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Salzgitter Schacht Konrad in Salzgitter: Bündnis fordert Baustopp
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Schacht Konrad in Salzgitter: Bündnis fordert Baustopp

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07:52 03.04.2021
Deutlicher Protest: Das Bündnis Salzgitter gegen Konrad fordert einen sofortigen Baustopp für das geplante Atommüll-Endlager bei Bleckenstedt.
Deutlicher Protest: Das Bündnis Salzgitter gegen Konrad fordert einen sofortigen Baustopp für das geplante Atommüll-Endlager bei Bleckenstedt. Quelle: rk
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Das Bündnis Salzgitter gegen Konrad fordert einen sofortigen Baustopp des geplanten Atommüll-Endlagers in Bleckenstedt. Oberbürgermeister Frank Klingebiel: „Solange nicht bewiesen ist, dass Schacht Konrad den heutigen Anforderungen an ein tiefengeologisches Lager für radioaktive Abfälle entspricht, dürfen keine weiteren Fakten geschaffen und keine weiteren Gelder in der Tiefe versenkt werden.“

Die Kritiker sehen sich auf dem richtigen Weg. Der erhebliche Druck aus der Region und der lange Zeitraum zwischen den Nachweisführungen und der geplanten Inbetriebnahme des Endlagers hätten den Betreiber veranlasst, die „Überprüfung der sicherheitstechnischen Anforderungen des Endlagers Konrad nach dem Stand von Wissenschaft und Technik (ÜsiKo)“ vorzunehmen. Das Bündnis gegen Schacht Konrad hat zwei Experten, den Geologen Jürgen Kreusch und den Physiker Wolfgang Neumann, damit beauftragt, die die 2020 veröffentlichten Ergebnisse der Phase 1 der ÜsiKo zu bewerten. Und das Urteil der Fachleute ist vernichtend.

„Das Atomgesetz schreibt die Anwendung des Standes von Wissenschaft und Technik vor und das Bundesverfassungsgericht hat definiert, was der Stand von Wissenschaft und Technik ist. Dazu gehören die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Veröffentlichungen, auch wenn sie noch nicht in Gesetze oder Verordnungen gegossen sind, sowie ein breites Spektrum vertretbarer wissenschaftlicher Meinungen“, erklärt Wolfgang Neumann. Die Gutachter der Bundesgesellschaft für Enlagerung (BGE) stützten ihre Bewertungen jedoch wesentlich auf die zum Zeitpunkt der Begutachtung gültigen Gesetze und Verordnungen sowie die längst überholten Sicherheitskriterien für die Endlagerung radioaktiver Abfälle von 1983.

„Dadurch werden die Ergebnisberichte zur ÜsiKo Phase 1 dem selbst gestellten Anspruch eines Vergleichs mit dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik nicht gerecht und gehen am Thema vorbei“, so Wolfgang Neumann. Die Gutachten krankten unter anderem daran, dass die Auswirkungen der Änderungen des Einlagerungskonzeptes, des Radionukidinventars und weiterer Faktoren, die der Betreiber seit dem Planfeststellungsbeschluss vorgenommen hat, nicht betrachtet wurden.

Der Geologe Jürgen Kreusch kritisiert, dass die Gutachter der ÜsiKo sich nicht die naheliegende Frage gestellt hätten, wie man nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik beim Langzeitsicherheitsnachweis für das geplante Endlager vorgehen würde. Dann könnte man beispielsweise die bei Konrad seit Jahrzehnten umstrittene Frage nach Art, Anzahl, Repräsentativität und Aussagekraft der benötigten konkreten Daten entsprechend beantworten.

 „Es würde sich dann beispielsweise auch die Frage stellen, ob das bereits seit Beginn der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts vorliegende Modellgebiet die realen Verhältnisse ausreichend gut abbildet oder ob man zu einem realitätsnäheren Modellgebiet käme, wenn man beispielsweise die heute übliche hochauflösende 3-D-Seismik einsetzen würde. Und es würde sich die Frage nach der Aussagekraft der Materialproben aus den viele Jahrzehnte alten Explorationsbohrungen stellen, die eine ganz andere Zielsetzung hatten als Fragen der Langzeitsicherheit eines Endlagers Konrad zu beantworten.“

Jürgen Kreusch kritisiert, dass im ÜsiKo-Gutachten am Bewertungsmaßstab einer Strahlenexposition von 0,3 Millisievert pro Jahr aus 1983 festgehalten wird, anstatt den neuen Maßstab des Bundesumweltministeriums (0,01 mSv/a für wahrscheinliche und 0,1 mSv/a für weniger wahrscheinliche Entwicklungen) zugrunde zu legen. Bei einem Endlagers sei der Bewertungsmaßstab für die radiologische Belastung von entscheidender Bedeutung. Laut Jürgen Keusch wäre Konrad „bei einem Grenzwert von 0,01 bzw. 0,1 mSv/a nicht genehmigungsfähig“.

Für Ulrich Löhr, Vorsitzender des Landvolks Braunschweiger Land, ist es „absurd, wenn wir Landwirte nach häufig kaum evaluierten neuen Erkenntnissen zusätzliche Produktionseinschränkungen bekommen und zeitgleich für die Einlagerung in Schacht Konrad die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Anforderungen von 1983 gelten“.

Matthias Wilhelm, 1. Bevollmächtiger der IG Metall Salzgitter-Peine, nennt es „verantwortungslos“, ein Atommüll-Lager mitten in einem Industriegebieterrichten zu wollen. Er verweist auf die Auswirkungen, die sich aus der Nähe zu den Großbetrieben in der Region mit ihren sich dynamisch entwickelnden Produktionsprozessen wie die Wasserstoff basierte Produktion bei der Salzgitter AG und die Batteriezellenfertigung bei VW ergeben. „Die sind bisher überhaupt nicht untersucht worden, auch in der ÜsiKo nicht.“

Ludwig Wasmus, Vorstand Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad. fordert, endlich das Projekt aufzugeben und „alle Arten radioaktiver Abfälle in das laufende Standortauswahlverfahren einzubeziehen oder eine eigene Standortsuche für schwach- und mittel radioaktive Abfälle zu starten“. Unter dem Link www.salzgitter.de/baustopp-konrad sind die Stellungnahmen von Jürgen Kreusch und Wolfgang Neumann einzusehen.

Von Roland Weiterer

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