Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Salzgitter Jugendvertretung der Salzgitter AG: Große Corona-Defizite in der Ausbildung
Nachrichten Salzgitter

Jugendvertretung der Salzgitter AG: Große Corona-Defizite in der Ausbildung

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:51 23.04.2021
Schwierigkeiten bei der Prüfungsvorbereitung: Eine Ausbildungsgruppe der Peiner Träger am Rande einer Jugendversammlung.
Schwierigkeiten bei der Prüfungsvorbereitung: Eine Ausbildungsgruppe der Peiner Träger am Rande einer Jugendversammlung. Quelle: IG Metall
Anzeige
Salzgitter

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen sorgen nicht nur an den allgemein bildenden Schulen für Schwierigkeiten. Auch die duale Berufsausbildung in den Betrieben steht vor großen Herausforderungen, um Auszubildende und dual Studierende im ungewohnten Homeschooling zu qualifizieren und auf die Prüfungen vorzubereiten.

Auf aktuelle Problemstellungen hat die „Konzern Jugend- und Auszubildenden-Vertretung“ (KJAV) der Salzgitter AG in einem Positionspapier hingewiesen. So sei auf die schwierige Situation in den jeweiligen Bezirken der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer sehr spät oder gar nicht reagiert worden, um die Teilabschluss- und Zwischenprüfungen zusätzlich vorzubereiten und der Ausnahmesituation Rechnung zu tragen.

„Vielleicht sind viele Auszubildenden und Studierenden in ihren Prüfungen im März noch mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Jill Höwing, JAV-Vorsitzende der Salzgitter Flachstahl. „Die Verunsicherung und der Druck waren im Vorfeld bei den Jugendlichen extrem hoch und belastend.“ Dort hätten Kammern und Berufsschulen früher Hilfen für die Prüflinge organisieren müssen. Schließlich sei es in den Berufsschulen im vergangenen Jahr zu einem massiven Ausfall von Unterricht gekommen, was teilweise zu Lücken im Theorieunterricht geführt hat. Diese müssten oftmals durch Selbstlektüre gefüllt werden, was für sehr junge oder lernschwache Auszubildende eine schwierige Situation darstellen kann.

„Die meisten Azubis aus dem ersten und zweiten Ausbildungsjahr haben einen großen Teil ihrer Ausbildung nicht in Berufsschule und Betrieb verbracht. Selbstverständlich entstehen hier strukturelle Defizite, wenn die persönliche Bindung und Begleitung durch Ausbildungspersonal, Lehrkräfte und die Belegschaft wegfallen“, meint Yunus Emre Karaca, JAV-Vorsitzender der Peiner Träger GmbH.

Unterschiede zeigen sich auch in der betrieblichen Praxis. Auch hier sind vielerorts Lehrgänge ausgefallen oder wurden im Umfang reduziert. Zudem haben Unterweisungen und Lernzielkontrollen teilweise seltener oder verkürzt stattgefunden. Bei Quarantäne-Fällen ist das Ausbildungspersonal teils wochenlang nicht erreichbar gewesen, um beispielsweise die Vorbereitung auf die Prüfungen zu begleiten.

In dem Positionspapier fordert die KJAV zudem von den Kammern, dass bei Theorieprüfungen eine halbe Stunde mehr Zeit eingeräumt werden sollte und die Pausenzeiten zum Lüften auszudehnen. Außerdem sollten für definierte Corona-Jahrgänge die Auswahlmöglichkeiten für gebundene Fragen erhöht werden, um den Ausfall von Lerninhalten durch mehr Wahlfreiheit zu begegnen.

Perspektivisch müsste das Schul- und Ausbildungspersonal fachlich-didaktisch auf das „Distanzlernen“ vorbereitet und technisch bestmöglich ausgestattet werden, heißt es. Auch für ihre Berufsanfänger fordert die KJAV mobile Endgeräte mit der notwendigen Software.

Von Roland Weiterer