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Salzgitter Umweltminister macht sich schlau am Wasserstoff Campus Salzgitter
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Umweltminister macht sich schlau am Wasserstoff Campus Salzgitter

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07:53 27.05.2021
Tauschen sich aus über den Wasserstoff Campus Salzgitter: Umweltminister Olaf Lies im Gespräch mit OB-Kandidat Prof. Dr. Harald Rau und Bürgermeister Stefan Klein.
Tauschen sich aus über den Wasserstoff Campus Salzgitter: Umweltminister Olaf Lies im Gespräch mit OB-Kandidat Prof. Dr. Harald Rau und Bürgermeister Stefan Klein. Quelle: rk
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Salzgitter

„Sauberer Wasserstoff ist der Treibstoff der Energiewende.“ Unter diesem Aspekt hat sich Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies (SPD) ein Bild vom Wasserstoff Campus Salzgitter auf dem Gelände der Robert Bosch Elektronik GmbH gemacht. Er hält es für wichtig, die Forschung zum Potenzial dieser Zukunftsenergie voranzutreiben. „Der Wasserstoff Campus Salzgitter zeigt, wie es gehen kann: Er ist das praktische Beispiel, das wir nicht nur über Klimaschutz reden, sondern auch Lösungen dafür finden.“

Laut Olaf Lies geht es „um die Verzahnung von Wissenschaft auf der einen Seite und Produktion und Industrie auf der anderen Seite“. Der Minister erhielt einen Einblick in die vier bereits gestarteten Projekte zur Wasserstoffmobilität, Speicherung von Wasserstoff in Stahltanks, Fabriktransformation zur Dekarbonisierung der Wertschöpfungskette und die Konzeptionierung einer grünen Wasserstoffversorgung für die Region Salzgitter.

„Mit unserem Wasserstoff Campus gehen wir neue Wege in ein klimaschonendes Zeitalter“, so der Landtagsabgeordnete und Erste Bürgermeister Stefan Klein. „Hand in Hand wollen wir als Stadt zusammen mit den Unternehmen und der Wissenschaft Salzgitter und unsere Region zum Vorreiter in Sachen Wasserstofftechnologie entwickeln.“

Die Landesbeauftragte Dr. Ulrike Witt vom Amt für regionale Landesentwicklung spricht von „einem hoch innovativen Vorzeigeprojekt“. Die wichtigen Akteure der Regionalentwicklung – Wissenschaft, Wirtschaft, Land und Kommunen – gehen gemeinsam die Herausforderungen des Klimawandels an. Der Wasserstoff Campus Salzgitter sei ein Ankerpunkt für die klimaneutrale Umgestaltung der Industrieregion.

Ökonomie und Ökologie

Prof. Dr.-Ing. Christoph Herrmann, Institutsleiter des Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST, sieht Salzgitter als Leuchtturmregion zur industriellen, nachhaltigen Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff: Das Institut sieht sich „als Wegweiser und Impulsgeber für innovative Entwicklungen“. Dessen Technologien und Kompetenzen in der Schicht- und Oberflächentechnik sowie der Verfahrens-, Prozess- und Fertigungstechnik sollen dazu beitragen, marktfähige Lösungen zu schaffen. „In den verschiedenen Projekten entwickeln wir Technologien für eine Wasserstoffwirtschaft und Defossilisierung der Industrie. Dies erfolgt entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Erzeugung bis zur Nutzung unter Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Aspekte.“

Dr. Raphael Hofstädter, Patent- und Innovationsmanager der Alstom Transport Deutschland GmbH, präsentierte die Aktivitäten im Bereich Wasserstoffmobilität. Zu den Voraussetzungen gehören wirtschaftliche Lösungen für Transport und Lagerung. „Gemeinsam mit dem Fraunhofer IST möchten wir eine Barriere für die Stahloberfläche entwickeln, die die Wasserstoffversprödung verhindert. Das Vorhaben verspricht ein hohes Potenzial, die verwendeten Stahlfestigkeiten zu erhöhen und dadurch Gewicht, Kosten und CO2-Emmissionen noch weiter zu reduzieren“, so Dr. Benedikt Ritterbach, Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH.

Studie zur Wirtschaftlichkeit

Zu einer wirtschaftlich tragfähigen Versorgung mit grünem Wasserstoff in Salzgitter läuft seit Mai 2021 eine Studie unter Leitung von MAN Energy Solutions und Fraunhofer IST. Lokale Erzeugung, Transport aus den Küstenregionen und der Import von Wasserstoff werden technisch und ökonomisch verglichen sowie ein relevanter Abnehmermarkt identifiziert und entwickelt. „Salzgitter besticht vor allem durch eine Vielzahl an Abnehmern für grünen Wasserstoff. Die große Nachfrage und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten sind ein klarer Standortvorteil“, sagt Marc Grünewald, Head of Business Development Power and New Energies bei MAN Energy Solutions. „Doch entscheidend ist auch, dass diese Abnehmer kostengünstig und flächendeckend mit großen Mengen an grünem Wasserstoff versorgt werden. Unsere Studie wird diese Wege aufzeigen und legt somit einen wichtigen Grundstein, um die effiziente Versorgung der Region Salzgitter mit grünem Wasserstoff aufzubauen.“

Pilotfabrik bei Bosch

Im Projekt Fabriktransformation arbeitet das Fraunhofer IST gemeinsam mit Bosch im Werk Salzgitter daran, eine reale Wasserstoffinfrastruktur in Form einer Pilotfabrik zu schaffen. Zusätzlich gibt es weitere lokale Projekte. So wird in Zusammenarbeit mit dem lokalen Energieversorger WEVG der Bosch-Standort an das Fernwärmenetz angeschlossen und bezieht somit ab Herbst die Abwärme der Salzgitter Flachstahl GmbH. Durch die Maßnahme ergibt sich eine jährliche CO2-Reduktion von mehr als 95 Prozent gegenüber der Eigenerzeugung von Wärme mit Erdgas. „Derzeit arbeiten wir gleichzeitig an mehreren Projekten zur CO2 Reduktion. Wir nehmen immer mehr Tempo auf.“, so Michael Gensicke, Geschäftsführer der Robert Bosch Elektronik GmbH.

Von Roland Weiterer