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Volkswagen Stark – So macht VW Mitarbeiter wieder fit für die Produktion
Nachrichten Volkswagen Stark – So macht VW Mitarbeiter wieder fit für die Produktion
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18:05 15.05.2019
In Halle 35 im Volkswagen Werk Wolfsburg fertigen Mitarbeiter mit Tätigkeitseinschränkungen Cockpits und erklären hier Vertretern von Unternehmen und Betriebsrat die ergonomischen Vorzüge von Hilfswerkzeugen. Quelle: Volkswagen AG
Wolfsburg

Es ist bisher einzigartig im gesamten Volkswagen-Konzern: Das Demografie-Projekt STARK, das vor rund einem Jahr im Wolfsburger Stammwerk angelaufen ist, wurde am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel des zukunftsweisenden Projektes ist es, Mitarbeiter mit körperlicher Einschränkung wieder voll wertschöpfend in die Produktion zu integrieren und am besten langfristig wieder fitzumachen, für andere Bereiche der Fertigung. Grundlage ist die Betriebsvereinbarung „Demografie-Projekt“ die im Frühjahr 2018 verabschiedet wurde.

70 Arbeitsplätze für 4 Millionen Euro

4 Millionen Euro hat der Volkswagen Konzern dafür in die Hand genommen und die Halle 35, in der Cockpits für den Touran, Tiguan und Seat Ateca vormontiert werden, ganz nach den Bedürfnissen dieser Mitarbeiter umgestaltet. So sind in der Halle, in der vorher 150 Mitarbeiter die Produktion übernahmen, 70 Arbeitsplätze enstanden – und zwar für Personen, die ihre Arbeit in anderen Produktionsabteilungen nicht mehr verrichten konnten. Seit Projektstart wurden bereist fast 160 Arbeitskräfte erfolgreich integriert. Unterstützt werden die Mitarbeiter durch moderne Produktionstechnologien und eine intensive Betreuung durch ein geschlossenes Team aus Meistern, Personalabteilung, Betriebsrat und Ergo-Assistenten.

Belastung wird reduziert

STARK: Der Name ist dabei Programm. Er steht für Stabilisation, Training, Aufbau, Respekt und Kernwertschöpfung. „Die Begriffe repräsentieren die Ziele des Projekts“, erläutert der Projektverantwortliche Dr. Sebastian Schmickartz. Für die Umsetzung wurde extra ein Führungskräftekonzept implementiert, Arbeitsplätze ergonomisch optimiert und die Belastung reduziert. „Aus einem Arbeitsplatz wurden zwei“, berichtet Schmickartz. Die meisten Einschränkungen der Mitarbeiter betreffen die Körperhaltung, die Kraft oder ihre Extremitäten. Durch ergonomische Hilfsmittel wie Hebelhilfen und andere Manipulatoren ab einer Last von 5 Kilo, höhenverstellbare Anlagen sowie die stetige Entwicklung von Hilfswerkzeugen, wird diesen Einschränkungen entgegengewirkt.

Trainingsraum und Betreuung durch Therapeuten

In einem extra eingerichteten, modernen Trainingsraum haben die Arbeiter zudem die Möglichkeit, einmal täglich eine Stunden lang ihre Fitness zu trainieren – und zwar nach einem individuell auf sie und ihre Tätigeit zugeschnittenen Trainingsplan und unter ständiger Betreuung eines professionelen Ergo-Therapeuten. Diese beraten und betreuen die Arbeiter auch direkt an der Linie. „Der Mitarbeiter steht bei uns im Mittelpunkt, wir wollen das verbessern, was ihn einschränkt“, betont Schmickartz. Die Trainingsabteilung arbeitet dabei eng verzahnt mit den Lernwerkstätten zusammen, in denen die Mitarbeiter gezielt auf ihr neues Tätigkeitsfeld vorbereitet werden.

Projekt steigert Selbstwertgefühl der Mitarbeiter

„Das Feedback ist auf das Projekt ist bisher von allen Seiten positiv“, freut sich Schmickartz über den gelungenen Projektstart. Kein Wunder, sei es doch eine echte Win-Win-Situation. Schmickartz: „Die Mitarbeiter werden wieder voll wertschöpfend in die Produktion eingebunden. Wir liefern die selbe Stückzahl und Qualität wie vorher. Wir wollen auch gar nicht an anderen Maßstäben gemessen werden, denn so fühlen sich die Mitarbeiter wertgeschätzt. Die vollwertige Einbindung in die Produktion steigert ihr Selbstwertgefühl.“

„Unsere Mitarbeiter sind das Wichtigste“

Auch in der Führungsteage zeigt man sich zufrieden und stolz auf dieses Leuchturm-Projekt. „Manche Mitarbeiter werden von harten Schicksalsschlägen getroffen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob wir bei Volkswagen als eine Mannschaft zusammenstehen“, sagte Werksleiter Dr. Stefan Loth. „Unsere Mitarbeiter sind das Wichtigste, was wir haben“, ergänzte Volkswagen Produktionsvorstand Dr. Andreas Tostmann. „Deshalb ist es für uns von besonderer Bedeutung, dass wir in der Produktion Bedingungen schaffen, die es uns ermöglichen, unsere Mitarbeiter wertschätzend einzusetzen.“

Ausweitung auf andere Standorte geplant

„Mit dem Demografie-Projekt zeigen wir ganz konkret, wie wir bei VW Beschäftigung und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut bekommen“, lobte auch Betriebsratschef Bernd Osterloh. Der Druck auf die Mitarbeiter in der Produktion sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Bei VW lassen wir aber niemanden im Stich, nur weil er das hohe Tempo nicht mehr mitgehen kann“, so Osterloh. Sein Wunsch, dass die Halle 35 ein Vorbild für die weitere Entwicklung werden, scheint zudem in Erfüllung zu gehen: Zukünftig plant Volkswagen dieses Modell auch auf andere Fertigungsbereiche und Standorte auszuweiten.

Von Steffen Schmidt

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