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Volkswagen VW-Auszubildende Melanie Perlitz ist die Beste in einer Männerdomäne
Nachrichten Volkswagen VW-Auszubildende Melanie Perlitz ist die Beste in einer Männerdomäne
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16:40 02.12.2019
Landesbeste: Melanie Perlitz schloss ihre Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin bei Volkswagen mit Bestnote ab. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

„Es ist wahrscheinlich schon so, dass man das im ersten Moment nicht von mir denkt“, sagt Melanie Perlitz selbst, wenn sie auf ihren Beruf angesprochen wird. Die 22-Jährige hat in diesem Jahr ihre Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin bei Volkswagen in Wolfsburg abgeschlossen. Und das nicht irgendwie, sondern mit Bestnote. Von der IHK wurde sie unlängst als Landesbeste in diesem Ausbildungsberuf ausgezeichnet. Durchsetzen musste sie sich dabei vor allem gegen männliche Konkurrenz – der Frauenanteil in den technischen Berufen steigt zwar, ist aber weiter gering.

Immer noch eine Männerdomäne

„Der Beruf ist schon eine Männerdomäne“, sagt Stephan Bareis, VW-Ausbilder in dem Lernfeld. Das liegt zum Teil am Anforderungsprofil. „Zum dem Berufsfeld gehören beispielsweise auch die Schiffsbauer, das ist ein richtiger Knochenjob“, erklärt er. Bei Volkswagen hingegen geht es eher um Feinmechanik. Das Geschlechterverhältnis ist dementsprechend etwas ausgeglichener. „Bei einem klassischen Fertigungsberuf wie dem Konstruktionsmechaniker ist in unserer Region etwa jeder fünfte Auszubildende weiblich“, informiert Sönke Feldhusen von der IHK Lüneburg-Wolfsburg.

Bewusste Entscheidung

Melanie Perlitz hat sich dennoch bewusst für den Job in der Männerdomäne entschieden. „Meine Interessen lagen schon immer mehr im technischen Bereich“, erzählt sie. Beim Abitur setzte sie ganz gezielt auf die Fächerkombination Mathe und Physik. Zuerst bewarb sie sich dann bei Volkswagen auf ein duales Studium im Fach Fahrzeugtechnik. Zunächst ohne Erfolg. Also entschied sie sich für die Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin. „Es ist eine sehr praxisbezogende Ausbildung“, sagt sie, was sie an dem Beruf schätzt.

„Mir gefällt es, selber kreativ zu werden“

Zu den Kernkompetenzen gehören vor allem Aufgaben rund um die Blechverarbeitung, die Qualitätskontrolle der Teile aus dem Presswerk aber auch die Fertigung von Teilen, beispielsweise für Prototypen. Letzteres hat Melanie Perlitz besonderen Spaß gemacht. „Man hat dort mehr Freiheit in den Konstruktionsmöglichkeiten. Mir gefällt es, selber kreativ und aktiv zu werden“, erklärt sie. Besonders, wenn die Teile dann auch Verwendung finden. „Dann sieht man, dass man richtig was hergestellt hat“, so Perlitz. Kein Wunder also, dass sie auch ihre Prüfung vor der IHK in diesem Bereich abgelegt hat. Dafür plante und konstruierte sie ein Medienwagen aus Stahl –und erhielt die Bestnote.

Studium neben der Ausbildung

Mit der prämierten Ausbildung allein, gibt sich die junge Frau allerdings nicht zufrieden. Weil es mit dem dualen Studium bei VW nicht klappte, fing sie kurzerhand noch während der Ausbildung ein Fernstudium Fahrzeugtechnik an. „Das ist schon ein ganz schöner Aufwand“, berichtet sie. Im Gegensatz zum dualen Studium, dass in Blöcken organisiert ist, musste sie alles aus eigener Initiative heraus managen. „Jeden Tag Ausbildung und am Feierabend, Wochenende und im Urlaub lernen“, beschreibt sie.

Engagement macht sich bezahlt

Doch der Aufwand hat sich schon jetzt gelohnt: Als studentische Mitarbeiterin ist sie in der Forschung und Entwicklung weiter für VW tätig und besitzt durch eine qualifizierte Wiedereinstellungszusage auch über ihr Studium hinaus wohl eine goldene Zukunft im Konzern. Und auch privat kommt ihre für Frauen leider weiterhin eher ungewöhnliche Berufswahl gut an. „Die Leute finden interessant, was ich mache“, so Perlitz.

Frauen in technischen Berufen stark nachgefragt

Bei der IHK hofft man, dass sich mehr junge Frauen ein Beispiel an Melanie Perlitz nehmen. „Mehr junge Frauen in MINT-Berufe zu bekommen, ist vielen unserer Ausbildungsbetriebe ein wichtiges Anliegen. Dies ist nicht nur wegen der sinkenden Zahl der Schulabgänger so, sondern auch weil Frauen unter den besten Schulabgängern einen immer größeren Anteil erreichen“, sagt Feldhusen.

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Von Steffen Schmidt

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