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Salzgitter Salzgitter bringt Kampagne gegen häusliche Gewalt auf den Weg
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14:03 21.05.2020
Ein Bild aus der Internetkampagne: Der runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Salzgitter will die Hilfskontakte für Opfer bekannter machen. Quelle: Rudolf Karliczek
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Salzgitter

Vor allem Frauen, aber auch Männer, suchen Hilfe und Beistand gegen häusliche Gewalt. Dieses Thema ist noch immer hochgradig mit Scham besetzt. Der Mut, sich an eine entsprechende Institution zu wenden, reicht oft nur für einen Anruf.

Leider zeigt sich gerade in der aktuellen Corona-Krise, dass die Menschen diesen Kontakt an der falschen Stelle aufnehmen. Und auch wenn dort die richtige Telefonnummer oder Adresse weitergegeben wird, reicht der Mut oder die Kraft nicht mehr für ein zweites Telefonat aus. Über Dritte oder andere Beratungsstellen kommen zwar die Informationen, dass Beratungs- und Hilfebedarf vorhanden ist, die Betroffenen gehen aber auf dem Weg verloren.

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„Häusliche Gewalt ist ein Flächenbrand, der noch immer jede vierte Frau in Deutschland trifft. Dem Einhalt zu gebieten, ist nicht nur aus Menschlichkeit und wirtschaftlichen Erwägungen gegeben, sondern seit zwei Jahren auch in Deutschland verbindliches Recht. Bund, Länder und Kommunen sind gesetzlich verpflichtet für den Schutz von Frauen vor Gewalt zu sorgen, denn vor zwei Jahren ist die Bundesrepublik der Istanbulkonvention des Europarates beigetreten“, so Simone Semmler, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Mitglied des runden Tisches gegen Häusliche Gewalt.

Dieses Gremium hat nach Möglichkeiten gesucht, den Betroffenen die richtigen Kontaktmöglichkeiten zukommen zu lassen. Die Recherche der Mitglieder hat ergeben, dass tatsächlich zwei Kampagnen notwendig sind – eine, die die bundesweite Hilfenotrufnummer flächendeckend bekannt macht, und eine lokale, in der die Betroffenen über ihre Medien wie Facebook erreicht werden.

Das bundesweite Hilfetelefon ist jeden Tag rund um die Uhr besetzt mit Fachkräften, die zusammen 17 Sprachen sprechen. Dort ist jederzeit ein Ansprechpartner erreichbar. Um diese Nummer bekannt zu machen, braucht es laut Simone Semmler in ganz Salzgitter eine Plakatkampagne.

Netzwerkpartner ziehen mit

Sehr viele Netzwerkpartner der Mitglieder des runden Tisches erklärten sich bereit, die Plakate in ihren Räumlichkeiten und Immobilien auszuhängen oder Informationen in den eigenen Kanälen und Websites zu verknüpfen. Noch mehr Menschen fanden sich um, Plakate auszuhängen, überall, wo die Betroffenen vorbeigehen könnten.

Die Volksbank BraWo, die Sparkassen, die TAG, Diakonie, die AWO, die AWO, aber auch Kirchen, die Fachdienste der Stadt sowie Polizei und andere wollen die Plakate an möglichst vielen Orten aushängen. „Was Salzgitter ausmacht ist, dass in Krisenfällen alle an einem Strang ziehen und schnell Lösungen entwickeln“, findet Andrea Meyer, Leiterin des Frauenhauses Salzgitter.

Das scheinbar größte Hindernis war, dass mindestens 2500 Plakate nötig sind für die Aktion. Das Hilfetelefonteam hat laut Simone Semmler sofort 2000 Exemplare zugesagt. Wer sich noch beteiligen will, kann unter www.hilfetelefon.de kostenfrei Material abrufen und in seinen Räumen aushängen und auslegen. Über die Internet-Plattform Facebook werden in den nächsten drei Monaten wöchentlich zwei Posts mit den relevanten Informationen der Hilfseinrichtungen eingestellt. #SZgewaltfrei lautet der Hashtag.

Kurzfristige Online-Kampagne

Die kurzfristige Online-Kampagne belegt das „beeindruckend funktionierende Netzwerk in Salzgitter“. Ein Online-Journalist vermittelte in einem Schnellkurs, wie die Netzwerkpartner ihre Posts gestalten müssen. hallo-Fotograf Rudi Karliczek ließ sich gewinnen, die Bilder zu machen, die Posts in die endgültige Form zu bringen und auf seiner Seite www.salzgitterinfos.de zu posten.

So ist das Netzwerk nun voller Hoffnung, dass Betroffene unter #SZgewaltfrei die Kontakte finden werden, die sie brauchen. „Wir hoffen, dass auch viele nicht betroffene Menschen die Kampagne Salzgitter ohne häusliche Gewalt in ihren eigenen Timelines und Facebookgruppen teilen, damit #SZgewaltfrei lokal viral geht und jeder und jede die Informationen bekommt, die notwendig sind“, so Friederike Schröder von der BiSS Beratung.

Von Roland Weiterer

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