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Volkswagen Chef-Designer Klaus Bischoff erklärt das Farbdesign von Volkswagen
Nachrichten Volkswagen Chef-Designer Klaus Bischoff erklärt das Farbdesign von Volkswagen
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20:58 11.10.2019
Design mittels Virtual Reality: (v.l.) Astrid Göring und Diana Zynda aus dem Color- und Trimmdesign und VW-Chefdesigner Klaus Bischoff vor der gigantischen Videowall mit dem ID.3. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Als jetzt bei der IAA der Volkswagen ID.3 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wurde mit ihm auch ein lang und sorgsam gehütetes Geheimnis enthüllt. Wie würde das neue Modell aussehen? Für die Designabteilung bei VW hingegen offenbarte sich ein gewohnter Anblick. „Für die Menschen draußen war es etwas völlig Neuartiges. Wir schauen schon seit drei Jahren auf das Modell“, erklärt Klaus Bischoff, VW-Chefdesigner. Denn auch beim Aussehen der Fahrzeuge wird nichts dem Zufall überlassen – bis hin zur Farbe.

Der erste Eindruck entscheidet

„Jeder Kunde kann sein Auto in einer beliebigen Farbe lackiert bekommen, solange die Farbe, die er will, schwarz ist!“ Dieser Ausspruch von Autobau-Pionier Henry Ford passt schon lange nicht mehr in die Zeit. Denn neben allen technischen Innovationen, Verbrauch und Motorisierung entscheidet heutzutage wahrscheinlich mehr denn je das Aussehen über die Kaufentscheidung. „Die erste Annäherung geschieht ganz natürlich über die Augen. Wenn einem Kunden das Fahrzeug optisch nicht gefällt, wird er es sich nicht genauer angucken“, weiß Bischoff.

400 kreative Köpfe aus 30 Nationen

Autos sind nicht mehr einfach schwarz, rot oder dunkelblau. Hinter jeder Lackierung verbirgt sich vielmehr ein exakt durchdachter, extrem aufwendiger, aber auch ungemein kreativer Prozess. Welche Farbe passt zu welchem Auto? Astrid Göring und Diana Zynda aus dem Color- und Trimdesign von Volkswagen sind genau dafür zuständig – doch bei weitem nicht die Einzigen. Rund 400 Kreative aus 30 Nationen arbeiten in der Designabteilung zusammen. „Eine ungeheure Brainpower“, zeigt sich Bischoff stolz auf sein Team.

Eindrücke aus der Umwelt fließen mit ein

Am Anfang des langen Wegs zu der passenden Farbe steht eine Idee – oder eher viele Ideen. „Wir schauen uns in großer Runde das Design des Fahrzeugs an und überlegen, was dazu passt“, erklärt Zynda. „Womit assoziieren wir die Architektur, wie sind die Proportionen, wie verlaufen die Kanten?“ Bei der Farbwahl fließen dann immer auch Eindrücke aus dem Leben, Beobachtungen der Umwelt mit ein. „Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt und versuchen Trends zu entdecken“, beschreibt Göring. Das können Einflüsse aus der Mode genauso sein wie gesellschaftliche Entwicklungen. Ein Beispiel: „Jetzt sind Grüntöne in Mode, die Farbe steht für Nachhaltigkeit“, erklärt Göring.

Und hier eine Bildergalerie:

Hier wird die Zukunft gestaltet: In der Design-Abteilung von VW werden die Fahrzeuge von morgen geplant. Jedes Detail zählt. Chefdesigner Klaus Bischoff und seine Mitarbeiterinnen Diana Zynda und Astrid Göring führten WAZ-Reporter Steffen Schmidt und Fotograf Roland Hermstein rum und zeigten ihnen, wie das Farbdesign abläuft.

Was zunächst einmal banal klingt, hat einen entscheidenden Haken. Denn anders als etwa in der Mode, müssen in der Autobranche die Trends viel früher erahnt werden. Bis ein Auto auf den Markt kommt , vergehen Jahre. „Wir leben hier quasi immer in der Zukunft. Denn wir müssen die Zukunft gestalten“, bringt es Bischoff auf den Punkt.

Zwischen Innovation und Zeitlosigkeit

Doch die Wellenbewegungen der Mode richtig zu erkennen, reicht allein nicht aus. Die Farbe muss nicht nur zum Auto und in die Zeit, sondern auch zu Volkswagen selbst passen. Die Marke stehe seit jeher für Qualität und Langlebigkeit. „Wir müssen immer aufpassen, dass wir keinen kurzlebigen Trend schaffen. Das kann zu Frustration beim Kunden führen“, betont Bischoff. Denn anders als in der schnelllebigen Mode muss ein Auto mehr als nur eine Saison halten – und gefallen. Ein Volkswagen muss zudem mit dem Geschmack der Masse kompatibel sein. Ein stetiger Spagat zwischen Innovation und Zeitlosigkeit.

ID.3 als Aufbruchssymbol

Eine besondere Herausforderung an die Designabteilung stellte der ID.3 dar. Denn er steht bei Volkswagen stellvertretend für eine neue Zeitrechnung: den Aufbruch in die Elektromobilität. „Der ID.3 ist ein Botschafter für das neue Volkswagen“, sagt Bischoff. Das galt es auch designtechnisch zu unterstreichen. Als Launch-Farbe für den ID.3 entschied man sich deshalb für Makena-Türkis. „Das ist eine extrem lebendige Farbe mit Charakter und hohem Wiedererkennungswert, die kann man nicht auf jedes Fahrzeug tun“, sagt Diana Zynda. Ziel ist ein „Headturner“, wie es Bischoff ausdrückt. Die Leute sollen dem Auto hinterherschauen. „Mit dem ID.3 und Makena-Türkis wollen wir die Leute sozusagen elektrifizieren“, bringt Zynda die Intention auf den Punkt.

Design per Virtual Reality

Ist die Farbe gefunden, geht es an die technische Umsetzung und damit die Entwicklung des Lacks – inklusive besonderer Effekte. „Beim ID.3. haben wir uns zum Beispiel für einen besonderen Flop-Effekt entschieden“, sagt Göring. Der Lack verfügt über ein spezielles Reflektionsverhalten, das durch eine bestimmte Dosierung der Metallicpartikel erzeugt wird. Das bewirkt, dass die obere Hälfte des Wagens heller erscheint als die untere – der ID.3 erscheint damit quasi zweifarbig. „Den Effekt haben wir exakt auf die Architektur des Fahrzeugs abgestimmt. So werden die Kanten noch stärker betont“, erklärt Göring. Wie solche Effekte real funktionieren, können die Designer bei VW mittlerweile bereits vor dem wirklichen Lackiervorgang sehen. Auf großen Videowänden kann dank Hightech-Software das Reflektionsverhalten exakt simuliert werden.

Jedes Gramm zählt

Dennoch sind der Kreativität technische und auch wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Da kann es durchaus mal zu Enttäuschungen kommen: „Es kann sein, dass ein Lack, wie wir ihn uns wünschen, nicht funktioniert“, weiß Zynda. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Denn der Lack muss viele Kriterien erfüllen. Dazu gehört Kratzfestigkeit, er darf auch nicht ausbleichen, und er muss wirtschaftlich sein. Zweifarbige Lackierung ist ungleich teurer und aufwendiger als einfarbige. Und: je intensiver der Farbton, desto mehr Lack ist notwendig. „Aber gerade beim Elektroauto spielt das Gewicht eine besondere Rolle“, erklärt Bischoff. Eine Lackierung macht etwa 4 bis 5 Kilo aus. „Jedes Gramm ist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten eins zu viel.“ Auch daran muss gedacht sein.

Warum China und grün nicht zusammenpassen

Genauso wie auf die Abstimmung mit dem Interieur. Oder auf kulturelle Besonderheiten. „In China geht zum Beispiel die Farbe Grün gar nicht“, sagt Zynda. Diese werde dort mit dem Bösen verbunden. „Das habe ich auch erst von Kollegen aus China erfahren“, lacht sie. Und genau deswegen ist eine permanente Abstimmung mit allen Abteilungen im Werk so wichtig.

„Ein unglaubliches Gefühl“

Enormer Aufwand also, der hinter dem Farbdesign steckt. Aber auch eine spannende und erfüllende Aufgabe, sind Zynda und Göring sich einig. Besonders, wenn sie am Ende des langen Prozesses, „ihr“ Werk auf den Straßen sehen. „Ein unglaubliches Gefühl“, sagen die Designerinnen.

Von Steffen Schmidt

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