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Salzgitter Salzgitters Gesundheitsamt an der Belastungsgrenze
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Salzgitters Gesundheitsamt an der Belastungsgrenze

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11:48 19.11.2020
Oberbürgermeister Frank Klingebiel mit Amtsarzt Dr. Müller-Dechent sowie Frank Drescher (Leiter der Kontaktnachverfolgung) und den neuen Teammitgliedern des Gesundheitsamtes. Quelle: Stadt SZ
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Salzgitter

Die Corona-Lage in der Stadt bleibt angespannt. Das machen die Daten deutlich, die jeden Tag veröffentlicht werden. Zwischen vier und 50 bewegte sich von Sonntag bis Mittwoch die Zahl der jeweiligen Neuansteckungen, die das Gesundheitsamt weiter zum Robert-Koch-Institut nach Berlin leitete. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz, nach der sich die Auflagen und Bestimmungen richten, schwankte zwischen 180 und knapp 200.

Die AWO schloss am Montag ihre Kindertagesstätte in der Lebenstedter Goethestraße mit drei Gruppen, mehrere Altenheime wie das Pflegezentrum Irenenstift befinden sich in Quarantäne, an allen 33 Schulen im Stadtgebiet gilt mittlerweile das Szenario B, es gibt Wechselunterricht. Den hatte Oberbürgermeister Frank Klingebiel am Mittwoch per Allgemeinverfügung angeordnet.

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Bereits seit mehr als einer Woche hat Salzgitters Gesundheitsamt seine Grenzen erreicht. Nicht nur das Team Infektionsschutz, sondern alle Mitarbeitenden bewegen sich seit März am Rande der Belastungsgrenze, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung, obwohl die normale Personaldecke von 52 Vollzeitstellen vor der Pandemie auf rund 100 Vollzeitstellen angewachsen ist.

Mittlerweile verstärken externe Helfer das Gesundheitsamt. Jeweils zwei Soldaten der Bundeswehr unterstützen die Teams für Rachenabstriche und Kontaktnachverfolgung. Den Kontakten spüren auch zwei Containments-Scouts des Robert-Koch-Instituts nach. Hinzu verstärken sieben Landesbeamte der Finanzverwaltung die Behörde, vier weitere Soldaten sind angekündigt.

Diese unbürokratische Amtshilfe der Bundeswehr, der Finanzämter und des Robert-Koch-Institutes, für die sich Frank Klingebiel in seinen Funktionen beim Städtetag gegenüber Bundes- und Landesregierung stark gemacht hatte, sind nach worten des Oberbürgermeisters ein wichtiges Signal für die städtischen Beschäftigten an vorderster Front, aber auch für die Bevölkerung. „Auch wir hatten im Gesundheitsamt infektionsbedingte Personalausfälle, die wir glücklicherweise mit der tatkräftigen Unterstützung unserer Hilfsorganisationen und der Berufsfeuerwehr kompensieren konnten.“

Aufgrund der sich schnell verschärfenden Entwicklung der Corona-Pandemie hat Gesundheitsdezernent Dr. Dirk Härdrich seinen Dienstsitz ins Gesundheitsamt in Salzgitter-Bad verlegt, um sich während der sich zuspitzenden Lage ausschließlich um die Krisenbewältigung und die organisatorischen Belange zu kümmern. Die oberste Verwaltungsführung ist somit vor Ort.

„Mit vielen internen Zuweisungen tragen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung durch Aufgabenübernahme im Gesundheitsamt oder im Bürgerservice aktiv zur Pandemiebewältigung bei“, heißt es in einer Pressemitteilung. Trotz aller Verstärkung durch externe Kräfte und Beschäftigten aus anderen Bereichen sei die Grenze der Belastung erreicht.

Die Versorgungssituation im Helios Klinikum Salzgitter und im St.-Elisabeth-Krankenhaus, insbesondere im Bereich der Intensivmedizin und der Beatmungsstationen, ist laut Stadtverwaltung aktuell sichergestellt, ein Engpass in Salzgitter nicht absehbar. „Derzeit ist es auch nicht erforderlich, wegen der Versorgung von Corona-Patienten die normalen Krankenhausbehandlungen zurückzufahren.“

Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten, wie es die Landesregierung zu Beginn der Corona-Krise verfügt hatte, „ist noch nicht notwendig“, heißt es aus dem Rathaus. Durch das atmende System, das das Niedersächsische Gesundheitsministeriums in Bezug auf Krankenhäuser und Reha-Kliniken in der ersten Welle der Pandemie erarbeitet hat, ließen sich kurzfristig landesweit 3.000 zusätzliche Intensivplätze schaffen. „Gleichwohl ist auch im Bereich der Krankenhausversorgung ein erhöhter Zugang von Corona-Patienten zu verzeichnen.“

Von Roland Weiterer