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Der Fußball-Kreisverband in Salzgitter sorgt sich um die Zukunft

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14:37 19.02.2021
Kein Training, keine Spiele: Die Sportvereine werden die Folgen der Corona-Pandemie lange spüren.
Kein Training, keine Spiele: Die Sportvereine werden die Folgen der Corona-Pandemie lange spüren. Quelle: rk
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Salzgitter

Die Sportanlagen und Sporthallen sind geschlossen, Bolzplätze verwaist. Seit Monaten finden weder Training noch Wettkampfspiele statt. Hans-Joachim Schmalstieg, Vorsitzender des Ausschusses für Qualifizierung im NFV Kreis Nordharz, hat große Sorgen, dass die Nachwuchsarbeit einen immensen Schaden nimmt und sich Kinder und Jugendliche ganz vom Fußball abwenden.

„Bereits vor Ausbruch der Pandemie war im Volkssport so einiges schief gelaufen: Falsche Schwerpunkte in der Ausbildung, unpassende Spielformen, ungeduldige Eltern und gesellschaftliche Entwicklungen haben dazu geführt, dass der Deutsche Fußball Bund (DFB) mit seinen Landesverbänden zwischen 2009 und 2019 fast jede fünfte seiner Nachwuchsmannschaften und neun Prozent seiner Mitglieder verlor“, so Nordharz-Medienreferent Hans-Heinrich Brandes.

Eigentlich will der DFB ja die sogenannte Bolzplatzmentalität wiederbeleben. Nur wie soll das gehen, wenn Fußball-Deutschland bis auf den Profi-Sport stillgelegt ist? Die Corona-Krise hat den Amateurfußball und insbesondere den Nachwuchsbereich besonders hart getroffen: keine Spiele, kein Training, fehlende Einnahmen, Mitgliederschwund und Abmeldungen. Befürchtet werden nachhaltige Schäden auch für Vereine im Kreisgebiet. Je länger die Pause dauert, umso schwieriger wird es werden, wieder in einen normalen Zustand zu kommen.

Hans-Heinrich Brandes: „Aber auch wenn bei weiter sinkenden Corona-Infektionen im Frühling wieder mit Training und Spielbetrieb begonnen werden kann, wird sich viel im Nachwuchsbereich ändern. Schon jetzt stellen die Verantwortlichen in einigen Vereinen fest, dass sich Kinder, Jugendliche und auch Senioren zunehmen vom Fußball abwenden. Es wird befürchtet, dass sich immer mehr Kinder und Jugendliche Computerspielen und anderen Freizeitaktivitäten zuwenden“.

Die Gefahr, dass das Daddeln an Spielkonsole, Tablet, PC oder Smartphone einen größeren Reiz ausübt als der Fußball-Platz ist vor allem für jene Kinder und Jugendlichen riesig, die eher zum Spaß kicken. „Kommen diese nicht leistungsorientierten Nachwuchsfußballer, oft auch Gänseblümchenpflücker genannt, dann vielleicht gar nicht mehr wieder?“, fragt sich nicht nur Hans-Heinrich Brandes.

Auf dem Weg von den E-Junioren bis zu den A-Junioren gingen dem DFB grob gesagt die Hälfte seiner Spieler verloren. Das hat einschneidende Folgen. Talente in den Auswahlmannschaften verlieren ohne Wettkämpfe, Turniere oder Lehrgänge die Motivation. Die Basis kann auf der Spielkonsole zwar „FIFA 21“ spielen, aber nicht mehr Fußball selbst. Fußball ist eine komplexe Sportart, die sich abgesehen von Kondition und Athletik dauerhaft nicht alleine trainieren lässt. Onlineangebote und Einzeltraining im Wohnzimmer sind zwar gut gemeint, bringen aber nichts, so Hans-Heinrich Brandes. Mit einem Hochhalten der Klopapierrolle mit dem Fuß komme niemand nicht weiter.

Er verweist auf DFB-Vize-Präsident Dr. Rainer Koch, der in einem Interview sagte: „Den Fußball und den gesamten Breitensport außen vorzulassen wird fürchterliche Folgen haben. Gerade auch im Fußball wurde mit Beginn der Pandemie mit akribisch ausgearbeiteten und fast perfekt umgesetzten Hygienemaßnahmen die Vorgaben der Politik umgesetzt. Keiner versteht es, wenn Wechselunterricht in den Schulen stattfindet, am Nachmittag die Kinder unter Aufsicht und Einhaltung der Abstandsregeln aber nicht reduziert zusammen trainieren dürfen.“

Von Roland Weiterer