaften in Sachen Work-Life-Balance freuen.

So wird etwa die bei der VW-Belegschaft äußerst beliebte Wandlungsoption der tariflichen Zusatzvergütung in sechs zusätzliche freie Tage auf deutlich mehr Arbeitnehmer ausgeweitet. Künftig gilt die Option auch für Beschäftigte, die ein Kind betreuen, das sein zwölftes Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Bisher lag die Grenze bei zehn Lebensjahren. Auch wird die Option, eine Wandlung in Anspruch zu nehmen, für Eltern und bei Pflege erweitert: Eine Wandlung ist nun statt in zwei in bis zu fünf Jahren möglich. Wie beliebt die seit 2019 gültige Wandlungsoption ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Für die Freistellungszeiten in 2020 haben sich aktuell bereits 9400 Eltern entschieden.

Neu: Ein Sabbatical-Modell

Komplett neu ist ein Sabbatical-Modell mit dem Namen „Meine Auszeit“. Dieses ermöglicht den Arbeitnehmern ein finanziell abgesicherte berufliche Auszeit von bis zu sechs Monaten. In dieser Zeit erhalten sie 75 Prozent ihres Bruttoentgelts. Die während der Freistellung entstandenen Minusstunden sind erst bei Wiederaufnahme der Arbeit mit 25 Prozent Bruttomonatsentgelt zurückzuzahlen.

Besonders wichtig zu Zeiten der Corona-Krise: Für Eltern, die Anspruch auf die neue befristete gesetzliche Entschädigung bei Verdienstausfall infolge von Schul- oder Kitaschließung in der Corona-Krise haben, gewährt Volkswagen einen entgeltabhängigen Zuschuss, soweit dieser nicht auf die Entschädigung angerechnet wird.

Heimarbeit wird noch flexibler

Weiterhin werden die Regelungen für Heimarbeit gelockert: Bei Beschäftigten, die das Ende und den Beginn der täglichen Arbeitszeit selbst festlegen können, ist künftig eine von elf auf neun Stunden verkürzte Ruhezeit möglich. Das gibt beispielsweise mobil arbeitenden Eltern den Freiraum, ihre Arbeitszeit am Abend für die Kinderbetreuung zu unterbrechen, um im Anschluss noch mal E-Mails schreiben zu können. Die verkürzte Ruhezeit wird dann zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen.

Sowohl Volkswagen als auch die Gewerkschaftsvertreter zeigten sich mit dem Ergebnis zufrieden – besonders unter diesen schwierigen Bedingungen. „Es ging in der Tarifrunde auch darum, die Folgen für Unternehmen und Beschäftigte in Grenzen zu halten und uns bestens auf den Wiederanlauf einzustellen“, sagte Arne Meiswinkel, Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG und Verhandlungsführer. „Die einzig richtige Antwort ist unter diesen Voraussetzungen ein Abschluss auf Sicht: mit kurzer Laufzeit, mit dem Ziel, auch in schwieriger Zeit unsere wichtigen Projekte voranzubringen, und mit dem Anspruch, für unsere Beschäftigten pragmatische und lebensnahe Lösungen zu finden, damit sie die Situation bestmöglich meistern können. Das ist gelungen.“

Betriebsrat gibt sich kämpferisch

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zeigte sich zufrieden. „Der Abschluss ist unter den Bedingungen der Coronakrise ein guter Abschluss. Es ist im Kern ein Vertagen der eigentlichen Entscheidung über die Entgelte. Die Liquidität des Unternehmens ist ein Überlebensthema. Deswegen haben wir die Haustarifrunde um acht Monate verschoben auf eine Zeit, in der wir wieder nach vorne schauen können und Planbarkeit haben“, sagte Osterloh. Verbesserungen der Arbeitsbedingungen habe man durch die neuen Regelungen dennoch erzielt.

Osterloh zeigte sich aber auch kämpferisch und betonte, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. „Volkswagen wird auch diese Krise überwinden und wieder bessere Zeiten sehen. Und dann werden wir unseren fairen Anteil am Unternehmenserfolg einfordern. Betriebsrat und IG Metall werden dafür sorgen, dass der Vorstand die Coronakrise nicht zum Nachteil der Kolleginnen und Kollegen missbraucht, nicht nur in der Tarifrunde!“

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Von Steffen Schmidt