Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Volkswagen Klimagipfel in Glasgow: VW-Chef Diess lehnt frühes Verbrenner-Aus ab
Nachrichten Volkswagen

Klimagipfel in Glasgow: VW-Chef Diess lehnt früheres Verbrenner-Aus ab

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 12.11.2021
Herbert Diess: Er treibt die Elektromobilität voran, hält aber für bestimmte Märkte am Verbrennungsmotor fest.
Herbert Diess: Er treibt die Elektromobilität voran, hält aber für bestimmte Märkte am Verbrennungsmotor fest. Quelle: Jens Büttner
Anzeige
Wolfsburg/Glasgow

Im Rahmen des aktuell laufenden Klimagipfels in Glasgow haben mehrere Autohersteller – darunter Ford und Mercedes – ein zukunftsweisendes Papier unterschrieben: Neu verkaufte Pkw und Kleintransporter sollen demnach weltweit bis 2040 und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sein. Volkswagen als Vorreiter der sauberen Elektromobilität hat das Papier nicht unterschrieben. Warum nicht?

Synthetische Kraftstoffe sind in Lateinamerika sinnvoll

„Solch ein Bekenntnis finde ich erst einmal sehr gut, so etwas haben wir in unserem Konzern ja auch“, sagte VW-Konzern-Chef Herbert Diess jetzt in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Premiummarken wie Audi und Porsche würden sich ja auch „sehr schnell elektrifizieren“. Aber im Volumensegment gebe es auch Märkte wie Lateinamerika und Russland, in denen Elektrifizierung „im ersten Schritt nicht so richtig sinnvoll“ sei – auch diese Märkte wolle Volkswagen aber weiterhin mit Neufahrzeugen beliefern. In Lateinamerika habe man beispielsweise synthetische Kraftstoffe – „sehr etabliert und CO2-frei“ – , die aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden.

Klare Strategie: Mit E-Autos wie den nagelneuen ID.5 und ID.5 GTX will VW seine Flotte in Europa schnell elektrifizieren. Quelle: Ingo Barenschee

Sein Fazit: „Wir müssen den Umbau in Richtung CO2 -Freiheit synchron mit dem Ökosystem machen.“ So könne es sinnvoll sein, 2035 in Lateinamerika mit nachwachsenden Rohstoffen Auto zu fahren – dafür brauche man Verbrenner. In Europa und Deutschland sei das hingegen nicht sinnvoll: VW und Audi würden dann sicherlich schon voll elektrisch sein. Den von einigen geforderten Verbrenner-Ausstieg der deutschen Autoindustrie schon 2030 sei für die Industrie nicht machbar, so Diess. Es müssten Batteriefabriken gebaut und Rohstoffe beschafft werden.

Porsche-Chef Blume setzt auf e-Fuels

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: In dem Papier der Autobauer tauchen synthetische Kraftstoffe (e-Fuels) nicht auf – auf die aber VW-Tochter Porsche hofft. Porsche-Chef Oliver Blume sieht synthetische Kraftstoffe als „sinnvolle Ergänzung“ der Elektromobilität und erwartet in den nächsten Jahren einen riesigen Markt dafür – denn mit Synthetik-Benzin und -Diesel, die CO2-neutral hergestellt werden, könnten auch künftig Verbrenner noch lange und sauber fahren. Hintergrund: Porsche baut in Chile aktuell eine Pilotfabrik zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen und will diese Kraftstoffe unter anderem im Rennsport einsetzen.

Mit seiner Meinung steht Diess übrigens nicht allein: Auch BMW und Toyota haben das Glasgower Papier nicht unterschrieben – sie wollen sich ebenfalls mehrere Antriebsoptionen offen halten.

Von Carsten Bischof